alles muss raus - mit Thilo Mischke

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00:00:00: Es ist ja so wahnsinnig verlockend, also so auf so ein Shitstorm aufzuspringen und auf der richtigen Seite, sage ich jetzt mal, in großen Anführungszeichen zu stehen.

00:00:12: Es ist aber am Ende auch wahnsinnig leer, weil am Ende ist, meine Meinung ist total, es passiert dadurch kein gesellschaftlicher Umbruch, kein großes Gespräch, kein, wir setzen uns hin und wir versuchen zusammen zu kommen.

00:00:28: Ständig frage ich mich Dinge.

00:00:30: Tag ein, Tag aus und will verstehen, wie dieses oder jenes funktioniert.

00:00:35: Egal, ob in Politik, Gesellschaft, Kultur oder Naturwissenschaft.

00:00:40: Es gibt so viel, was mich interessiert, was neu ist, was ich lernen kann.

00:00:44: Deswegen teilen hier bei alles muss raus, Menschen ihre Perspektive, ihren Standpunkt, ihr Wissen, ihre Haltung.

00:00:52: Und in dieser Woche

00:00:53: hat mich folgende

00:00:54: Frage beschäftigt.

00:00:56: Warum ist es wichtig, eine Haltung zu haben?

00:01:17: Liebe Hörerinnen, liebe Hörer, herzlich willkommen zur letzten Folge des alten Jahres, also aufgenommen im alten Jahr, aber ich glaube veröffentlicht am ersten Januar und damit die erste Folge des neuen Jahres.

00:01:31: Ich habe mich mit Samuel Benke getroffen.

00:01:33: Samuel Benke ist Content Creator und Bookfluencer und jemand der auf Instagram innerhalb kürzester Zeit.

00:01:41: sich eine mittlere bis mittelgroße Followerschaft erarbeitet hat, nicht nur dadurch, dass er Bücher empfiehlt, nein, auch vor allem dadurch, dass er sehr versöhnliche Takes produziert und reproduziert.

00:01:54: Und das fand ich toll und faszinierend.

00:01:56: Deswegen habe ich ihn zum letzten Gespräch in diesem Jahr eingeladen und ich möchte mit ihm darüber sprechen, wie man eigentlich Kulturjournalist wird, weil eigentlich ist er das nämlich.

00:02:04: Ich habe mit ihm auch darüber gesprochen, was es bedeutet, bestimmte Text zu haben, zu vertreten und dafür einzustehen.

00:02:11: Also zum Beispiel, wie gehen wir damit um, dass wir Diskussionen in digitalen Räumen zum Beispiel differenzierter?

00:02:19: führen müssen.

00:02:20: Auch habe ich mit ihm darüber gesprochen, wie man sich selbst eigentlich wahrnimmt, wie man als ein Dreißigjähriger ist, aber auch als ein Zwanzigjähriger war und wie wichtig ist es, queere Positionen in unserer Gesellschaft deutlich zu machen.

00:02:32: Das Gespräch war sehr angenehm und vor allem war es mal wieder so ein richtiges Gespräch und nicht ein klassisches Interview.

00:02:39: Deswegen, liebe Hörerinnen und Hörer, wünsche ich euch viel Spaß mit dem Gespräch.

00:02:43: und die aktuelle Frage.

00:02:46: ist tatsächlich, ich würde sagen, Samuel, warum ist es so wichtig, Text zu haben?

00:02:53: Oder besser, warum ist es wichtig, eine Haltung zu haben?

00:03:09: Ich habe vor kurzem festgestellt, dass ich mich gerne auch wieder in meinen Podcasts einfach mal unterhalten möchte und nicht nur die harten Interviews zu aktuellen politischen Themen führen möchte und habe dich heute eingeladen, weil man mit dir glaube ich beides machen kann.

00:03:21: Man kann sich unterhalten, man kann aber auch tatsächlich sehr komplizierte, schwierige, diskutable Themen besprechen.

00:03:27: Das merkt man nämlich, wenn man dir auf Instagram folgt, vierzigtausend Foto hast du mittlerweile, ich glaube, dass wirklich jeder Kulturschaffende in Deutschland in den letzten sechs bis zwölf Wochen mindestens ein Real von dir gesehen hat, was ich eine ziemliche Meisterleistung finde.

00:03:41: Und meine erste Frage tatsächlich aber an dich soll sein, warum?

00:03:44: Warum möchtest du plötzlich in dieser Bubble so stattfinden und war das ein langgehegter Plan?

00:03:50: Oder sagst du nur, ich mach's jetzt einfach mal so.

00:03:53: Ja, erstmal vielen Dank, schön hier zu sein.

00:03:55: Ich glaube, Für mich war das so ein Bedürfnis aus dem, ich sag mal, Schatten meiner Arbeit hervorzutreten.

00:04:03: Also ich hab viele tolle Formate entwickelt für Leute und Mitleuten und ich hab so das Bedürfnis gehabt zu sagen, hey, hier bin ich mit meiner Arbeit und einfach auch ein bisschen mehr Hebel rum, Hebel Kraft zu haben.

00:04:22: für meine Arbeit und zu sagen, ich kann besser verhandeln, ich kann Projekte freier entscheiden, ich kann eigene Bücher schreiben, ich kann mit meinen eigenen Gedanken mehr rausgehen.

00:04:30: und das war so ein bisschen die Motivation dahinter.

00:04:32: Und ich habe das angefangen im Sommer mit einer neuen Managerin, die mich da gepusht hat, was ich sehr, sehr schön fand.

00:04:40: Und was mich sehr motiviert hat, zu sagen, ich probiere das jetzt einfach mal.

00:04:43: Und dann war das so ein bisschen so ein Selbstläufer, ehrlich gesagt, wo ich dann dachte, okay, wenn das so viele Leute gut finden, dann bleibe ich jetzt erstmal dran und gucke, was passiert.

00:04:52: Was ich krass finde und warum ich dir dann auch gefolgt bin, ist, weil du so furchtfrei wirkst.

00:04:56: Weil du so sagst, heute rede ich mal über Treadwives, morgen rede ich über die fünf Klassiker der feministischen Literatur, übermorgen diskutiere ich mit euch mal auf meinem Insta-Feed darüber, dass wir eine bessere Fehlerkultur haben müssen.

00:05:06: Und das fand ich so wirklich so, ich hab jedes Mal so, nee, ist voll cool.

00:05:10: Ich möchte das weiter, ich möchte deine Takes dazu hören.

00:05:12: Also, woher kommt es, dass du so furchtfrei bist?

00:05:15: Ja, danke schön.

00:05:16: Ich glaube, ich bin gar nicht furchtfrei.

00:05:18: Ich glaube, ich habe einfach nur das starke Bedürfnis, gesellschaftlich wieder mehr ins Gespräch zu kommen.

00:05:23: Ich hab das Gefühl, wir sind so festgefahren, was auch so meine Bubbles angeht, wo ich das Gefühl hatte, auch selbst im privaten, ganz viele Leute äußern so diese Furcht, sich zu Sachen zu äußern und Gespräche zu führen.

00:05:35: Und ich denke mir, das nützt ja sowieso nur polarisierten Spektren im politischen.

00:05:41: Und das finde ich eigentlich total gefährlich.

00:05:42: Also zu sagen, man kann nicht mehr sich zu irgendwas äußern und ein Gesprächsangebot machen online.

00:05:47: Das finde ich schade, da wollte ich irgendwie so ein bisschen gegen angehen und ich habe sowieso diese ganzen Gedanken im Kopf und ich dachte mir, ja, ich teile die jetzt einfach mal und manchmal geht es ein bisschen in die Hose und ich kriege irgendwie eine kleine Internetklatsche und manchmal nicht.

00:05:59: und ich glaube aber grundsätzlich, ich lerne wahnsinnig viel darüber, wie gesprochen wird im Internet und ich freue mich auch, wenn Leute mit mir respektvoll sprechen und vielleicht auch sagen, hey, da hast du mal darüber nachgedacht oder so.

00:06:12: Würdest du sagen, dass das eigentlich der Journalismus ist, den wir jetzt brauchen?

00:06:15: Weil ich hab das Gefühl, wenn ich mit dir rede, du als einundrassigjähriger Journalist sitzt vor mir, ich bin sowieso Old Money-Journalisten.

00:06:22: Weißt du so, ich könnte dir jetzt diese schlimmen Geschichten erzählen von, also früher, was wir da verdient haben, als wir noch Reportagen für die Neon geschrieben haben, so dieser alte Journalismus, den es ja eigentlich nicht mehr gibt.

00:06:33: Jetzt kommt deine Generation.

00:06:34: Du bist dran.

00:06:35: Ist das, was du machst, jetzt der Journalismus?

00:06:37: Ist das, was du machst, die krasse Neon-Reportage, wenn man eben viele Leute mit einem guten Take erreicht?

00:06:42: Ich weiß gar nicht, ob ich sogar so weit gehen würde und das Journalismus nennen würde.

00:06:46: Ich würde sagen, es ist auf jeden Fall ein Zwischending.

00:06:49: Es hat so ein Gesprächskultur, so ein bisschen Gesprächsformat, mäßig.

00:06:54: Und natürlich ist die Realität, dass journalistische Berufe immer prekierer werden.

00:07:00: Also so für Magazine schreiben mache ich ja selber auch gerne, aber es ist einfach so wenig Geld da.

00:07:04: Es ist so wenig Möglichkeit, sich zu äußern in ganz vielen Aspekten.

00:07:08: Der Wettbewerb ist auch so groß.

00:07:10: Und natürlich ist Social Media eine Plattform, die das ermöglicht, was ja in so Printmedien nicht mehr so ganz möglich ist oft.

00:07:19: Dass man sagen kann, okay, wie können wir uns denn austauschen, ohne dass direkt einem die Scheiße um die Ohren fliegt?

00:07:24: Das finde ich eigentlich ganz schön und das versuche ich und das gelingt fast immer.

00:07:30: Wo würdest du dich denn einordnenjournalistisch?

00:07:32: Also hast du so, also ich würde sagen, ich bin auch ein Journalist, was bist du?

00:07:35: Ich würde sagen, ich bin Autor auf jeden Fall und ich würde sagen, ich bin Redakteur, weil ich ja viele Sachen auch so... hinter den Kulissen einfangen und auch darüber nachdenken, wie kann man so einen Format z.B.

00:07:47: gestalten, damit es ordentlich funktioniert, gute Fragen stellen.

00:07:50: Das ist natürlich journalistische Arbeit, aber...

00:07:52: Du wirst bescheiden mit der Amiselle, ich würde, du machst journalistische Arbeit und bist Journalist.

00:07:56: Ja, ist nicht meine Selbstbezeichnung, aber wenn du das so siehst, dann...

00:08:00: Ja klar, du machst, glaube ich, den Stephani Giesinger Podcast und wenn du da z.B.

00:08:04: Fragen vorbereitet ist, dann ist das Teil, also z.B.

00:08:07: eine Person, die für die Markus-Lanz-Redaktion arbeitet und die Fragen für Markus-Lanz erarbeitet, wenn du die irgendwie fragst, was machst du beruflich?

00:08:12: Ja, ich bin journalistisch, arbeite für Markus-Lanz.

00:08:14: Das kannst du doch dann genauso sagen.

00:08:16: Ja,

00:08:16: ich sag halt, ich bin Auto, ich arbeite für Studio-Boomins.

00:08:21: Ich möchte mit dir jetzt natürlich auch mal so über deine Takes sprechen.

00:08:23: Und zwar hab ich mir ein paar rausgesucht von deiner

00:08:25: ... Oha.

00:08:26: ... von deiner Instagram-Seite.

00:08:28: Und zwar, als erstes will ich mit dir über Content-Vertieg sprechen.

00:08:32: Okay.

00:08:33: ... das Jahr, in dem jetzt wieder Serien ... Unzählige Bücher erschienen sind auf dem deutschen Markt.

00:08:38: Also es ist wirklich für beide machen.

00:08:39: Du machst ja Buchkontent, ich mach Buchkontent.

00:08:42: Wie

00:08:43: hält man, deiner Meinung nach,

00:08:45: da

00:08:46: behält man den Überblick und wie beschafft man, das irgendwie interessiert und neugierig zu bleiben bei der Menge an Theaterstücken.

00:08:52: Serien, Bücher, Filmen, alles was man gucken kann.

00:08:55: Konsumieren kann.

00:08:56: Was macht man?

00:08:56: Was würdest du empfehlen?

00:08:58: Ich glaube, was so ein bisschen passiert ist, ist, dass wir durch Algorithmen und Social Media generell so auf Spotify hört man das ja.

00:09:05: Man hat irgendwie so ein Musikgeschmack, der so ein bisschen Wage irgendwas ist.

00:09:11: Und man weiß aber nicht so, es gibt keine Outlierer, es gibt nichts mehr, was so wirklich interessant ist, was einem vorgeschlagen wird, weil es einfach cool ist.

00:09:18: Und für mich persönlich ist es interessant, Meinungsmacherinnen auszumachen in den bestimmten Szenen.

00:09:24: Es gibt zum Beispiel so eine Club-Influencerin, es gibt so eine Theater-Influencerin auf TikTok, die dann immer so empfiehlt.

00:09:30: Hier könnt ihr hingehen, das ist interessant.

00:09:32: Und ich glaube, wir sehnen uns, also ich zumindest sehne mich total nach Leuten, die sagen, das sind schöne Picks.

00:09:38: Das sind gute Sachen.

00:09:38: Bei mir ist das oft Literatur einfach, weil ich lesen so wahnsinnig liebe und Literatur so sehr liebe und sowieso so viel lese, dass ich sagen kann, okay, die Sachen gefallen mir und ich habe auch meine Gründe dafür.

00:09:48: Und wenn Leute das irgendwie gut finden oder da so ein bisschen Anschluss finden, mit meiner Meinung, dann freue ich mich natürlich total.

00:09:54: Und das ist natürlich auch eine Meinungsmacht.

00:09:56: Aber ich glaube, wir richten uns wieder mehr in so nischigen Kategorien ein, wo Leute halt sehr spezifische Sachen wissen und schöne Empfehlungen geben können.

00:10:08: Und ich glaube, das hilft so ein bisschen diese Marktüberschwemmung von Remakes und Prequels und was auch immer so ein bisschen zu navigieren.

00:10:15: Wo kommt

00:10:16: denn das her bei dir, dieses Kulturinteresse?

00:10:18: Ich glaube, das ist... schon ein kulturelles Kapital meiner Eltern, auf jeden Fall.

00:10:24: Also beide meine Eltern sind oder waren

00:10:27: ... Kleine Zeitnot, wenn jemand in einem Gespräch das Wort kulturelles Kapital verwendet, dann weiß man auf jeden Fall, dass die Eltern mindestens studiert haben.

00:10:35: Ja, das meine ich mit kulturellem Kapital vielleicht auch.

00:10:38: Die waren beide Dramaturgen und haben beide beim Film gearbeitet.

00:10:43: Und ich glaube, das war für mich immer so ein ... Ja, ein Feld, was mir auch sehr offen stand.

00:10:50: Ich hab ganz lange darüber nachgedacht, will ich selber schreiben.

00:10:53: Und hab mich ganz lange dagegen entschieden, weil ich nicht so das Bedürfnis hatte, in die Fußstoffe meiner Eltern zu treten.

00:11:01: Und ... hab aber über die Jahre dann gemerkt, als ich so unterschiedliche andere Sachen gemacht hab.

00:11:05: Also ich war zum Beispiel als Kind Schauspieler, so Kinderschauspieler, und das fand ich toll, weil ich war so, wir sind sowieso immer am Set, ich liebe es am Set zu sein, ich will jetzt auch mitmachen.

00:11:14: Das fand ich super.

00:11:15: Und jetzt hab ich aber so gemerkt, je älter ich werde, desto mehr hab ich auch Lust, die Geschichten in die Hand zu nehmen und selber was zu erzählen und auch Positionen oder Stimmen in den Vordergrund zu rücken, von denen ich denke, sie sind gesellschaftlich nicht genug gehört.

00:11:29: Das finde ich ... einen ganz tollen Punkt an meiner Arbeit.

00:11:32: Was machen wir ein Beispiel?

00:11:33: Also was sind so Positionen, die gesellschaftlich nicht genug gehört sind und wie würdest du sie aufarbeiten?

00:11:37: Also ist der Roman das Ziel oder ist das Theaterstück das Ziel?

00:11:40: Also grundsätzlich, was ich so in den letzten Jahren viel gemacht habe, ist interessante Persönlichkeiten zu interviewen.

00:11:46: Ich habe zum Beispiel den Creator von Schwarze Früchte interviewt und habe ein ganz tolles Gespräch mit ihm über die deutsche Kulturlandschaft geführt und wie Schwarze Quere Stimmen zum Beispiel einfach nicht gehört werden oder einfach viel zu wenig gehört werden.

00:11:58: Und da so ein Gefühl ist, man muss das alles selber machen und am Ende kriegt man nicht mal eine zweite Staffel.

00:12:02: wo die so geil war.

00:12:03: Das finde ich einfach eine Tragödie.

00:12:04: Für mich selber bedeutet das auch, queere Realitäten in den Vordergrund zu schreiben.

00:12:08: Für mich bedeutet das natürlich auch, idealerweise Bücher, mehrere zu schreiben und rauszubringen.

00:12:16: Und da bin ich gerade auch total dran.

00:12:18: Und da passiert auch viel und ich freue mich mega.

00:12:20: Und ich glaube, das sind so Möglichkeiten.

00:12:22: Storytelling.

00:12:24: zu betreiben, was nicht so altbacken ist, was nicht so tradierte Muster, auch was so Queerness angeht, ist so ein bisschen das Auflockert.

00:12:31: Das

00:12:31: ist ja, ich habe letzte Woche einen kleinen Podcast gemacht zu Rosa von Braunheim und dem Tod von Rosa von Braunheim mit einem Herstellungsleiter, der bei uns arbeitet, der vor dem Herstellungsleiter war.

00:12:41: Und wir hatten interessanterweise ein sehr ähnliches Gespräch.

00:12:44: Wie macht man das?

00:12:45: Wie erzählt man das?

00:12:46: Wie schafft man das, queere Positionen in die Mitte der Gesellschaft zu bringen, ohne dass die Mitte der Gesellschaft dann plötzlich sagt, das ist mir jetzt zu queer?

00:12:53: Ja.

00:12:55: Weißt du, wir, unsere Bubbles, für uns gibt es das nicht, dieses Zugquier.

00:13:00: Das ist Teil der Gesellschaft, es wird gar nicht in Frage gestellt.

00:13:02: Wir freuen uns, wenn in Fernsehserien, wie zum Beispiel, wie ist diese Zombie-Serie, mit diesen Pilzen aus dem Kopf.

00:13:10: Ah,

00:13:11: The Last of Us.

00:13:11: Da gab es eine Quiere-Geschichte.

00:13:13: Und das Besondere an der Geschichte war, es wurde nicht thematisiert.

00:13:16: Das fand ich so gut.

00:13:18: Das war das Auffällige.

00:13:19: Wie kriegt man das hin?

00:13:20: Ist das der Weg, den man macht, das nicht zu kommentieren, was man dort sieht, was man liest, was man hört?

00:13:25: Das kann natürlich ein Weg sein.

00:13:26: Ich glaube, das ist ein Weg in einer Gesellschaft, die offen genug dafür ist.

00:13:30: Ich glaube, wir haben gerade einen konservativen Backdrift, den wir natürlich erleben, auch als ein Abbau von queerer Sichtbarkeit, von queeren Rechten.

00:13:40: Obwohl das natürlich oft nicht so wahrgenommen wird.

00:13:43: Also Regenbogen fliegen überall.

00:13:45: Das ist ja nicht so richtig die Realität.

00:13:48: Und ich glaube, es ist ganz wichtig, dass man das anspricht, dass man sagt, hier gibt es Ungleichheiten, hier gibt es noch immer irgendwie einen Weg zu gehen.

00:13:57: Ich persönlich glaube für mich funktioniert das gut, indem ich selber bin.

00:14:03: Und ich selber bin in der Art und Weise, in der ich keine Angst habe, widersprüchlich auch zu sein, queer zu sein, zu existieren, Kunst zu machen, Kultur zu machen, die mir entspricht.

00:14:17: Natürlich auch nicht nur queere Storylines, die mit Trauma und Schmerz und Angst und Tod verbunden sind, sondern mit Freude, mit Liebe, mit ganz gesellschaftlich, ich sag mal, normativen Themen, die wir alle erleben, weil das... ist ja so, wir erleben ja alles recht ähnlich, es geht nur darum, wie viel Teilhabe wir haben können, gesellschaftlich und wie sehr wir an den Rand gedrängt werden und von diesen Erlebnissen dann abgeschnitten werden.

00:14:43: Also ich glaube so, Query Realitäten reinziehen und natürlich, wenn man sie dem Mainstream verfügbar macht, dann muss man manchmal gucken, dass man trotzdem sich selber gerecht wird und nicht irgendwelche weichgespülten narrative oder homonormativen narrative wählt wo man sagt so wir sind genau gleich nur schwul.

00:15:02: das ist ja natürlich nicht das gleiche.

00:15:03: es gibt noch mal unterschiede aber trotzdem ist es schön diese sachen ohne so eine Berührungsangst und ohne jetzt so eine große Verkopfung vielleicht einfach zu sprechen.

00:15:12: Das ist die größte Schwierigkeit.

00:15:13: Ja.

00:15:13: So, das zu schaffen, dass du die Inhalte, die du machen möchtest, nicht zu sehr weich spülst, aber genug weich spülst, um Leute zu erreichen, die sich möglicherweise nicht mit diesem Thema auseinandersetzen.

00:15:23: Wie ist denn deine Erfahrung, wenn du zum Beispiel in Redaktion queere Themen vorschlägst?

00:15:27: Wie wird darauf reagiert?

00:15:30: Gut, also ich arbeite immer mit ganz tollen, sehr offenen Leuten.

00:15:33: Meine redaktionelle Arbeit ist ja oft so, dass ich versuche, okay, wir können mir eine gewisse Ausgewogenheit in Gästinnen erreichen.

00:15:41: Da geht es dann nicht nur darum, Quereleute einzuladen, sondern es geht darum, einfach unterschiedliche Maginalisierungserfahrung sichtbar zu machen.

00:15:48: Wir möchten schwarze Frauen einladen, aber nicht weil sie schwarze Frauen sind, sondern weil sie gesellschaftlich wichtige Arbeit machen und Themen besprechen, die interessant sind.

00:15:56: Wir möchten Sichtbarkeit schaffen, ohne dass man sagt, man tokenisiert people irgendwie, die einfach eine Minderheit sind.

00:16:02: Und wir laden sie jetzt ein, weil sie sind eine Minderheit.

00:16:04: Das ist falsch, sondern zu sagen, was ist deren Arbeit, was haben die zu sagen und warum?

00:16:09: Und warum ist das interessant?

00:16:10: Und ich bin aber auch ein großer Fan davon, Leute einzuladen, die vielleicht... Nicht die großen Mainstream-Themen vertreten.

00:16:17: Ich finde, das kann man manchmal so redaktionell pushen.

00:16:20: Aber das ist dann natürlich nicht ganz so leicht.

00:16:21: Und da versuche ich dann manchmal hier und da zu sagen, hey, wie wär's denn mit dieser Person?

00:16:25: Und manchmal klappt's und manchmal klappt's nicht.

00:16:28: Eingangs habe ich dich ja gefragt, wie man Contentvertieg verhindert.

00:16:32: Wie verhindert es du, dass du nicht erschöpft bist, insbesondere weil du auch gesagt hast, die Gesellschaft rückt ja jetzt schon wieder nach rechts.

00:16:37: So.

00:16:38: Mich würde das erschöpfen und mich erschöpft es um ehrlich zu sein auch, dass man irgendwie als Antifaschist, als der ich mich verstehe, als der du dich wahrscheinlich auch verstehst, dass das irgendwie so, also ich bin auch so ein bisschen so, wirklich man hat ja seit der Pubertät gesagt, Leute passt auf, das kann alles wiederkommen und langsam kriegt es wieder heran an uns.

00:16:58: Aber ich bin erschöpft.

00:16:59: Also wie schaffst du es da nicht, die Fatigue gewinnen zu lassen?

00:17:03: Das ist eine gute Frage.

00:17:04: Ich glaube, was es bei mir auslöst ist, eher so eine Kampfeslust, zu sagen, jetzt ist recht.

00:17:10: Jetzt ist recht offen so zu leben, wie ich denke, dass es wichtig ist zu leben, richtig ist zu leben, dass ich frei leben kann und auch frei besprechen kann, was mich betrifft, was mich beschäftigt und auch was viele meiner Friends betrifft, die auch alle ... in der einen oder anderen Weise gesellschaftlich zu kämpfen haben und zu sagen, okay, wir kämpfen gemeinsam oder wir stehen gemeinsam dafür ein, dass es so bleiben kann und vielleicht sogar besser wird.

00:17:38: Und ich merke klar, das wird immer schwieriger, aber dadurch, dass ich auch schon in meiner Jugend so viel Gegenwind erfahren habe, als zum Beispiel eine flamboyante junge Person auf dem Schulhof, boah, habe ich viel reingedrückt bekommen und... Jetzt denke ich mir halt so, ja, aber jetzt liebe ich mich und jetzt ist recht.

00:17:58: Was würdest du dem komischen Onkel an Quere Literatur mal empfehlen zu lesen?

00:18:03: Ja, ich

00:18:03: meine... Also, was würdest du... Das ist der schwerst zu überzeugende Mensch, der Onkel am Weihnachtstisch, der komisches, der komische Takes hat.

00:18:10: Was würdest du dem hinschieben?

00:18:12: Das ist natürlich eine gute Frage.

00:18:13: Ich glaube grundsätzlich würde ich immer Leuten empfehlen, die so ein bisschen niedrigschwelligeren Zugang brauchen, vielleicht mit dem ersten Buch von Eduard Louis anzufangen, das Ende von Eddie, weil das so eine Kindheit auf dem Land beschreibt von einem jungen schwulen Mann, der einfach arm ist, der mit sich kämpft und der so eine Coming-out-Erfahrung hat, die wirklich sehr zwar gewaltsam beschrieben ist, aber sehr... sehr emotional irgendwie auch schön ist, auf eine Art und Weise.

00:18:47: Und vielleicht hat der Onkel ja auch Lust auf so ein bisschen experimentellere ...

00:18:52: Hater, ich bin jetzt mal stellvertretend für den Onkel.

00:18:54: Also ich bin nicht dieser Onkel, sondern ich würde jetzt einfach ... Der Onkel sagt jetzt, ich bin ein bisschen experimenteller, sagt der Onkel.

00:18:59: Ich freu mich, ich freu mich.

00:19:01: Dann würde ich vielleicht auch empfehlen von Janet Wintersen, warum Glücklichstadt einfach nur normal.

00:19:07: Und das stellt halt genau schon diese Frage.

00:19:09: Also was bedeutet einfach nur normal?

00:19:10: Es ist eine adoptierte Frau, die mit ihrer Adoptivmutter total kämpft.

00:19:16: Es ist auch ein Klassen-Roman.

00:19:17: Es geht aber ganz viel auch um lesbisch sein.

00:19:19: Es geht um sich selber erkunden.

00:19:20: Und die wächst, glaube ich, in der UK so auf dem Land auf und hat sehr viele Entbehrungen in ihrem Leben, gegen die sie sich so auflehnt.

00:19:28: Und am Ende ist es aber so ein ... Ja, was bedeutet denn eigentlich gesellschaftlich ... Teil haben zu können und was bedeutet glücklich sein zu dürfen beziehungsweise so das eigene glück verfolgen zu dürfen und nicht einfach nur zu sagen okay Ich passe mich so weit an dass ich nirgendwo anstoße.

00:19:46: das ist nie mein ziel.

00:19:48: ich denke ich bin so sehr ich selber dass ich andere leute davon überzeuge zu sagen auch wenn sie jetzt eine queer person ein bisschen mit skeptis betrachtet haben dann denke ich mir Dann kann ich die Person sein, der du deine merkwürdigen und übergriffigen Fragen stellst, weil wie sonst sollst du es lernen?

00:20:06: Ich kann natürlich sagen, geh und google das.

00:20:09: Und davon hab ich aber nichts und die Person wahrscheinlich auch nichts, weil ich kann mein Wissen und meine Kraft weitergeben, kann ich nicht unlimited, weil es ist auch anstrengend, aber gleichzeitig denke ich mir, es braucht auch Personen, die andere an die Hand nehmen wollen.

00:20:24: Würdest du sagen, du bist geduldig?

00:20:25: Es ist eine meiner größten Herausforderungen.

00:20:27: Ich würde eigentlich sagen, ich bin geduldig, außer ... mein Partner braucht lange und wir wollen losgehen.

00:20:33: Ich glaube, ich versuche im Alltag ... ist das wie so eine ... eine Übung, wirklich geduldig zu sein.

00:20:40: Ich hasse aber zum Beispiel hier in der Schlange stehen.

00:20:42: Ich hasse das.

00:20:43: Ich meine, ich meine dieses ... das glaube ich, jeder darf da ungeduldig sein.

00:20:46: Ich meine eher dieses ... die große Frage eben schnell ... Google ist.

00:20:50: Aber nee, ich nehme die Zeit, ich nehme die Ruhe, dir die Fragen zu beantworten, um etwas ... zu verändern.

00:20:56: Das ist mein Versuch.

00:20:57: Also ich versuche das oft.

00:20:59: Das gelingt nicht immer.

00:21:00: Wie schafft man das in der Ansprache, dass man nicht von oben herab wirkt?

00:21:05: Dass man nicht Leute verschreckt, indem man sagt, das müsstest du aber nun wirklich langsam wissen im Jahr.

00:21:13: Ich glaube, ich war Anfang meiner Zwanziger wahnsinnig von oben herab, weil ich das Gefühl hatte, ich habe alles herausgefunden.

00:21:18: Ich weiß jetzt, wie die Welt funktioniert und ich selber war wahnsinnig unsicher.

00:21:22: Ich war eigentlich sehr unsicher.

00:21:23: Und ich glaube, so ein oben herab kommt von der Unsicherheit und vielleicht auch so ein nicht gefestigt sein in den eigenen Idealen.

00:21:30: Er ist schon

00:21:30: mit zwanzig, Anfang zwanzig gefestigt.

00:21:33: Das wär ein sehr unheimlicher Mensch, der mit Anfang zwanzig so ist, wie er mit einundreißig ist, oder mit Mitte vierzig.

00:21:38: Also das wär so ... Also, ich glaube, nur Christian Lindner war schon mit Anfang zwanzig so, wie er jetzt ist.

00:21:44: Ja, und ob das was Gutes ist.

00:21:46: Naja, also ich ... Ich glaube, ich bin mehr in meinen Meinungen ... sicher und fühle mich da mehr zu Hause und ist natürlich noch ein ganzer Weg.

00:21:57: Ich meine, ich bin immer noch jung und hab das Gefühl, so viele Sachen frage ich mich auch noch, aber ich glaube, dieses von oben herab kommt oft, wenn man denkt, man weiß es besser.

00:22:08: Und ich finde immer, wenn eine Person den Mut in die Hand nimmt, zu sagen, ich weiß es nicht besser und ich frage dich, dann finde ich das ein ganz tolles Angebot erst mal.

00:22:18: Da versuche ich dann meine eigenen Verletzungen manchmal auch, die durch solche Fragen natürlich auch entstehen können, bisschen runterzuschlucken und zu sagen, diese Person hat sich selber überwunden oder ihre eigene Angst überwunden und hat jetzt dich gefragt, hey, wie ist xy?

00:22:34: Das ist ja eigentlich schon mal schön, ist ja eigentlich ein Angebot.

00:22:37: Und ich versuche, wenn es geht, dieses Angebot anzunehmen, auch auf Social Media manchmal, wo ich dann so interessante Nachrichten bekomme von Leuten, die eher rechtskonservativ sind.

00:22:47: Also

00:22:47: die schreiben die dann auch aktiv, um dich nicht zu beleidigen, sondern wirklich nur eine Frage zu stellen.

00:22:51: Um

00:22:51: eine Frage zu stellen.

00:22:52: Also die oft dann so sind so, hey, ich bin, weiß ich nicht, also mit Nazis sprechen ist jetzt nicht so mein Berufsfeld.

00:23:01: Ich glaube, das ist wichtig.

00:23:02: Das ist

00:23:03: extrem wichtig.

00:23:03: Das ist extrem wichtig, aber es ist halt so, Das kann man jetzt in so einer Insta-DM, glaube ich, da kann man jetzt nicht so wahnsinnig viel auslösen, vielleicht vielleicht nicht.

00:23:13: Aber so Leute, die ja einfach konservativ oder recht konservativ wählen und sich auch so begreifen, die dann sagen, hey, du, ich habe darüber nachgedacht oder ich sehe das ganz anders als du, ich bin aber irgendwie dankbar, dass du das so gesagt hast, kannst du darauf noch mal näher eingehen, wenn das respektvoll passiert, dann finde ich das ein interessanter Austausch.

00:23:32: Diese Liebe zur Literatur und dieses Transportieren von literarischen Themen im Internet, wie schaffst du dich durchzusetzen?

00:23:39: Da sind so viele mittlerweile, die das machen.

00:23:42: Also ich meine, ich zähle mich da auch dazu.

00:23:44: Also ich mach das weniger und weniger toll als du tatsächlich.

00:23:48: Es hat so eine Geschnelligkeit bei dir auch.

00:23:50: Ja klar, sowieso kann man genauso, würde ich genauso empfehlen.

00:23:53: Also wie setzt du dich jetzt gegen die anderen Leute durch und ist es dir überhaupt wichtig, dich durchzusetzen?

00:23:58: Ich glaube... So ein Durchsetzen, das ist nicht meine Herangehensweise, weil ich grundsätzlich wahnsinnig dankbar bin über jede Person, die abgeholt wird von einem Buch oder von einer Person, die ihren Buch empfiehlt.

00:24:12: Das ist

00:24:13: das schönste Gefühl.

00:24:14: Es ist das schönste Gefühl, wenn du ein Buch empfiehlt und die Leute sich danach melden und sagen, dieses Buch hat mich bewegt.

00:24:19: Ja.

00:24:20: Das ist wirklich das Beste.

00:24:21: Das ist so intim, finde ich auch.

00:24:23: Ich finde, es ist so eine intime Art und Weise, eine Person auch in dem Prozess zu begleiten.

00:24:28: Ich habe schon so vielen Friends von mir Bücher empfohlen in schwierigen Lebensphasen, in Umbruchphasen, die dann gesagt haben, hey, das hat mir voll geholfen, weil diese Person hat das schon erlebt und aufgeschrieben.

00:24:41: Und das finde ich das Schönste an Büchern.

00:24:43: Deswegen fühle ich mich nicht im Wettbewerb mit anderen Leuten die Bücher empfehlen.

00:24:46: Ich habe nur das ... Gefühl.

00:24:48: ich habe so gesehen oder so ein Gefühl gehabt.

00:24:51: es gibt nicht genug sichtbarkeit für Ich sage mal klassische billet ristik.

00:24:58: also so du gehst in den buchhandel und da ist das billet ristikregal da sind die romane mit Geschichten und da sind irgendwie mit großen Themen und so.

00:25:07: Es gibt ganz viel Fantasy.

00:25:09: Es gibt ganz viel diese romantischen Bücher.

00:25:12: Und ich finde, die haben total ihre Berechtigung.

00:25:15: Ich bin gar kein Mensch, der sagt, oh, das ist irgendwie Schund.

00:25:18: Ich hab versucht.

00:25:19: Ich hab versucht.

00:25:19: Ich hab einiges davon auch gelesen.

00:25:21: Und ich finde das toll, dass es das gibt.

00:25:24: Ich mag ja, wenn ich Bücher nicht mag, heißt es ja nicht, dass sie schlecht sind.

00:25:27: Ich mag sie nicht, find's aber toll, als Kind einer Buchhändlerin zu sehen.

00:25:30: Die Leute kommen in die Buchhände und kaufen diese Bücher.

00:25:32: Es ist schon mal gut, dass Leute wieder in die Buchhandlung kommen und diese Bücher kaufen.

00:25:36: Aber ich fahr die so bei, also ich hab Iron Flame.

00:25:40: Großartig hab ich auch gelesen.

00:25:41: Und es fahr dann so, da dachte ich dann wirklich so, ey, wir sind doch schon weiter.

00:25:46: Also da gibt's besseres Fantasy, komisches Männerbild, komisches Frauenbild, komisches Drachenbild.

00:25:52: Ich fahr das alles so, es hat mich nicht berührt, so wie ich es gedacht hab.

00:25:56: Weil bei Insta gab's besonders zu diesen Büchern so Story, ich saß mit roten Wangen in der U-Bahn.

00:26:01: So spicy war das.

00:26:02: Dann hab ich das gelesen, ja so, hä?

00:26:04: Also, das ist jetzt spicy im XXI.

00:26:06: Jahrhundert?

00:26:07: Okay.

00:26:07: Ja, und dann hab ich dann, da war meine Exkursion in das Romante-Sy-Fantasy Dark Romans, ist dann raus, war das, hab immer danach wieder aufgehört.

00:26:14: Ich kann das verstehen.

00:26:16: Ich hab das Gefühl, alles erfüllt zu seinen Zweck.

00:26:19: Ja, ja,

00:26:20: ohne Zweifel.

00:26:20: Ich bin jemand, der z.B.

00:26:22: ich liebe auch mal Reality TV schauen und trotzdem irgendwie sehr viel billedristische Bücher lesen.

00:26:28: Ich finde, diese Balance macht es für mich.

00:26:30: Ich glaube, woraus so ein bisschen diese Faszination mit diesen Büchern kommt, ist natürlich, glaube ich, auch Frauen, die ihre Narrative wieder irgendwie so ein bisschen mehr in die Hand nehmen.

00:26:41: In einer Gesellschaft, in der Männer vielen Frauen Angst machen und auch ... Zu Recht ist, glaube ich, so ein Narrativ in der Hand zu haben, was relativ unverfänglich irgendwie, uh, ha, ha, jetzt kommt hier der Drachenprinzen und was auch immer.

00:26:55: Und auch die Drachen sind irgendwie sexy aufgeladen.

00:26:57: Also es ist so, es ist natürlich, das erste Buch fand ich noch gut genug, die danach, die haben dann an einfach literarischer Qualität eingebüßt, einfach weil die so schnell veröffentlicht werden mussten.

00:27:08: Aber als Kind habe ich zum Beispiel eine Fante, sie geliebt und Eragon gelesen und da waren auch Drachen und ich fand es ganz toll.

00:27:13: Aber ... Ich glaube, dass es viel mehr was damit zu tun hat, wie sicher Frauen in unserer Gesellschaft sind, dass sie besonders diese Bücher so preferieren, weil diese Narrative von, wie ist der Mann, auch sehr vorhersehbar sind.

00:27:28: Und die sind auch nicht frei von Gewalt, das sind sie nicht, aber man entscheidet selber, wie man sich da reingibt, wenn man diese Bücher liest.

00:27:33: Und ich glaube, das ist so der Knackpunkt.

00:27:36: Aber genau, das gibt es halt schon ganz viel online.

00:27:38: Und ich hab irgendwie das Bedürfnis gehabt, zu sagen, ich lese ganz andere Dinge und vielleicht gibt es eine Audience dafür.

00:27:44: Und ich hatte das schon so ein bisschen auf TikTok probiert.

00:27:47: Aber hab erst gemerkt, dass ich jetzt so auf Instagram eine größere Audience dafür gefunden hab.

00:27:53: Also ich höre dir zu und muss sagen, ja, du bist, das ist wirklich Kulturjournalismus.

00:27:58: Ist es?

00:27:59: Also ich meine, du erreichst Leute mit deinen Empfehlungen literarisch und auch deiner Kritik an bestimmten literarischen Werken.

00:28:05: und veränderst sie.

00:28:07: Also ich finde, das kann darf genauso existieren wie der Fötum in der FHZ oder wie TTT und das existiert auch und das hat.

00:28:15: sozusagen, du erreichst Leute und schaffst es Menschen für Kultur sich interessieren zu lassen, find ich toll.

00:28:22: Mach ich.

00:28:22: Ja gut, dann nehm ich das jetzt um mit.

00:28:23: Mit einem Kulturjournalisten-Anführungszeichen.

00:28:26: Nee, macht das nicht, wenn ich früher mir die Intro, das war ein kostenloses Magazin über Musik und Kultur-Tipps, da war dann so ein zwanzig Zeiler über eine CD.

00:28:37: Was ist der Unterschied zwischen dem zwanzig Zeiler zu einer CD, die wieder zugeführt hat, dass ich zum ersten Mal in meinem Leben FX Twin gehört habe, was mich maßgeblich ... beeinflusst hat.

00:28:45: Zu

00:28:46: dir, wenn du zwanzig Sekunden lang über die drei wichtigsten feministischen Bücher sprichst und damit jemanden beeinflusst.

00:28:51: Da ist kein Unterschied meiner Meinung nach.

00:28:53: Ja, ich glaube, also für Tom mäßig sehe ich mich auch.

00:28:56: Ich glaube, das finde ich sowieso ein sehr interessantes

00:28:58: Genre.

00:28:59: Ich habe das heute nicht verstanden um nichts zu sagen.

00:29:00: Was genau meint für Tom eigentlich?

00:29:02: Also die Definition ist ja die Introspektive eines Journalisten, einer Journalistin zu einem Thema.

00:29:09: Ja, also wie ich es verstehe, zumindest wie ich es immer in der Zeitung meiner Eltern dann so rausgetrennt habe und mir den Feuilleton gegriffen habe, war die Welt, der Kultur, der Theater-Aufführung, der Personen dahinter, der Schauspielerin, der Leute, die irgendwie kulturelle Gedanken formen.

00:29:25: und da schaut man dann so ein bisschen hinter die Kulissen.

00:29:27: Und das finde ich natürlich spannend, das sind auch Interviews, die ich gerne führe und die ich... ganz, ganz gerne lese, ist halt einfach so, was ist die Geschichte hinter der Kultur?

00:29:35: Was ist die Geschichte hinter dem Buch, dem Stück?

00:29:37: Warum bist du darauf gekommen?

00:29:39: Und was ist so das, was du persönliches damit reinbringst?

00:29:42: Und das liebe ich diese ganze Welt und die habe ich schon immer sehr geliebt und die ist ja so ein bisschen nicht so jetzt so gelesen wie der Sportteil oder der, weiß ich nicht, Politikteil in der Zeitung.

00:29:56: Und das auf Social Media in der Nische zu verlagern, die aber sich ausweiten kann, ist super spannend.

00:30:00: Und in der Hinsicht ist es natürlich auch ein journalistisches Aufarbeiten.

00:30:05: Ich habe einfach immer nur mit diesem journalistischen Stempel.

00:30:08: Das bedeutet natürlich, dass ich an meiner Arbeit andere ... Standard setzen.

00:30:12: Das

00:30:12: habe ich jetzt schon öfter gehört, dass Leute sagen, ich will mich lieber nicht, damit ich nicht die journalistischen Standards ansetzen muss.

00:30:17: Aber theoretisch ist es ja eine Meinung.

00:30:19: Es ist ja immer so immer dreißig bis vierzehn Sekunden Meinung, die du dort hast.

00:30:22: Und das ist ja ein journalistisches Format, der Meinungstexte, der Meinungsbeitrag.

00:30:27: Deswegen ist das

00:30:28: okay.

00:30:28: Ja, Kolumne finde ich auch super.

00:30:30: Kolumne könnte ich mir gut vorstellen.

00:30:33: Du hast gesagt, dass du dieses Belletristik, was genau meinst du damit?

00:30:37: Ich hab extra nicht eine Buchklub vorgedraht, aber was meinst du mit Bellatristik?

00:30:42: Ich find diesen Begriff abwertend.

00:30:45: Die schöne Literatur.

00:30:46: Für mich gibt's Literatur.

00:30:48: Mehr gibt's nicht.

00:30:49: Für mich gibt es Gegenwaltsliteratur.

00:30:52: Also für mich gibt es Literatur, die Momente einfängt, die gesellschaftliche Strömung einfängt, die Themen, die gerade rumschwören, beschreibt und die auf eine schöne Art und Weise beschreibt.

00:31:04: Und natürlich lese ich auch Klassiker gerne.

00:31:07: Aber grundsätzlich finde ich halt einfach so das, was immer auf dem ersten Tisch irgendwie so der schön ausgewählten Buchhandlung landet.

00:31:15: Was man da so sieht, das ist für mich die Belletristik.

00:31:19: Und ich finde die Unterscheidung natürlich von Unterhaltungs- und ernster Literaturfälliger

00:31:24: quatscht.

00:31:26: Das mag

00:31:26: ich auch nicht.

00:31:27: Aber Belletristik ist für mich auch Iron Flame.

00:31:31: Und das habe ich ja auch gelesen und habe es auch ... Ja, es hat alles seine Berechtigung.

00:31:38: Ist es gute Literatur, ist sowieso ja was Wahnsinnig Subjektives.

00:31:43: Wie kann man das einschätzen?

00:31:44: Ich habe so meine kleinen Marker, warum ich was gut erzählt finde, warum ich Figuren gut entwickelt finde, warum ich eine stringente Story irgendwie sinnvoll hier finde oder hier nicht sinnvoll finde.

00:31:55: Also es gibt natürlich solche Marker, die man ansetzen kann.

00:32:01: Aber grundsätzlich ist für mich viel interessanter die ganze Welt drum herum, die Welt der Bücher, die Welt dieser Geschichten und der Leute, die sie erzählen.

00:32:14: So Leute, auf Patreon geht's richtig ab.

00:32:15: Deswegen werdet ihr jetzt Patreon mitlegen.

00:32:17: Ich will euch auch gar nicht so richtig davon überzeugen, denn ihr müsst in euch den Wunsch tragen, unabhängigen Journalismus möglich zu machen.

00:32:23: Denn das macht ihr mit drei, fünf oder neun Euro im Monat bei Alismus raus auf der Patreon-Seite.

00:32:29: Und dafür bekommt ihr aber auch was.

00:32:30: Zum Beispiel bekommt ihr... In diesem Jahr, jetzt ganz frisch gestartet, ein neues Format.

00:32:34: Das heißt, Arme Erbite Size, also Häppchen.

00:32:38: Zwanzig Minuten und Martin Lautwein und ich besprechen immer eine Frage, die... entstanden ist in der Folge davor.

00:32:46: Also wir haben angefangen mit, warum waren die Attentäter von Bondi Beach in den Philippinen und haben dort trainiert?

00:32:52: Daraus wurde die Frage, wer ist eigentlich der Anführer des islamischen Staats, Al-Baghdadi?

00:32:57: Wer war diese Person eigentlich?

00:32:58: Und die nächste Frage, die wir uns stellen werden, die entstanden ist in der Folge, wer ist eigentlich Al-Baghdadi?

00:33:04: Warum hat die USA nochmal den Irak angegriffen?

00:33:07: Weil das hat alles miteinander zu tun und weil es miteinander zu tun hat, besprechen wir jeweils in zwanzig Minuten

00:33:13: das.

00:33:14: Einzelne Thema.

00:33:15: Das macht sehr viel Spaß.

00:33:16: Ich hoffe, es macht euch auch Spaß.

00:33:17: Dieses Format steht allen zur Verfügung, die fünf oder neun Euro bezahlen.

00:33:22: Ja, ... ...

00:33:24: auch auf Patreon.

00:33:28: Ich finde ja auch, dass Schrott existieren darf.

00:33:30: Unbedingt sollte auch.

00:33:31: Also ich finde so, es wäre schlimm.

00:33:34: Allein stehen wir mal vor.

00:33:35: Jedes Buch, das du liest, ist extrem gut.

00:33:37: Ja.

00:33:38: Das wäre

00:33:38: doch total öde.

00:33:39: Ich möchte auch manchmal einfach nur richtig albernes Zeug haben.

00:33:44: Und ich finde, das ist, glaube ich, so.

00:33:46: besonders in dem Gefühl, in dem wir gerade sind, ist es natürlich wichtig, dass wir gesellschaftlich kommentieren, politisch kommentieren, dass wir uns auslassen über all das, was gerade passiert, was auch wirklich scary ist.

00:33:59: Das finde ich auch.

00:34:00: Und trotzdem denke ich mir, ich möchte mir auch die neue Staffel Selling Sunset angucken, irgendwie Real Estate.

00:34:07: Menschen in LA und völlig abgedreht und es ist aber so natürlich... Ist auch kommt jetzt so diese Mager Realität aus Amerika in diese Serie rein, weil man merkt so langsam, da sind so ein paar, na, und da gibt es innere Streite rein.

00:34:22: Ich glaube, es kann man bis zu einem gewissen Grad apolitisch halten, so diesen Trash, weil das ist auch eine politische Haltung, natürlich zu sagen, so, ich schalte jetzt mal kurz ab, das muss man können oder das muss man dürfen oder so, da muss in der Situation sein, in der das möglich ist, sich irgendwie Trash reinzuziehen.

00:34:38: Aber ich glaube, es ist einfach so wichtig, um mal ein bisschen durchzuatmen.

00:34:41: Kannst du ein Vorbild auch sein, um zum Beispiel dieses... Ich gucke auf Kultur ohne Dünkel.

00:34:47: Du hast es vor niedrigschwellig auch genannt, dieser niedrigschwelligere Blick.

00:34:50: Kannst du dann Vorbild sein?

00:34:51: Willst du es sein?

00:34:52: Ich hoffe, dass ich ein Weg rein bin.

00:34:55: Ich hoffe, dass ich ein Weg rein für Leute bin, die denken, oh mein Gott, das ist alles so eine abgeschlossene Bubble.

00:35:01: Ja, da sind irgendwie so Leute, die ganz schlaue und... ganz wichtige Meinungen zu gewissen Themen haben.

00:35:08: Und wenn ich nicht die gleiche Meinung habe oder wenn ich das nicht ganz verstehe oder wenn ich auch irgendwie nicht die Zeit habe, mich damit auseinanderzusetzen, dann ist das nichts für mich.

00:35:15: Und das finde ich so dramatisch, weil ich finde Kultur, Kunst, Literatur, das ist ja alles eigentlich was, was uns alle angeht und was uns alle berührt und was besonders in gesellschaftlich schwierigen und politisch schwierigen Zeiten.

00:35:27: Aussagen treffen kann.

00:35:28: Jetzt

00:35:29: hast du genau diese Stimme, als würdest du mit deinem kleinen DJ-Ein mich verfolgen so ein Real machen.

00:35:34: Aber bitte, setzt fort.

00:35:36: Ja, ich möchte die Leute abholen.

00:35:38: Ja klar, es hat einen Anspruch zu sagen, ich möchte euch abholen und mitnehmen in eine Welt, die ich liebe und die ich oft als ein bisschen abgeschlossen empfunden habe und auch diesen Sprech als so ein bisschen

00:35:52: Abgehoben.

00:35:53: Und da denke ich mir halt so, das braucht es gar nicht.

00:35:55: Es braucht das nicht, um Leuten zu vermitteln, wie geil ein gutes Buch ist, wie geil ein guter Film ist.

00:36:02: Sich das einfach irgendwie reinzuziehen und zu sagen, okay, ich tue jetzt mal auf Mubi und nicht auf Netflix zum Beispiel.

00:36:06: Kann total geil sein und kann total eine Welt erweitern.

00:36:11: Und selbst wenn es da nur einen oder zwei Bücher im Jahr sind, die man in die Hand nimmt, wo man sich Zeit nimmt und guckt, da reinzukommen.

00:36:17: Ich glaube, wenn ich das erreicht habe bei einer Person, Dann hab ich irgendwie so für mich voll die schöne, wichtige Arbeit gemacht.

00:36:24: Ist das was deine Eltern, die auch mitgegeben haben, so gesagt, du bekommst dir gesellschaftliche Aufgabe.

00:36:29: Also Eltern geben uns ja was mit, kulturelles Kapital.

00:36:33: Haben die dir so mitgegeben, das kann dein Weg sein.

00:36:37: Lies mal das, guck dir das mal an.

00:36:38: Guck mal, wie man über Kultur reden kann.

00:36:39: Guck mal, wie man über Themen sprechen kann.

00:36:42: Ich glaube, was wir gemacht haben zu Hause, war halt immer über Themen zu sprechen.

00:36:45: Es gab keine Themen, die waren off-limits.

00:36:46: Ich konnte alles fragen.

00:36:47: Wir waren immer im Austausch über ... alles, was so gesellschaftlich abging.

00:36:52: Und ich glaube, diese Art von Gespräch, die fand ich immer so wahnsinnig schön, weil ich hab mich immer wahnsinnig ernst genommen gefühlt.

00:36:58: Und das auch als Kind.

00:36:59: Und ich glaube, das ist halt eine Frage von, wie holt man Leute ab?

00:37:02: Also Kinder, die zum Beispiel sagen, oh, find ich schön.

00:37:05: Ja, dann frag alles, was du dazu fragen willst oder wir holen dir ein Buch dazu.

00:37:09: Ich glaube, es war nicht so ein, dein Auftrag ist jetzt Kultur.

00:37:12: Ich glaube, es war oft eher das Gegenteil.

00:37:14: Also es war bzw.

00:37:15: so ... die ... Härte des Betriebs, die Präkarität.

00:37:23: oft auch, wenn man Sachen künstlerisch angeht, wenn man sagt, man möchte irgendwas machen, was jetzt jenseits des Mainstreams liegt, sodass das einfach oft keine Kohle bringt.

00:37:34: Das war auch Realität bei uns zu Hause und das wurde viel besprochen.

00:37:37: Und ich glaube besonders so in meinen Teenagerjahren, in denen sich das so aus... formuliert hat, wo will ich hin?

00:37:45: Und das war, dann habe ich mit meinem Vater einfach sehr, sehr viel darüber gesprochen.

00:37:49: Und mein Vater war, glaube ich, immer und der schreibt gerade Krimis, was ich toll finde.

00:37:53: So, das ist zum Beispiel so, wir tauschen uns ganz viel über Literatur auch aus.

00:37:56: Und mein Vater war immer jemand, der gesagt hat, sei dir bewusst, was das für ein Feld es sind, das zu reingeht.

00:38:05: Sei dir bewusst, dass du das wirklich wirklich wollen musst.

00:38:08: Also du musst wollen, dass es oft schwierig ist.

00:38:11: Du musst wollen, dass es finanziell oft einfach manchmal nicht reicht.

00:38:16: Und ich hatte die letzten Jahre so oft Momente, wo ich dachte, Scheiße.

00:38:21: Was hab ich gemacht?

00:38:22: Also so, wo ich wirklich finanziell vollkommen verschuldet, keine Ahnung, der Gerichtsvollzieher oder was auch immer, schreibt den Brief und so.

00:38:31: Und dann denkt man sich so, oh Gott, jetzt holen Sie was auch immer am Fernseher.

00:38:35: Und trotzdem war ich so, ich liebe das, ich liebe das.

00:38:37: Und ich glaube, bis zu einem gewissen Grad muss man das auch so sehr lieben, dass man sagt so, man kann das in eine Form von Kommunikation übersetzen, die andere abholt.

00:38:49: Was genau liebst du?

00:38:50: Was genau gibt dir dieses Gefühl von Liebe?

00:38:52: Dieses Gefühl, die Welt anders betrachten zu können, als wie sie da liegt.

00:38:59: Zu sagen, ich denke, ich sehe jetzt hier eine Schneelandschaft.

00:39:04: Ich sehe irgendwie ein politisches Battle, eine Debatte, was auch immer.

00:39:09: Und was ich daraus nehme, ist... Märchen.

00:39:11: was ich daraus nehme ist eine parabel eine farbe irgendwie was wo ich denke wow das sind so blickwinkel die sich ganz anders.

00:39:18: oder ich schau mir die farben von etwas an und die berühren mich anders oder ich hab ganz andere emotion und die nehme ich mit und die übersetz ich und jemand anders schaut sich das an und nimmt vielleicht auch nur ein klein teil davon mit aber sieht die welt fortan auch ein kleines bisschen anders.

00:39:34: und das finde ich so schön weil man macht anderen damit ein Angebot und aber auch ein Geschenk zu sagen, auch wenn du gestresst bist und auch wenn du jetzt nicht diskonzipieren kannst, du kannst es aufschlagen, anschalten, anschauen.

00:39:48: Und die Welt ist vielleicht morgen ein kleines bisschen ein anderer.

00:39:51: Wie viel schreibst du?

00:39:53: Sehr viel.

00:39:54: Hast du so, viele Schreibende haben ja so ein Tagesplan.

00:39:58: Ich wemme mir immer fünftausend Zeichen pro Tag vor, halte mich selten daran.

00:40:02: Aber versuchst wenigstens, aber hast du auch so ein Tagesplan?

00:40:06: Ich mach mir keine Messlimits, du musst so und so viel schreiben.

00:40:10: Das setzt mich, glaub ich, zu sehr unter Druck.

00:40:12: Mir macht schon Glück, schreiben so viel Spaß, dass ich das Gefühl habe, ich kann mich morgens an den Schreibtisch setzen und die ersten zwei, drei Stunden einfach dafür nutzen, idealerweise noch nicht Emails beantworten oder super viel auf Social Media gechillt haben.

00:40:25: Und dann fang ich einfach an und gucke erst mal, was passiert.

00:40:29: Und das sind so drei gute Stunden, jeden Tag, die ich versuche, zu schreiben.

00:40:34: Das ist ganz schön krass.

00:40:36: Ja, und das muss man ja auch abspeisen von seiner sonstigen Arbeit.

00:40:41: Also Social Media ist natürlich mittlerweile Arbeit geworden, aber es ist ja redaktionelle Arbeit, die ich mache oder dann schreibe ich mal irgendwie für einen Magazin oder so.

00:40:48: Das ist ja Arbeit auch.

00:40:49: Und die ist ja dann auch Arbeit für dich.

00:40:52: Geld kriegen mittlerweile so.

00:40:53: Es sieht sehr gut aus, mit dem Schreiben auch so was zum Bücher angeht.

00:40:57: Darfst du noch nicht sagen?

00:40:58: Das erzähle ich dann jetzt ganz bald.

00:41:01: Aber ich habe einen sehr schönen Vertrag unterschrieben.

00:41:05: Herzlichen Glückwunsch.

00:41:05: Dankeschön.

00:41:07: Und ich freue mich und ich liebe einfach, ich liebe einfach Romane.

00:41:11: Ich liebe, das schreiben wir, ich glaube, ich bin jemand, der sehr viel in seinem Kopf zu Hause ist und manchmal so ein bisschen da zu viel.

00:41:20: zu viel ist, sich zu viel in Gedanken schleifend dreht.

00:41:23: Und ich glaube, wenn ich Sachen aufschreibe, egal was es ist, ob es meine eigenen Gedanken oder eine Erfahrung von der Figur ist, dann kann ich mich so ein bisschen mit der Welt verbinden durch diese Person oder durch diesen Text und bin ein bisschen entspannter dadurch.

00:41:39: Das klingt wunderschön.

00:41:41: Ja.

00:41:41: Also es beschreibt... Am Ende auch das, was ich am meisten an meinem Berufsleben ist, auch schreiben.

00:41:46: Also von den vielen Dingen, die ich gerne tue, tue ich, schreibe ich tatsächlich am liebsten.

00:41:51: Das ist die schönste Tätigkeit, die ich mir vorstellen kann.

00:41:53: Und aber auch so ein bisschen, dass wenn alles scheiße ist, denke ich immer so, ach, dann schreibe ich einfach nur noch.

00:41:57: Das ist so das, was mich so denken lässt.

00:42:00: Da werde ich natürlich kein Geld mehr verdienen oder ganz wenig.

00:42:02: Man würde wirklich nicht viel

00:42:03: Geld mehr schreiben.

00:42:04: Das ist halt die harte Realität.

00:42:05: Aber

00:42:05: es ist irgendwie so zu wissen, ich kann mich beschäftigen.

00:42:09: Das ist eigentlich das beruhigendste.

00:42:11: Das glaube ich Menschen, die den Musikinstrument spielen, können auch immer sagen, na dann spiele ich wenigstens Blockflöte.

00:42:15: So, ich weiß, und wahrscheinlich du auch, ich kann immer schreiben, egal ob sie jemand liest oder nicht, ich kann mich hinsetzen und einfach eine Geschichte ausdenken mir und aufschreiben.

00:42:24: Das ist eigentlich das beruhigendste und schönste zu wissen, dass man das als Tätigkeit hat.

00:42:28: Find ich interessant, was ist denn so bei dir der Zugang gewesen?

00:42:31: oder warum sagst du also natürlich... Wenn man aus einer Buchhändler-Familie kommt, dann ist das Schreiben natürlich ganz nah.

00:42:37: Aber was war, oder was ist so, wenn du schreibst, was passiert bei dir?

00:42:40: Was ist so dieses Gefühl?

00:42:41: oder warum liebst du das so sehr?

00:42:43: Ich kann mich so, wenn ich schreibe, also ich bin sehr nervöser und unruhiger Mensch, außer wenn ich schreibe.

00:42:49: Also ich kann leider nicht drei Stunden am Stück schreiben, da drehe ich durch, aber ich kann so anderthalb Stunden zwei.

00:42:55: Also schreiben bedeutet ja nicht, man setzt, also bei mir zumindest, ich setze den Stift an und neunzig Minuten später setze ich den Stift ab.

00:43:00: Das ist bei mir nicht so, sondern schreiben ist ja auch, ich schreibe was, dann gehe ich zurück und korrigiere ein bisschen was, denk nach, schreibe weiter.

00:43:06: So ist so mein schreiberischer Prozess.

00:43:08: Und in dieser Zeit mache ich nur eine einzige Sache.

00:43:11: Und das passiert einfach sehr selten in meinem Leben, dass ich nur eine einzige Sache mache.

00:43:14: Deswegen glaube ich schon als Kind, also ich habe schon ganz früh, ich glaube, das ist meine absolut lieblings... Prüfungsformen der Schule waren erzählerischer Aufsätze.

00:43:24: Ich weiß gar nicht, ob es es noch gibt.

00:43:25: Es gab immer diese Gedichtsanalyse.

00:43:28: Bis zur zehnten Klasse gab es auch so, schreib mal eine Geschichte.

00:43:33: Geil.

00:43:33: Bei uns an der Schule zumindest.

00:43:34: Dann hab ich einfach eine Geschichte geschrieben.

00:43:36: Oder ich bin auch bei Gedichtsanalysen völlig ausgerastet und hab dann irgendwie so mir komplett Dinge ausgedacht, die was könnte das bedeuten, was dort eben überhaupt kein Interesse an Metaphern und was die bedeutete.

00:43:47: Das heißt das, das habe ich mir sehr selbst ausgedacht.

00:43:49: Und das war immer die größte Freude.

00:43:52: Einfach Dinge sich auszudenken.

00:43:54: Ja, aber für mich ist das auch eine Gedichtsanalyse.

00:43:58: Aber ich möchte noch mal ganz kurz, du sagst, du schreibst händisch.

00:44:02: Nee, also ich schreibe, das war jetzt nur als Beispiel, oder die Tastatur.

00:44:06: Weil das war nicht crazy.

00:44:06: Ich habe es mal versucht.

00:44:07: Ich habe es mal versucht.

00:44:08: Neunzig Minuten schreiben, ich kriege gerade ne Sehenscheite drin.

00:44:11: Also was ich mache ist, ich schreibe mit der Hand in ein Notizbuch, was ich schreiben will.

00:44:14: Okay.

00:44:15: Das mache ich.

00:44:15: Also ich habe immer so eine Seite, so das ist mein Gedanke, den ich habe.

00:44:18: Das möchte ich heute erzählen.

00:44:19: Also ich schreibe gerade ein Buch zu Ende.

00:44:21: Ich bin wirklich in den letzten Zügen eines Buchs und bereite auch schon das nächste Buch vor.

00:44:25: Also ich habe das große Privileg, einfach wirklich von Vertrag zu Vertrag zu.

00:44:28: Poltern, was ganz toll ist, was ich liebe, weil mir einfach wirklich viel Freude bereitet.

00:44:32: Und da ist oft so, dass ich dann einfach mit der Hand aufschreibe, dass ist der Gedanke, den ich heute erzählen möchte und ich werde ihn so erzählen.

00:44:38: Und dann weiß ich nicht, wie es bei dir ist.

00:44:40: Das ist das, was ich niemandem beschreiben kann, besonders weil ich wenn ich Roman, also Betatristik schreibe, klappe ich den Laptop auf, fange an zu tippen und dann geht es irgendwie automatisch.

00:44:50: Ich muss das einfach so was meine Figuren sagen, wo die hingehen, wie ein Raum aussieht.

00:44:56: Das geht einfach automatisch und ich kann dir das nicht erklären, wie das funktioniert.

00:44:59: Das ist dann einfach so ein Bild im Kopf, was ich dann habe.

00:45:02: Das ist so faszinierend, weil die dann so ein Eigenleben entwickeln.

00:45:05: Man ist dann so, diese Person will das eigentlich gar nicht, die will jetzt nach da gehen und die will jetzt studieren und die will jetzt sich verlieben oder so.

00:45:14: Wollte ich das?

00:45:15: Oder ist das eine Person, die einfach entstanden ist und mit der man dann halt so eine Beziehung auch führt und die man dann nachts irgendwie mit ins Bett nimmt?

00:45:22: Und man denkt sich drüber so, was hat die heute erlebt?

00:45:25: Und manchmal wache ich dann auf und denke mir, ah nein, es muss so und so sein.

00:45:29: Und das finde ich so ein verrücktes, schönes Ding und so eine interessante menschliche Erfahrung.

00:45:35: Dass es so coolen Skulpturen machen, das finde ich eigentlich so dieses... Ich glaube, was ich noch ergänzen wollen würde, ist die menschliche Erfahrung für mich, so ein bisschen durch diesen Blick zu erweitern, deren Kultur oder Kunst schafft.

00:45:47: Also für mich selber auch.

00:45:49: Nicht nur für andere, sondern für mich selber zu sagen, ich kann die Welt öffnen.

00:45:53: Wie wichtig ist, dass die Leute was fühlen?

00:45:55: Alles.

00:45:56: Alles ist Gefühle.

00:45:58: Und natürlich ist es... ganz gefährlich, wenn man nur mit Gefühlen arbeitet, weil die natürlich auch Instrumente sein können, um Leute in bestimmte Richtungen zu lenken.

00:46:08: Und das ist natürlich, da sind wir wieder beim Populismus.

00:46:11: Aber wenn jemand nicht fühlt bei was, was du machst, so, dann ist es, glaub ich, ne, dann ist es halt, dann ist es trocken, dann weiß ich nicht, kann man es lassen.

00:46:22: Dann lass uns noch mal so ein Take nehmen, was sagst du zu Rage Bait?

00:46:26: Jetzt möchte ich wieder diese Stimme, dass du das siehst.

00:46:29: Ich bin Rejbade.

00:46:33: Ich glaube, Rejbade muss gut gewählt sein.

00:46:35: Man muss wissen, was man macht.

00:46:37: Man muss klug sein mit der Intention dahinter.

00:46:40: Und man muss sich auch bewusst sein, dass man damit eine Tür öffnet für ein sehr gefährliches Spektrum an Menschen und Meinung.

00:46:50: Und denen muss man was entgegensetzen können.

00:46:51: Also, man kann nicht einfach nur einen Take-Droppen, der wahrscheinlich viele Leute aufregen wird und dann sagen, und nach mir die Sinnflut, sondern man muss, glaub ich, wenn man dann sagt, okay, ich angel mir jetzt hier so ein paar merkwürdige Leute rein, dann muss man auch wissen, was ist meine Strategie?

00:47:09: Also man kann nicht nur, Ragebait ist nicht, es ist nur der Öffner, das ist keine langfristige Strategie.

00:47:13: Und ich glaube, also ich bin total der Fan, zum Beispiel, zu sagen, man ... überlegt wie kann man solche sachen die ja in unserer zeit sehr viel passieren wie kann man die auch nutzen und das ist natürlich ein bisschen perfide ich sage das jetzt aber mal so.

00:47:28: shitstorms also kann man auch nutzen wenn man weiß wie man sie orchestriert und das passiert ja auch öfter und ich glaube das ist wenn man sich dem bewusst ist dann gibt es oft möglichkeiten das zu navigieren wenn man im driver seat ist und wenn man da aber nicht ist dann fliegt einem die scheiße sowas von um die ohren und dann ist es halt super gefährlich.

00:47:47: und deswegen würde ich sagen das sollte man wirklich nur orchestrieren.

00:47:51: wenn man weiß was man macht und selbst dann mit vorsicht genießen

00:47:56: warum sollte man sowas orchestrieren?

00:47:58: ich glaube wenn man zum beispiel Also ich würde, das ist jetzt keine Empfehlung, das zu orchestrieren.

00:48:04: Wenn man möchte, dass irgendwie ein Thema mehr betrachtet wird und man das Gefühl hat, es wird nicht genug betrachtet und man dann versucht, Leute irgendwie so aufzustacheln, um da irgendwie so hinzuschauen, dann kann man natürlich diese Aufmerksamkeit in einem großen Maß nutzen für sich, für das Thema, für was auch immer.

00:48:27: Das ist aber dann keine Garantie dafür, dass es richtig wahrgenommen wird und oft führt es eigentlich nur dazu, dass man halt sehr polarisierte Stimmen eingeladen hat, die gar nicht so Lust haben auf den Diskurs.

00:48:38: Und das ist, glaube ich, das Problem.

00:48:39: Deswegen preferiere ich für meinen Weg, zu sagen, ich mache ein Gesprächsangebot oder ich versuche, was zu öffnen, was vielleicht ein polarisiertes Thema ist oder polarisierendes Thema ist.

00:48:50: Aber zu sagen, es ist okay, wenn wir mal anderer Meinung sind, wenn wir das besprechen.

00:48:55: Oft wird auch selbst das falsch verstanden.

00:48:58: Aber ich glaube, es ist manchmal viel besser, als dass man einfach nur sagt, es regt jetzt Leute auf.

00:49:03: Geil, es wird geil geklickt.

00:49:04: Und jetzt habe ich irgendwie Fame davon.

00:49:06: Können

00:49:06: wir jetzt da irgendwie gegen den Algorithmus stellen?

00:49:08: Also, wenn du hast ja am Anfang wirklich, am ganz am Anfang das spätest gesagt, du willst auch sozusagen kontra Algorithmus arbeiten und möchtest sozusagen ein Angebot machen für die Menschen, dieses Ragebait oder Shitstomps auslösen, ist ja dankbarer Content für Instagram und TikTok.

00:49:22: Wie stellen wir uns dagegen?

00:49:24: dass wir, auch wenn es orchestrierbar ist, dass wir uns eben nicht zum Opfer amerikanischer Unternehmen oder Unternehmen einfach machen, die das wollen, dass wir uns zerfleischen, weil es Reichweite bringt.

00:49:37: Das ist ja eigentlich das Perverse daran, finde ich.

00:49:39: Also, das am Ende lacht Mark Zuckerberg.

00:49:43: Der freut sich.

00:49:45: Ich habe gesagt, alles geht um Emotionen.

00:49:48: Wenn man weiß, welche Emotionen da mit im Spiel sind.

00:49:52: und sich dem bewusst ist und versucht, eigene Emotionen bei solchen Veröffentlichungen, Videos ein bisschen mehr zurückzustellen, vielleicht auch die eigene Meinung ein bisschen mehr zurückzustellen und eine Plattform aufzumachen innerhalb dieser Plattform, die auf dieser Aufregung basieren, die aber gleichzeitig einlehnt zu sagen, es gibt unterschiedliche Meinungen und wie so eine Schnittstelle zu sein.

00:50:18: Also nicht jemand zu sein, der den Algorithmus in der Art und Weise nach links oder nach rechts bedient und sagt, hier finde ich meine Gruppe von Leuten, die extrem ausschlagen in eine Richtung und hole die von der anderen Seite, die extrem dagegen sind, ab, die dann dagegen wettern, sondern ich bin eine Schnittstelle für viele unterschiedliche Meinungen, die zusammenkommen können und versuche, wie so ein Gespräch zu orchestrieren.

00:50:40: Das versuche ich manchmal, das gelingt auch nicht immer, weil natürlich versuchen Leute einen dann in dieses Lager zu ziehen, in diese Meinung zu ziehen und sind aber du hast doch das gesagt.

00:50:49: Und das ist natürlich, man ist fehlbar als Mensch, man macht das dann nicht einmal alles gut.

00:50:53: Aber ich glaube wirklich zu sagen, man muss nicht sich selber nur broadcasten, als jemand, der richtige Ideen oder richtige Meinungen hat und die müssen so polarisierend wie möglich formuliert sein, damit sie klicken, sondern man kann auch jemand sein, der sagt, wie schaffen wir es zusammen ins Gespräch gekommen?

00:51:09: So eine

00:51:09: Art Wellenbrecher.

00:51:11: Hoffentlich.

00:51:11: Du stellst dich so in diese Indereien und sagst so, ne, so geht's nicht weiter.

00:51:15: Ja oder auch einfach, ja, ja.

00:51:17: Vielleicht.

00:51:17: Also ich versuche manchmal so, wenn Leute mit so einem krassen Ding kommen, versuche ich so, einen ganz netten Kommentar zu schreiben.

00:51:23: Und zu sagen so... Das

00:51:24: habe ich auch sehr lange gemacht.

00:51:25: Das mache ich wieder.

00:51:27: Einfach diese netten Kommentare, Leute schreiben etwas sehr Gemeines oder sehr Böses.

00:51:31: Und du fragst einfach zurück, was meinst du damit?

00:51:32: Ja.

00:51:33: So... Was... Ich mein... Was wäre denn für dich einen Takeaway jetzt auch aus deinem letzten Jahr und auch aus deinen Erfahrungen mit Shitstorms?

00:51:43: Was ist für dich eine Möglichkeit auf Social Media überhaupt zu existieren?

00:51:47: Und auch Leuten da den Wind aus den Segeln zu nehmen, ohne in so eine Angst zu verfallen zu sagen, okay, jetzt kann ich mich überhaupt noch zu Sachen äußern.

00:51:55: Also

00:51:55: ich glaube, meine Perspektive ist natürlich eine komplizierte da, weil ich ja... Ich stand ja im Sturm.

00:52:02: Und der Blick im Sturm auf den Sturm ist ein total verstellter.

00:52:08: Was ich sagen kann, ist ... Eine Sache ist, hey, beteiligt euch nicht an Shitstorms.

00:52:14: Da folge ich jetzt Felix Lobrecht, der das vor Kurzem auch bei Marzipan Podcast gesagt hat, beteiligt euch nicht an Shitstorms.

00:52:20: Habt eure Meinung zu einer Sache, findet eine Sache irgendwie kritisch, bewertet sie kritisch, schreibt der Person irgendwie, wenn ihr wollt, eine Nachricht, aber so irgendwo irgendwas runter kommentieren und mitzumachen, ist keiner, also kein Leben ... Also, keine Persönlichkeit lässt sich auf die Wut auf Instagram oder TikTok herunterbrechen.

00:52:41: Leben sind komplexer, Probleme sind komplexer, Fehler sind komplexer als Scheiße und Gut.

00:52:48: So, und wer sich beteiligt, gibt sein menschengegebenes Recht auf, differenziert über eine Sache nachzudenken.

00:52:56: Und das ist so ... Gebt nicht, euer Recht auf, differenziert zu denken.

00:53:01: Weil das war für mich ... wirklich so wie so ein Sieb.

00:53:06: was man betrachten konnte, so, ich schätze, mein soziales Umfeld dafür, dass es differenziert die komplexesten Probleme betrachtet.

00:53:13: Aber in dem Moment, in dem das mein soziales Umfeld anfing, weniger komplexe, wie funktioniert der Buchmarkt?

00:53:19: Was ist sozusagen, wie funktioniert eine Position, wie funktioniert, wie entwickelt sich ein Leben, nicht mehr differenziert zu betrachten, um sich an einem Shitstorm zu beteiligen, da weißt du dann so, okay, schade, schade, um irgendwie deine Differenziertheit.

00:53:33: Es ist ja so wahnsinnig ... verlockend, also so auf so ein Shitstorm aufzuspringen und auf der richtigen Seite, sage ich jetzt mal, in großen Anführungszeichen zu stehen.

00:53:44: Es ist aber am Ende auch wahnsinnig leer, weil am Ende ist, meine Meinung ist total, es passiert dadurch kein gesellschaftlicher Umbruch.

00:53:54: kein großes Gespräch, kein, wir setzen uns hin und wir versuchen zusammenzukommen.

00:53:59: Kein, ich schreibe dir eine Nachricht und ich sage dir, das fand ich blöd, das fand ich gut, lass uns treffen, lass uns telefonieren oder so.

00:54:06: Und natürlich können manchmal Freunden so verhärtet sein, dass man sagt, ich will das in dem Moment nicht, aber dann ist, warum ist die Intention überhaupt dann da zu sagen so, du wirst jetzt quasi an den Pranger gestellt, ohne dass man einen Mehrwert schöpft, ohne dass man sagt, okay, wie können wir uns gesellschaftlich mit dem Thema näher auseinandersetzen?

00:54:23: Ich hab ja auch mal ein Video zu Cancel Culture und warum ich gesagt hab, das ist Quatsch.

00:54:27: Und da waren auch sehr viele sehr unterschiedliche Meinungen.

00:54:30: Und natürlich trifft es ganz oft Leute, die dann sich schwieriger davon erholen.

00:54:40: Also von so einem Shitstorm, die dann, ja, weiß ich nicht, Gesellschaft nicht, noch marginalisierter sind, die trifft's immer am stärksten.

00:54:50: Die ... müssen sich am längsten erholen von so einem Shitstorm und das Gespräch darum, was dann jetzt passiert ist, ist oft ganz kurz und ganz schnell wieder vergessen.

00:54:58: Das finde ich irgendwie, das finde ich so schade daran.

00:55:01: Du hast

00:55:01: gerade eben gesagt, dass du, dass das auch so eine gewisse Lusthaftigkeit hat, sich daran zu beteiligen.

00:55:06: Das Interessante ist, dass ich aus meiner beruflichen Perspektive diese Lust gar nicht empfieh, zero.

00:55:10: Ich habe noch nie das Bedürfnis gehabt, mich an einem Shitstorm zu beteiligen, aber auch, und ich glaube, das liegt daran, weil ich wirklich schlechte Menschen getroffen habe, in meinem Leben mit denen sprechen konnte, Terroristen, wirklich Kingpins, aller Schlimmste, Mörder.

00:55:25: Und selbst in diesen Gesprächen gehe ich, ich gehe in diese Gespräche und denke, das ist ein schlechter Mensch.

00:55:29: Und ich komme immer aus diesen Gesprächen raus.

00:55:31: Jedes Mal ist es ein schlechter Mensch mit einer sehr gebrochenen Geschichte.

00:55:36: Also es gibt diese Binarität nicht.

00:55:40: Also alles, was ein Shitstorm ... ist, funktioniert ja nur wegen Null und Eins.

00:55:44: Ja, nein.

00:55:45: Und das existiert einfach nicht in der Wirklichkeit.

00:55:47: Deswegen kann ich mich nicht an einem Schützdom beteiligen, weil das Leben der Mensch und die Welt ist.

00:55:52: nicht ja und nein.

00:55:53: Absolut.

00:55:54: Ich glaube auch, wie gesagt, ich weiß gar nicht genau, was ich jetzt gesagt habe, aber ich glaube, ich verstehe, warum diese Lusthaftigkeit da ist.

00:56:01: Also, ich verstehe das wirklich.

00:56:02: Ich verstehe, warum Leute sich reingezogen fühlen, besonders jetzt, besonders auch meine und noch jüngere Generation, die so ein großes moralisches Konstrukt erschaffen haben auf Social Media, wo man die ganze Zeit das Gefühl und den Druck hat oder spürt, zumindest ich, dass man richtige Meinungen haben sollen, dass man irgendwie, weiß ich nicht, zu... den ganzen Themen, die dort rumschwören, auf der richtigen, und das manch wirklich in großen Anführungszeichen Seite sein soll.

00:56:33: Ich habe dieses Bedürfnis auch nicht, weil ich immer das Interessant finde, auch die menschliche Erfahrung irgendwie einfach so zu betrachten und zu denken, es gibt immer eine Story.

00:56:42: Es gibt immer irgendwas, was auch dahinter steht.

00:56:44: Und natürlich ist es aber halt so mittelalter Vibes, Leute mit Pitchforks irgendwie kommen und sind so, ja, jetzt haben wir die Person gefunden.

00:56:53: Und das ist ja was, was menschlich immer schon existiert hat.

00:56:57: Ich glaube, das kann man als Phänomen betrachten und verstehen, warum Leute mitmachen.

00:57:02: Ich glaube aber, dass wir aktiv versuchen sollten, uns gegen dieses Gefühl, wenn es denn bei uns hochkocht.

00:57:09: zu wehren und eine Sekunde Zeit zu nehmen.

00:57:12: und wenn man was kommentieren will, dann schreibt doch direkt eine Nachricht.

00:57:15: oder atme mal tief durch, leg dein Handy einen Tag zur Seite und wenn es am nächsten Tag immer noch so drängend ist, dann hast du vielleicht einen Tag drüber nachgedacht und kannst dann irgendwie eine Nachricht dieser Person schreiben.

00:57:25: Weil

00:57:25: wenn du nicht dich daran beteiligst, heißt es ja nicht, dass du der Person zustimmst.

00:57:29: Das nicht.

00:57:30: Du

00:57:30: kannst ja auf jeden Fall eine Sache, eine Tatsache, einen Handeln schlecht finden.

00:57:37: Aber ... Ja, also

00:57:40: sowieso, also... zu einem Thema nicht Stellung zu beziehen, ist nicht Zustimmung oder Ablehnung, dieses Thema ist besonders im Internet, besonders je mehr ich da jetzt irgendwie so reingerutscht bin, gibt immer Leute, ja, sag doch noch dazu und hierzu und ich denke mir so zu vielen Themen habe ich natürlich eine persönliche Meinung.

00:57:56: Die ist vielleicht aber nicht genug gefestigt und ich versuche super viel dazu zu lesen, ich versuche mich damit auseinanderzusetzen, aber das ist nicht eine Meinung, die ich direkt broadcasten will, weil ich das Gefühl habe, andere Leute haben das vielleicht schon vor mir besser, klüger, schlauer gemacht.

00:58:09: oder auch einfach, ich will mich daran jetzt nicht öffentlich beteiligen, sondern triff mich auf ein Kaffee und vielleicht können wir dann drüber quatschen, aber dann... Das ist eigentlich das Schützmehr auch nicht.

00:58:16: Das

00:58:17: ist ein schönes Angebot, dass ein Mensch, der gerade Reichweite, sehr viel Reichweite bekommt, im Internet sagt, ey, triff mich auf ein Kaffee.

00:58:25: Ja, ist doch besser als

00:58:26: sich

00:58:27: anzuschreien.

00:58:28: Tausendmal besser.

00:58:28: Ja, tausendmal besser.

00:58:29: Was würdest du sagen, könnte der Take für das Jahr-Zweißen-Sächsen-Zwanzig sein?

00:58:33: Der Take des Jahres, sechsundzwanzig.

00:58:36: Was geben wir den Leuten?

00:58:37: Was gibst du den Leuten mit nächstes Jahr?

00:58:40: Ich glaube, es wird alles immer schwieriger und aufgeheizt da um uns herum.

00:58:46: Und mein Wunsch ist, einen kühlen Kopf bewahren.

00:58:49: Mein Wunsch ist, sich nicht in irgendeine Richtung ziehen zu lassen, einfach nur weil es sich in dem Moment gut anfühlt.

00:58:57: sondern ... ... ist für mich ein Jahr voller Leidenschaft, voller neuer Dinge, die passieren.

00:59:03: Ich glaube wirklich, es ist so ein großer Ball im Rollen, politisch auch, und das ist auch gefährlich und so.

00:59:11: Gleichzeitig diese Energie zu nutzen, positiv zu nutzen und dabei aber immer mal wieder innezuhalten und zu sagen, okay, aber wo wollen wir jetzt damit hin?

00:59:20: Im Klein, im Großen, im Persönlichen, immer wieder auch mal tief durchzutraten.

00:59:25: So.

00:59:25: Ich würde eine Sache hinzufügen, das ist zwar dein Take, aber hier nur eine.

00:59:28: Und zwar das alles plus

00:59:30: schafft

00:59:31: tolerante Bündnisse.

00:59:33: Auch das.

00:59:33: Oh, bitte.

00:59:34: Bitte mehr Bündnisse.

00:59:36: Und zwar große Gruppen.

00:59:37: Demokratische große Bündnisse zu sagen, okay, wir sind vielleicht nicht politisch einer Meinung.

00:59:41: Und da schreibe ich direkt.

00:59:42: Und trotzdem sind wir interessiert an Demokratie.

00:59:45: Und das ist gerade vielleicht der einzige Punkt, an dem wir zusammenkommen.

00:59:49: Aber immerhin.

00:59:50: Immerhin das.

00:59:52: Vielen Dank für dieses sehr schöne ... Letzte Gespräche im Jahr twenty-fünfundzwanzig.

00:59:56: Danke dir für die schöne Einladung.

01:00:28: Wenn euch alles muss rausgefällt, unterstützt uns gerne auch auf Patreon.

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01:01:02: mir,

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01:01:08: Vielen Dank fürs Zuhören.

01:01:10: Bis bald.

01:01:11: Disclaimer.

01:01:13: Dieser Podcast ist ein zeitaktuelles Dokument.

01:01:15: Informationen und Perspektiven können sich mit der Zeit verändern.

01:01:19: Bitte beachte, dass sich neue Erkenntnisse oder Entwicklung auf die hier besprochenen Themen auswirken können.