alles muss raus - mit Thilo Mischke

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00:00:00: Herzlich willkommen.

00:00:00: Hallo, Tilo.

00:00:01: Hallo.

00:00:02: Na, alles klar.

00:00:03: Ich freue mich gleich mit ihr zu unterhalten, aber bevor wir miteinander reden, möchte ich sagen, worüber wir miteinander sprechen werden.

00:00:08: Und zwar möchte ich heute mit Ronja von Renne, Schriftstellerin und Wegbegleiterin für die Dokumentation German Guild, ich möchte mit ihr über ihren Großvater sprechen und über unsere gemeinsame Verantwortung, was es bedeutet, in der Geschichte unserer Eltern und Großeltern rumzupopeln, und zwar so lange rumzupopeln, bis man auch was rausfindet.

00:00:24: Und möchte mit dir heute für alle nachfolgenden Generationen die Frage klären, lohnt sich das.

00:00:30: Wenn es sonst nichts ist.

00:00:31: Nee, dafür nehmen wir uns jetzt Zeit.

00:00:33: Let's go.

00:01:09: Ich möchte dir eigentlich als Allererstes davon erzählen, was meine absolute Lieblingsszene der gesamten Recherche von bei mir ja, ich glaube irgendwie, um um zwanzig Drehtagen in diesem Film ist, du wirst es ahnen, es ist mit dir Käse essen und Honig.

00:01:21: Mit diesem...

00:01:22: Sehr viel Käse, sehr viel Honig, sehr viel Raki.

00:01:25: Mit

00:01:25: diesem unfassbar tollen, sehr alten griechischen Mann, der irgendwie so... Eine Persönlichkeit ausgestrahlt hat, die mich sehr beeindruckt hat in dem Moment.

00:01:35: Das

00:01:35: geht mir ganz genauso.

00:01:36: Ich kam da rein und wusste wirklich nicht, wen treffe ich da.

00:01:39: Das ist ein Zeitzeuge, der zugesehen, wie Dörfer ausgenommen wurden, rausgenommen wurden, zerfetzt wurden, abgebrannt wurden.

00:01:47: Und er selbst davon betroffen war, erzählte, dass er eine Ziege abbinden musste, um nach oben zu laufen und zu flüchten.

00:01:55: Diese rasende, riesige... Gastfreundschaft auch von seinen Eltern und seiner Tante, die oft zwischengekwatscht hat.

00:02:02: Diese Gastfreundlichkeit kam mir schuldig vor, als würde ich das nicht verdienen.

00:02:10: Und ich hab auch gefragt, wie das ist, wenn er uns jetzt gegenüber sitzt.

00:02:15: Und er sagte einfach, ihr seid Menschen.

00:02:18: Und das war es.

00:02:20: Und wir behandeln Menschen so.

00:02:21: Wir sind nicht verantwortlich für die Gräueltaten von damals.

00:02:25: Aber wir sind sehr wohl verantwortlich, dafür diese aufzuarbeiten, so gut wir können.

00:02:31: Das habe ich da ganz deutlich gespürt.

00:02:33: Wenn du das Wort Zeitzeug hörst, was macht das mit dir?

00:02:35: Was bedeutet dieses Wort für dich?

00:02:37: Es ist mit Angst und Vorfreude verbunden und mit großer, großer Neugier, allerdings auch mit Angst.

00:02:45: Man möchte... dass nicht hören, was da wirklich passiert ist.

00:02:48: Ich mag auch keine Horrorfilme.

00:02:50: Und nichts anderes war das eigentlich.

00:02:52: Das war Grausamkeit, Messer wurden gewetzt und das war ein blutiges Kapitel dort in Kreta.

00:02:58: Ich finde, das Krasse bei dem Wort Zeitzeuge ist, das ist irgendwie eine Sache, die gar nicht existiert, weil ... Man ja davon ausgeht, dass besonders die Zeitzeugen des Zweiten Weltkriegs eigentlich schon weg sind, dass die gar nicht mehr existieren können.

00:03:08: Das ist ja schon so lange alles her.

00:03:10: Aber wenn man dann zum ersten Mal einem echten Zeitzeugen gegenüber sitzt und aus dem Wort Zeitzeuger wird dann plötzlich wirklich Grieche, der seine Geschichte erzählt, macht einem das noch mal deutlich, wie wichtig es ist, mit Menschen zu reden über dieses Thema.

00:03:25: Was würdest du Leuten empfehlen?

00:03:26: Menschen empfehlen, die keinen Zugang zu Zeitzeugen haben, die aber trotzdem sich mit ihrer Familiengeschichte auseinandersetzen sollen und wollen.

00:03:33: Jeder hat einen Onkel, einen Urgroßvater, einen Stiefonkel.

00:03:37: Wenn man was sucht, findet man was, familiäres.

00:03:40: Und das ist natürlich ein Appell vor allem an die jungen Menschen, die hier zuhören.

00:03:44: Weil je älter desto unwahrscheinlicher ist es, noch Zeitzeugen zu bekommen, zu befragen.

00:03:50: Deswegen nehmt euch jetzt die Zeit, nehmt ein Diktiergerät mit und redet und redet und redet.

00:03:56: Stellt alle Fragen und fragt auch, warum über manche Dinge geschwiegen wird.

00:04:00: Sind wir nicht zu spät?

00:04:02: Wir sind zu spät, natürlich sind wir zu spät.

00:04:04: Und daran lässt sich jetzt nichts mehr ändern.

00:04:07: Deswegen hilft nur der Blick nach vorne.

00:04:09: Allerdings muss man sagen, Deutschland ist ja schon halbwegs gut in der Aufklärung.

00:04:13: In der Schule mussten wir alle nach Auschwitz.

00:04:15: Das Thema Zweiter Weltkrieg war groß.

00:04:18: Aber das ist was völlig anderes, als so etwas zu erleben und gehört zu kriegen.

00:04:24: Vielleicht sind es auch Erklärungen für die Verhalten mancher alten Leute.

00:04:29: Mein Opa zum Beispiel, mein Großvater, war stets ein sehr, sehr schweigsamer Mensch.

00:04:34: Er hatte beim Partisanenkrieg eine Kugel in den Kopf bekommen und einen Streifzug von der Kugel in den Kopf bekommen.

00:04:41: Und später im Sterbebett hatte er immer gerufen, hier, hier, hier.

00:04:47: Und meine Großmutter sagte, du musst damit aufhören mit diesem hier, hier, hier.

00:04:51: Und dann kam raus, er wurde auf dem Feld allein gelassen, als er angeschossen war.

00:04:56: und hat immer hier, hier, hier grufen, um auf sich aufmerksam zu machen.

00:05:01: Also diese Traumata scheinen ein Leben lang zu sein.

00:05:05: Bei meiner Großmutter war es ähnlich.

00:05:07: Die sind geflohen aus Schlesien, glaube ich.

00:05:10: Und bei der hat der Ukrainekrieg total getriggert.

00:05:14: Als sie diese Schüsse gesehen hat, diese Landmassen an Menschen, die dort weg wollen.

00:05:21: dieses auf dem Feld laufen, um sich zu verstecken, dass alles kennt sie.

00:05:24: Das ist sie mit ihrer Mutter gegangen.

00:05:26: Und das war ein totaler Flashback für sie.

00:05:28: Sie hat wieder angefangen zu weinen, sie hatte schlechte Träume.

00:05:31: Auf einmal wieder da.

00:05:33: Und das zeigt mir, dass nicht nur wir als junge Generation was abzuarbeiten haben, sondern auch die ältere Generation.

00:05:42: Auch die Kinder von Schuldigen.

00:05:44: Und vielleicht sogar ... Die Zeitzeugen, wenn es sie noch gibt, da gibt es, glaube ich, ganz viele Tatsachen, die wir noch nicht wissen.

00:05:50: Ganz viele Fakten, die wir noch nicht wissen.

00:05:53: Und vor allem Erlebnisse, das ganze spürbar zu machen.

00:05:56: Wahnsinnig wichtig.

00:05:57: Ich bin jetzt mal so ein Renitenter, ein Fünfzehnjähriger, vor dir und sag jetzt zu dir, keine Lust.

00:06:02: Warum soll ich mich denn damit auseinandersetzen?

00:06:04: Was bringt mir das, wenn ich mir die Eulenkamellen anhöre von Oma und Opa, bzw.

00:06:08: Uroma und Uropa jetzt schon, ändert ja eh nix?

00:06:12: Was würdest du mir als Renitenter, Fünfzehnjähriger, sagen?

00:06:15: In zweihundert Jahren wird sich niemand mehr an dich erinnern.

00:06:20: Geschichte ist flugs weg.

00:06:22: Wie ein Vogel geht sie dahin.

00:06:24: Und ich glaube, ich würde ihm vermitteln, dass er jetzt noch die Chance hat und später nicht mehr.

00:06:30: Und dass er der letzte einer Generation ist, der diese Geschichte festhalten kann.

00:06:37: Wir haben uns versprochen, nie wieder ... Aber dafür brauchen wir die Emotionen von damals.

00:06:42: Wir müssen Wissen von den Gräueltaten, vielleicht sogar von den Strategien.

00:06:46: Und vor allem von den vokalen Strategien.

00:06:50: Also was sagt die AfD, was ähnelt Hitler-Aussprüche oder wie die sich geben.

00:06:57: Man muss erkennen, wenn es nie wieder passieren soll, dann brauchen wir dafür Material.

00:07:04: Und ein Krieg in der Zukunft zu verhindern.

00:07:07: ist die größte Aufgabe, die wir als Land haben.

00:07:10: Es ist eigentlich enttäuschend, dass unsere Eltern, also dein und meine Eltern, gefühlt weniger machen als wir jetzt.

00:07:18: Ich glaube, das liegt daran, dass diese Generation einfach noch nicht fertig war.

00:07:22: Es gibt familiäre Trauma und die sind einfach aufgewachsen mit Vater ist leise oder möchte einfach nicht davon erzählen und haben dann nicht weiter reingegraben.

00:07:33: Wie war's denn bei dir?

00:07:34: Wie hat denn deine Mutter reagiert?

00:07:36: Naja, bei uns war das ja so, dass wir immer davon überzeugt waren, bei uns gibt es keine dunklen Flecken.

00:07:39: Natürlich nicht, nur

00:07:41: die guten

00:07:41: T-Los.

00:07:42: Jetzt haben wir in dieser Recherche herausgefunden, dass es einen dunklen Fleck gab, aber der lag eher daran, dass meine Oma, also die, die es direkt betroffen hat, mit Jahrgang neun und dreißig gar keinen Verantwortungsbewusstsein hatte, davon zu erzählen, auch nicht, dass sie eben ein lebensbohrn Kind ist.

00:07:54: Das war so... Warum soll ich es erzählen?

00:07:57: Erklär noch mal Lebensborn.

00:07:59: Lebensborn ist, das sind Heime gewesen, in denen unter anderem nach den aarischen Gesichtspunkten, nach der Rassentheorie Frauen ausgesucht wurden, die alleinerziehend waren und schwanger waren und durften dort ihre Kinder bekommen.

00:08:11: Solange sie blaue Augen und blundere

00:08:13: Haare hatten.

00:08:14: Solange sie blaue Augen.

00:08:15: Es wurden auch braune Haare haben und braune Augen, aber du musst nachweisen, dass du ... diesen Arya-Nachweis musstest du bringen, dass du da sein durftest.

00:08:23: Aber vornehmlich gewünscht waren blauäugige Blondefrauen, die dort ihre Kinder bekommen, damit sie ihre Kinder nicht abtreiben, wenn sie alleinerziehend sind, weil man Kinder wollte, Kinder brauchte.

00:08:33: Und die andere Wahrheit des Lebensborns ist auch, dass dort eben Kinder entführt wurden aus Europa und eben nach Deutschland gebracht wurden und dort Deutsch werden sollten.

00:08:44: Und meine Oma ist ein Kind davon und hat das nie erzählt.

00:08:47: Ich würde sagen, so zehn Jahre vor ihrem Tod hat sie angefangen davon zu erzählen, weil sie auch keine Absicht, keinen Grund sah, darüber zu sprechen.

00:08:55: Das ist, glaube ich, vor allem bei den Tätern oder bei den Soldaten, auch bei denen, die einfach reingeschubst wurden, die Jugendlichen der letzte Sturm.

00:09:05: Menschen, die sich dabei unwohl gefühlt haben, die es nicht machen wollten, mussten es trotzdem.

00:09:11: Und ich glaube, diese Menschen, obwohl sie Schämen sich, weil sie damals nichts gesagt haben, weil sie nicht mitbekommen haben, was in ihren Schulklassen passiert, dass auf einmal die jüdischen Kinder verschwinden.

00:09:24: Ich glaube, es war niemanden klar, welches Ausufe das Ganze nehmen würde.

00:09:29: Und deswegen erinnert sich schon an die Kindheit.

00:09:33: Aber man möchte natürlich nicht so viel sagen.

00:09:35: Deswegen habe ich auch gelernt in diesem Format, wie viele ... Bibliotheken es gibt wie viel Material es gibt wie viel man rausfinden kann ganz ohne mit den Leuten zu sprechen.

00:09:48: Es hat mich tief beeindruckt diese Hallen und Hallen die man im Film sieht mit lauter Listen von Namen und Stammbäumen und auch wie sie gefallen sind.

00:09:58: Da kann man sich auch mal reinfuchsen.

00:10:00: Das habe ich allerdings auch nicht getan.

00:10:02: Das ist aber auch das Krasseste, wenn du überlegst, dass die meisten Aussagen von Familienmitgliedern sind so, da wissen wir nix, da wussten wir nix, da gibt's nichts drüber.

00:10:09: Das ist auf jeden Fall unwahr.

00:10:11: Ich würde sagen, es gibt fast so allen Facetten des menschlichen Lebens, des Familienlebens im Nationalsozialismus, Daten und Akten.

00:10:18: Und erstaunlich auch, wenn man heute sagt, ich poste keine Bilder bei Facebook, weil ich Angst habe, dass ich da auf welche Spur hinterlasse.

00:10:23: Du musst einfach nur in die Frage, also du kannst, vor achtzig Jahren hat man schon offensichtlich so viele Spuren hinterlassen, dass man daraus wirklich große Rekonstruktionen anstellen kann.

00:10:33: Ich bin auch froh, dass meine Facebook-Post von damals, Lebe nicht dein Leben, sondern Traum.

00:10:38: Ach, wie war's?

00:10:39: Lebe nicht dein Traum.

00:10:40: Lebe dein Leben irgendwie so was, dass die hoffentlich im Vergessen verschwinden.

00:10:45: Aber du hast natürlich recht.

00:10:47: Es gibt bei jedem Geschichte, jeder, der in dieser Zeit gelebt hat.

00:10:50: Und manche erzählen davon, manche nicht.

00:10:52: Ich finde es wichtig, für die zukünftige Generation und die Generation danach Projekte wie dieses zu haben.

00:10:59: Denn man schaut einfach lieber einen Film, als einen staubigen Archiven nachzuschauen.

00:11:05: Und vielleicht ist es auch ein Appell, das würde ich mir am allermeist wünschen von dieser Produktion.

00:11:11: Warst du enttäuscht, dass wir nichts oder sehr wenig über deinen Vokusvater rausbekommen haben und seine Rolle auf Kräter?

00:11:18: Wir hatten als Anhaltspunkte nur die ... Märchen oder vielleicht auch Tatsachenberichte meiner Großmutter, die in Papi sehr, sehr geliebt hat.

00:11:27: Und auch behauptete, dass damals in Kreta eher dafür gesorgt hat, dass die Bäche so zulaufen, dass auch die Bauern auf Kreta irgendwie ihre Felder bewässern können und so was.

00:11:38: Sie hat nur Heldengeschichten von ihm.

00:11:40: Und ich hätte das wahnsinnig gern abgeglichen mit der Realität.

00:11:44: Das wurde mir verwehrt.

00:11:45: Und das finde ich schon sehr, sehr, sehr schade.

00:11:48: Ich hab kurz nach dem Dreh ... eine Kiste gefunden mit lauter Feldpos, die irgendwie untergegangen sein muss in der Zeit.

00:11:55: Und ich glaub, die muss ich mal zu irgendwelchen Jahren schicken, damit er die entziffert.

00:11:58: Die ist

00:11:59: ein Stirling, das glaub

00:11:59: ich.

00:11:59: Ja, ich glaub, das ist noch Sitalin.

00:12:01: Hast du sowas auch bekommen?

00:12:03: Briefe von da?

00:12:04: Nee, also dadurch, dass ja der Erzeuger meiner Großmutter zwar bei der Lifestyle-Data Adolf Hitler war, aber meine Großmutter heimlich gezeugt hat und kurz nach der Geburt meiner Oma auch noch zwei weitere.

00:12:16: Personen geboren wurden aus diesem... Ich weiß gar nicht, was... ...spoilen wir hier schon wieder massiv?

00:12:19: Ja, ich machen wir, glaub ich.

00:12:20: Wir erzählen gerade die ganzen Geheimnisse des Films.

00:12:22: Aber ja, ja, ja, was soll's?

00:12:24: Habe ich sowas nicht bekommen.

00:12:24: Und die andere Seite der Familie, die waren halt so widerständig.

00:12:27: Allerdings gab's dann eben auch meinen Opa, väterlicherseits.

00:12:32: Der ist dann irgendwie, wie auch immer, das ist auch eine interessante Geschichte, die man auch mal beleuchten sollte, aus dem KZ zur Wehrmacht gekommen.

00:12:37: Das ist eine wilde Geschichte.

00:12:39: Das hat es auch ungeklärt, wie das passieren konnte.

00:12:42: Das wäre jetzt eine andere Geschichte, die man hätte erzählen können.

00:12:45: Aber wir haben es jetzt für die Geschichte meiner Großmutter und Lebensborn entschieden, hätten aber wahrscheinlich auch die Geschichte von Erich Müske meinem Opa erzählen können.

00:12:53: Weil

00:12:54: das würde ich wirklich gerne wissen, wie wir das machen, zweite Staffel dann.

00:12:57: Es ist ja auch spannend, gerade wegen den Generationstraum, aber was glaube ich psychisch, das gibt es.

00:13:06: Generationelles Trauma?

00:13:07: Ja, ich glaube, irgendwie sowas.

00:13:09: Das ist einfach ein anderer Punkt, warum man neugierig sein wollte.

00:13:13: Warum neige ich zu Depressionen?

00:13:15: Vielleicht hat das wirklich was zu tun, wie wahnsinnig depressiv mein Großvater war.

00:13:19: Weiß nicht, ob so sein kann, aber würde ich gerne mal mit einer Psychiaterin drüber sprechen, ob sowas möglich ist.

00:13:27: Denn dann fühlt man die Vergangenheit auch am eigenen Körper, genauso wie Charakterzüge.

00:13:33: wenn man zum Beispiel sehr zynisch ist.

00:13:36: Vielleicht waren es die Eltern, die Großeltern auch, wenn man solche Worte, Wortarten, den Umgang miteinander, wie man Kinder erzogen hat, weiterhin in der Gegenwart nachspüren kann.

00:13:49: Vielleicht kann man rausfinden, warum die eigene Mutter immer so leise ist und nie Widerworte gibt oder auch warum die Mutter wie meine sehr laut, sehr selbstbewusst ist und alles im Garten selber macht.

00:14:01: Mein Vater ab und zu in die Seite rammelt, aber natürlich gab es bei uns keine körperliche Gewalt in der Generation davor.

00:14:07: Mhm.

00:14:09: Was sind also vielleicht auch die Fortschritte?

00:14:10: Was haben wir gelernt daraus?

00:14:12: Wir haben uns jetzt ja mit deiner ... Mit der einen Seite deiner Familie beschäftigt.

00:14:15: Gibt's in der anderen Seite der Familie auch was zu betrachten und zu begucken?

00:14:19: Oder sagst du, ich konzentriere mich auf diesen Teil?

00:14:22: Leider ist vor eine Woche meine Oma gestorben.

00:14:25: Vor euch sie viel fragen konnte.

00:14:26: Deswegen noch mal die Aufforderung.

00:14:29: Schaut jetzt.

00:14:30: Es kann jeden Tag zu spät sein.

00:14:32: Und sie ist gestorben mit hundert.

00:14:34: Das heißt, sie hatte wirklich noch Schätze.

00:14:36: Und ich hab sie davor eigentlich nur gefragt, nach meinem Opa, der Arzt war und sich wohl ... selbst ein bisschen abgeschossen hat und Medikamenten mit Alkohol zu tun hatte.

00:14:49: Dann gehen dann, das vielleicht ist das doch bedingt durch seine Eltern, wenn die ihn viel geschlagen haben, wenn Alkohol eine Rolle gespielt hat.

00:14:56: Wer weiß, aber leider habe ich mich noch nicht weiter damit beschäftigt.

00:15:01: Du musst mir mal abverraten, wo diese ganzen Archive sind.

00:15:04: Wir können ja einfach als gemeinsames Hobby da einfach einmal im Jahr spazieren, mal hin und gucken durch diese Archive.

00:15:10: Ich finde, wir sollten sowieso nachdem ich so viel Freude mit dir in Kreta hatte, eine Tätigkeit finden, um uns einmal im Jahr auf irgendeine Recherche reise zu begeben.

00:15:18: Ja, natürlich.

00:15:19: Bist du schon bei dem Punkt, dass du mal geschaut hast, was die Urgruseltern so gemacht haben?

00:15:23: War das für dich auch interessant oder war das zu weit weg?

00:15:26: Mich hat das nie interessiert.

00:15:27: Warum?

00:15:29: Weil mir wurde das immer so erzählt.

00:15:31: Weil es ja dieses Selbstbewusstsein gab.

00:15:33: In der einen Seite der Familie, wir sind die Guten.

00:15:35: Und da hat dann auch schon mal mein Onkel, der Vater meines Bruders, Jetzt hab ich dir gerade erklärt, was ein Onkel ist.

00:15:41: Bescheuert.

00:15:43: Danke fürs Mansplaining.

00:15:45: Umkil, der Vater meines Bruders.

00:15:47: Nee, der Bruder meines Vaters.

00:15:49: So rum ist das genau.

00:15:50: Wir

00:15:50: kriegen das bis zum Ende dieses Podcasts.

00:15:52: Was ist ein Onkel?

00:15:53: Und der hat dann so ganz viel an Forschung schon angestellt und hat es dann einfach mit zugeschickt.

00:15:57: Und da hab ich gesehen, der ist in Neukölln geboren, mein Opa, der war bei der SPD.

00:16:00: Der Ur-Opa.

00:16:01: Nee, mein Opa.

00:16:02: Der ist neunzehntzwanzig geboren.

00:16:03: aber der ist auch schon unter zwei Jahren gestorben.

00:16:05: Ich hab nicht viel von ihm mitbekommen.

00:16:07: Deswegen hatte ich auf dieser Seite der Familie sehr viel Informationen.

00:16:09: Meine Oma hat bei Militer gearbeitet und dann dachte ich mir so ...

00:16:14: Bei

00:16:14: der Kaffeefirma.

00:16:14: Da ja deine Kaffee sucht.

00:16:16: Wahrscheinlich,

00:16:17: in Berlin.

00:16:18: Auch da war der Verdachtsmoment, wahrscheinlich gab's bei Militer Zwangsarbeit.

00:16:21: Wahrscheinlich würde meine Oma diese Zwangsarbeit mitbekommen haben.

00:16:25: Mit meiner Oma hab ich gesprochen über den Zweiten Weltkrieg und wie sie das so wahrgenommen hat in Berlin, also die andere Oma.

00:16:31: Und die hat immer diese Berühmten.

00:16:32: Das hat man ja nicht so richtig mitbekommen, aber man hat die Verschisten mitbekommen.

00:16:35: Aber die Gräueltaten hat man nicht erlebt.

00:16:38: Das denke ich auch.

00:16:38: Vor allem wenn du an einem Ort warst und dann marschieren die mal mit ihren schicken Uniformen rum.

00:16:42: Berlin wurde ja eh nicht so richtig viel marschiert.

00:16:44: Hier war das ja so, ich bin ja, also meine, alleine so eine Information wurden dann immer geteilt.

00:16:47: Man sah, war sehr stolz darauf, dass Berlin die Stadt mit den wenigsten Hitlerstraßen war.

00:16:52: Aber zum Beispiel sowas wie die Reichsprogrammnacht.

00:16:55: sollte schon ein bisschen aufwecken, oder?

00:16:58: Wenn man merkt auch, dass die Juden verschwinden und da sind eingeschlagene Fenster, das merkt man schon, wenn der Boden glitzert voller Scherben und

00:17:06: ... Das hat meine Oma mir nie erzählt.

00:17:08: Ich hab wirklich viel gebobert und gefragt, wie war das damals?

00:17:11: Wo warst du tanzen?

00:17:13: Konnte man mit jemandem zusammen sein, ohne verheiratet zu sein?

00:17:19: Ja, hat sie gesagt.

00:17:20: Das ging schon.

00:17:22: Kinky Oma.

00:17:23: Ich hab auch die andere Oma gefragt, wann wartest du deinen ersten Freund?

00:17:26: Dann meinte sie auf jeden Fall vor dem Vater deiner Mutter.

00:17:29: So, ah, okay.

00:17:31: Nein,

00:17:31: nein, nein.

00:17:33: Aber dann zwischendurch meine andere Oma, die ... oder so was, die hätte ja auf jeden Fall Programm Nacht mitbekommen

00:17:39: müssen.

00:17:40: In Berlin.

00:17:40: In Berlin.

00:17:41: Und davon auch heute erzählen müssen.

00:17:42: Aber ich weiß, dass sie nie davon erzählt hat.

00:17:44: Sie hat nie irgendwie eben von den dunklen Seiten erzählt.

00:17:47: Sie hat nur erzählt, dass es diesen Faschismus gab und dass der eben sichtbar war.

00:17:51: Aber das hat sie zum Beispiel gar nicht erzählt.

00:17:53: Das glaube ich auch, dass viele nicht wussten von Vernichtungslagern wie Auschwitz.

00:17:58: Allein, weil das Maß dieses Massenmordes ist kaum ... zu fassen ist.

00:18:04: Wenn man in Auschwitz ist, dann sieht man in einer Glasvitrine nur Haare von damals.

00:18:10: Man sieht in einer anderen Glaskabine nur Schuhe, teilweise Kinderschuhe.

00:18:16: Und ich glaube, noch zwei Metern wird der übel.

00:18:19: Ich würde jedem empfehlen, sich das anzuschauen und nicht nur so etwas wie Dachau Arbeitslager, sondern macht den Trip.

00:18:26: Schaut euch Auschwitz an und relegt euch dann noch mal, wo ihr euer Kreuz bei der Bundestagswahl setzt.

00:18:32: Ja, aber es ist so, ich glaube, dass da didaktisch aber viel falsch gemacht wurde, weil ich das Gefühl habe, dass die Hauptreaktion ist, ah, ich fahre hier nicht mehr.

00:18:39: Also warum soll ich denn nach Auschwitz fahren?

00:18:42: Ich glaube, dass das der Hauptreflex, der Großreflex ist, dass man das lange her ist, dass die Leute sich nicht dafür interessieren.

00:18:47: Es gibt ja auch diese Statistiken, die sagen, die Leute wissen gar nicht mehr, was Auschwitz ist.

00:18:50: Die Leute wissen gar nicht mehr, was während der Show-up passiert ist, weil das so fern von ihnen schon ist.

00:18:56: Das gehört einfach ins Schulprogramm.

00:18:58: Aber

00:18:58: wie kriegen wir das hin, dass du dich nicht nur lernst, wie ich z.B.

00:19:01: Mathe gelernt habe, ohne es zu verstehen?

00:19:03: Ich würde das einfach zum Pflichtprogramm in der siebten, achten Klasse machen, diesen Ausflug.

00:19:09: Bei uns war das auch eine Klassenfahrt.

00:19:11: Innerhalb dieser Klassenfahrt haben wir das angeschaut.

00:19:15: Und das würde ich einfach verpflichtend machen vom Lehrplan aus.

00:19:17: Ich glaube nicht, dass es ein neues Fach sein muss.

00:19:19: Das kann man schon in Geschichte einbetten.

00:19:23: Aber Geschichte, live erleben zu können, ist ein Privileg.

00:19:26: was nicht viele haben.

00:19:28: Und deswegen einfach wahnsinnig wichtig.

00:19:32: Was mir auch wichtig war bei den Produktionen, war, dass wir das versuchen, spürbar zu machen.

00:19:38: Und dass wir dafür diese Orte besuchen mussten und mit Zeitzeugen reden mussten.

00:19:44: Das war ein ganz klarer Auftrag.

00:19:46: Und genau das, diese Emotion, die vielleicht auch der Zuschauer mitbekommt, könnte ein anderes Gewissen.

00:19:56: schaffen, vielleicht auch Richtung Ukrainekrieg, aber generell auf Krieg und Faschisten zu schauen und den Neuanfang nicht noch mal zu machen.

00:20:10: Ich finde ja, wir haben beide, obwohl wir wenig rausbekommen haben, habe ich trotzdem viel gefühlt.

00:20:14: Also zum Beispiel auch diesen Kriegskrämer, denke mal, bei dem ich ja als wir da standen, ich war ja fast wütend.

00:20:21: Ich auch.

00:20:22: Man muss dazu sagen, ich erklär mal kurz, wie das aussah.

00:20:24: Kreta ist ein relativ trockenes Land.

00:20:26: Insel, sehr trockene Insel.

00:20:28: Und dann sieht man auf einem Berg, so groß wie ein Fußballfeld, würde ich schätzen, vielleicht zwei.

00:20:34: Das ganz, ganz grüne Gras muss stetig bewässert werden.

00:20:38: Ist total gut in Schuss, fast wie mit einer Schere.

00:20:43: Ich würde sagen,

00:20:43: mit einer Schere.

00:20:44: Ja, geschnitten, rasiert.

00:20:47: Und dazwischen liegen Steinplatten für jeden gefallenen Soldaten, der Deutschen.

00:20:52: Also, die haben ein Denkmal, der Deutschen ... die sie terrorisiert haben, die getötet haben, die dort gewütet haben, haben sie einen Platz geschaffen.

00:21:03: Und ich fand das unmöglich.

00:21:05: Ich fand das wirklich entsetzlich.

00:21:07: Verzeihlichkeit hin und her, das ist schon eine krasse Nummer.

00:21:10: Und dann waren wir beide ja so empört.

00:21:13: Über dieses, dann war die Betreiberin, ich kann ihren griechischen Namen mich daran erinnern.

00:21:17: Die, die das gepflegt hat und sich darum gekümmert hat, die im Auftrag der deutschen Kriegsgräber, Denkmal,

00:21:22: Schutz.

00:21:23: Das ist

00:21:24: so ein Verein, der fragwürdig ist, muss man leider auch sagen.

00:21:27: Ja, auch der, der mit den Falschen im Jägern.

00:21:29: Ja,

00:21:29: und sie hat aber dann so, war dann auch wieder so versöhnlich, das fand ich auch so.

00:21:34: Ja, aber dann hat sie so gesagt, ja, aber auch die Mütter dieser Kinder, also dieser jungen Soldaten war ihnen ja zu Hause und so.

00:21:40: Aber dann schau dir mal das Gästebuch an dort.

00:21:43: Noch schockierender, da steht Heil Hitler drin, da sind Hakenkreuze reingemalt, irgendwelche deutschen Sprüche von damals, Arbeit macht frei.

00:21:52: Und die müssen regelmäßig durch das Gästebuch gehen und Zeiten rausreißen.

00:21:57: Das ist doch der Wahnsinn.

00:21:59: Also, da merkt man, Geschichte ist eben nicht vorbei.

00:22:02: Und manche lernen aus dieser Geschichte geil weiter geht's.

00:22:05: Gut, was damals.

00:22:06: Oder sind einfach pubertär, man weiß es nicht, aber es ist unmöglich.

00:22:09: Das sind deutsche Gäste gewesen.

00:22:11: Du siehst diese Gräber und Gräber und Gräber, das waren was?

00:22:16: Neuntausend Stück oder so was?

00:22:18: Viertausend noch

00:22:19: was mehr.

00:22:20: Viertausend tote Menschen, tote Deutsche.

00:22:24: Und ihr schreibt so was ins Gästebuch.

00:22:26: Was ist denn los mit den Leuten?

00:22:28: Also auch, dass wir beide, als wir vor diesem Denkmal standen, was sich die Fallschirmjäger selber gebaut haben.

00:22:33: Das abgekrabbelte

00:22:34: Ding da.

00:22:35: Wo

00:22:35: dann so jemand auch noch Schande raufgeschrieben hat.

00:22:38: Also, die Spuren der Wehrmacht waren, achtzig Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, sichtbarer als die Spuren der Opfer, um ehrlich zu sein.

00:22:47: Vielmehr.

00:22:48: Ich glaub, wir haben gar nicht viel besucht mit den Opfern, außer den Zeitzeugen, den wir befragt haben.

00:22:52: Und ansonsten vor allem so etwas.

00:22:55: Und vor allem ein Land, ich weiß nicht, wer es gesagt hat, aber wir sind ständig besetzt.

00:22:59: Das ist für uns ganz normal, die irgendwie eine ganz andere Mentalität haben.

00:23:04: Aber dass ich so wenig wusste, Geschichtliches, Überkreter.

00:23:08: Und dann läufst du am Strand entlagen und alle sind entspannt und trinken hier ein Espresso Martini und Kinder, Bau und Sandburgen.

00:23:16: Und ich glaube, die allerwenigsten haben ein Bewusstsein dafür, was hier passiert ist.

00:23:21: Deswegen denke ich auch, es ist so wichtig, Orte aufzuklären.

00:23:23: Orte machen Emotionen.

00:23:25: Deswegen auch wie Auschwitz.

00:23:26: Deswegen haben wir auch meine Oma interviewt.

00:23:29: Ganz toll war das im

00:23:30: Übrigen.

00:23:30: Ja, meine Großmutter ist eh die Tollste.

00:23:32: Wenn ihr die Kurse irgendwelchen Gründen nicht schauen wollt, wegen meiner Oma ist das ganz wert.

00:23:38: Und die erzählt Geschichten, die erzählt emotionale Geschichten, wie damals ihre jüdische Freunde nicht mehr in der Klasse war.

00:23:45: Und sie durfte jüdische Kinder nicht mehr besuchen auf einmal.

00:23:50: Und hat sich, glaube ich, damals als Kind noch nicht so viel gefragt.

00:23:53: Und ich glaube, es wurde auch von den Erwachsenen nicht richtig aufgeklärt.

00:23:57: Vielleicht auch weil es was Schreckliches ist, was du aufklären musst.

00:24:00: Und ich glaube, damals hieß es am sichersten ist es, wenn du die Klappe hältst, wenn du nicht zurückziehst, wenn du fließt, Anne Frank.

00:24:08: Anne Frank auch etwas, was jeder lesen sollte.

00:24:10: Was war für dich das schönste Aufkreter, trotz allem?

00:24:13: Ich glaube, das Allerschönste war, den Zeitzeugen zu treffen, die Herzlichkeit so zu spüren.

00:24:18: zu sehen und zu lernen, wie Verzeihung funktioniert.

00:24:22: Denn ich bin jemand, der lange rollt.

00:24:25: Auch in der Generation hinweg.

00:24:27: Ich bin immer sauer auf deine Uhr.

00:24:28: Und dass Verzeihlichkeit eine Entscheidung sein kann.

00:24:32: Und vor allem ein Motor, wie man weitermacht.

00:24:35: Wie man mit Deutschen weiter umgeht.

00:24:37: Dass man verzeihen kann und dass das eine Entscheidung ist.

00:24:41: Das ist das, was ich gelernt habe dort.

00:24:44: Was war das bei dir?

00:24:45: Was war dein Lieblings?

00:24:46: Lieblingsort.

00:24:48: Es war so, es ist eine dumme Frage, aber ich wollte es wissen, weil für mich war das was ganz anderes.

00:24:51: Und zwar, die Kameras waren aus, wir waren mit allem fertig und wir sind an so einen Strand gefahren.

00:24:57: Und irgendwie, das war so, wir waren dann plötzlich, also das Team, der hochgeschätzte Kameramann Flo, Maya, Lana, Boris, du und ich und wir sind an diesen Strand gefahren und dann nach drei oder vier Tagen Kräter und wir waren so ... höflich alle miteinander und es hat mir so gut gefallen.

00:25:15: Und ich musste irgendwie noch was schreiben und dann habt ihr mich schreiben lassen und dann hast du gefragt, wie ist es geworden, was du geschrieben hast?

00:25:21: Ihr wart irgendwie Baden, wir haben diese Sardinen gegessen, also diese kleinen Fischchen, die so paniert sind.

00:25:26: Und das war irgendwie so, da fand ich das toll, was wir Arfenberuf haben, dass wir das machen können, dass wir in unserer Familiengeschichte forschen können.

00:25:34: Und ins Meer gehen.

00:25:35: Und

00:25:35: ins Meer gehen und dass wir irgendwie so eine, dass wir eine richtige, dass wir eine Aufgabe haben.

00:25:41: die wir erfüllen können und erfüllen dürfen.

00:25:42: Und das hat mich auf die ganze Zeit berührt, in dem Moment.

00:25:45: Ich glaube, auch mit jedem Tag haben wir mehr Wissen gesammelt und ... Zum Glück war mein Opa nicht an der russischen Front, da wär's deutlich kälter gewesen.

00:25:54: Und auch schwerer zu gewichten.

00:25:55: Ja, jetzt auch keine gute Wahl.

00:25:57: Aber Kreta an sich ist ein Traum und diese einsamen Strände.

00:26:02: Aber ... Ich konnte das nicht ganz aus dem Kopf kriegen, die ganze Zeit in Kreta, wo ich mir gedacht hab, war es dieses Dorf, was jenes Dorf.

00:26:10: Sind wir nicht in unseren Strand gefahren?

00:26:12: Dann stand eine Plakette, hier wurde der Widerstandskämpfer so und so aufs Meer ausgeschrieben und erschossen.

00:26:17: Genau, es gab immer so was.

00:26:18: Oder auch dort, wo wir zu diesem Flugzeugjäger denkt mal, das muss man sich so vorstellen, das ist ein ganz gammeliger Weg.

00:26:26: wo man da hochgeht, so eine Auffahrt.

00:26:28: Also, das ist der kletterste Halb hoch, so mit so einem Kiesweg.

00:26:32: Und dann stehst du auf einmal vor so einer Statue aus Granit oder was es war.

00:26:37: Total fertig das Ding, oben was abgebrochen.

00:26:39: Aber da haben selbst die Bewohner von Kreta gesagt, das reparieren wir jetzt nicht mehr.

00:26:45: Aber es gibt ein Verein deutscher Feldschützen, die das gerne machen will.

00:26:50: Find ich creepy as fuck.

00:26:52: Lass das Ding doch einfach umfallen.

00:26:54: Das will da eh keiner sehen.

00:26:57: Dieses Denkmal für die Flugzeugjäger.

00:27:01: Baut ein Denkmal für die Opfer dort.

00:27:03: Es kann doch wirklich nicht sein.

00:27:05: Und ich finde, da hat man ein bisschen gesehen, es gibt noch einen Restwut.

00:27:08: Kleinen Funfact für die Höhren und Höhren und für dich.

00:27:11: Das Signee, also das Symbol der Fallschirmjäger, ist bis heute dieser herabsturzende Adler.

00:27:17: Genau.

00:27:17: Das finde ich auch

00:27:18: so wild.

00:27:18: Sowieso.

00:27:21: Wir diskutieren hier so Verantwortung innerhalb der Generation.

00:27:23: Wenn es die Bundeswehr nicht mal richtig schafft, Verantwortung zu übernehmen, zumindest was ihre Symbolik betrifft, weiß ich nicht.

00:27:29: Das ist ja nicht der Letztort, an dem diese Plaketten hängen.

00:27:33: Was ich auch mal rührend finde, ist diese Golddinger-Marmor-Steine zu putzen.

00:27:38: Das macht mein Berlin viel.

00:27:40: Das finde ich eine gute Aktion.

00:27:41: Stolpersteine.

00:27:43: Wie heißt

00:27:44: es?

00:27:44: Stolpersteine.

00:27:45: Genau.

00:27:45: Die Stolpersteine immer noch.

00:27:47: zu polieren, auch das ist.

00:27:48: Aber das

00:27:48: ist wie so eine Gegenbewegung.

00:27:49: Das ist wie so eine Erinnerung.

00:27:50: Es gibt so die Fallschirmjäger, die da kommen und einen Kranz niederlegen.

00:27:54: Und wir haben ja auch dann vertraucht mit einem Blumenstraus gesehen.

00:27:56: Das heißt, da hat vor Kurzem jemand was hingelegt.

00:27:58: Aber wer war das?

00:28:00: Was ist das für eine Person, die sich denkt, da legt das

00:28:03: jetzt hin?

00:28:03: Vielleicht

00:28:04: auch

00:28:04: Angehörige, vielleicht Leute, die ihren Opa da verloren haben.

00:28:06: Die

00:28:06: können ja auf den schönen Friedhof gehen.

00:28:09: Du hast vorkommen recht.

00:28:10: Das ist nochmal eine andere Stufe.

00:28:11: Das

00:28:12: ist ein symbolischer

00:28:13: Akt.

00:28:14: Das ist ein... ignorante, symbolische Akt.

00:28:17: Nichts mit Verzeihlichkeit, sondern wir setzen noch einen drauf.

00:28:20: Blumen dahin zu legen.

00:28:22: Desaster.

00:28:23: Absolut unmenschlich.

00:28:26: Also ich frag mich auch immer, wer sind die Leute, die an der Tankstelle die Lanzerhefte kaufen?

00:28:29: Die selben.

00:28:31: Also es muss ja Leute geben, diese Art Lorifizierung, der Wehrmacht, der SS-Vornehmen ohne sich... zu scheuen oder ohne sich sogar zu schämen.

00:28:39: Es muss es ja geben, sonst gäbe es auch nicht diesen Zeitungsmarkt.

00:28:42: Es gibt massenhaft Sammler auch in Deutschland, die viel Geld für einen Hugo Boss-Anzug von damals, Uniformen von damals, erstehen wollen, die alles sammeln, was einem Zweiten Weltkrieg zu tun hat.

00:28:54: Und dafür gibt es natürlich eine negative, wie eine positive Motivation.

00:28:59: Aber dieses Denkmal, und das es wieder aufgebaut werden soll, Das sollte das Letzte auf der To-do-List der falschen Jäger Deutschland stehen.

00:29:08: Und vielleicht kriegt man da noch einen Knick hin und schreibt vielleicht davor, was eigentlich passiert ist durch diese falsche Jäger.

00:29:14: Und nicht nur, wir haben so viele Menschen verloren.

00:29:17: Ja, und dann, was habt ihr dann gemacht?

00:29:20: Rumgerannt, Dörfer angezündet.

00:29:24: Und fast, vielleicht braucht man da weh, ist es ne Plakette mit Aufklärung.

00:29:27: Wirst du mit Gromy das gucken?

00:29:31: Auf jeden Fall.

00:29:31: Meine Oma sieht schlecht und hört schlecht, aber ich werde die Batterien jetzt richtig lautstellen.

00:29:37: Sie hat einen sehr großen Fernseher, aber ich weiß nicht, sie ist sehr schüchtern, ob sie dann sagt, sie ist grauenhaft.

00:29:44: Oh, die Haare, wieso hast du mir das nicht gesagt?

00:29:46: Mit den Haaren.

00:29:47: Ach, und habe ich jetzt wiederholt?

00:29:49: Ich habe gesagt, keine Sorge, im Schnitt machen wir das, was du wiederholt hast, einfach weg.

00:29:54: Und dann meinte sie das ja ganz toll.

00:29:56: Es ist ja relativ lang und geschnitten geblieben.

00:30:00: Da war's auch ein tolles Gespräch mit deiner Oma.

00:30:02: Ja, und ...

00:30:03: Weil sie relativ ... Dass alle, die kurz in dem Film sind, Dove-Gespräche waren, das möcht ich nicht für diejenigen, die das hören.

00:30:08: Du weißt, was ich meine.

00:30:09: Ja, und sie war eine Zeitzeugin, die gerne von früher, vor allem von ihrer Kindheit, berichtet hat.

00:30:16: Auch früher schon.

00:30:17: Mein Bruder und ich sind immer zu ihr und sagt, Erzählung von früher, erzähl uns von früher.

00:30:22: Da kam immer was Gutes bei rum.

00:30:24: Ich bin sehr dankbar dafür, dass das jemand ist, bei dem ich auch glaube ... dass sie sich korrekt erinnert.

00:30:33: Ja.

00:30:34: Dass sie vielleicht nicht mitbekommen hat, was mein Urgroßvater auf Kreter wirklich gemacht hat.

00:30:39: Da glaub ich ihr, dass sie das nicht weiß.

00:30:42: Vielleicht glorifiziert sie auch.

00:30:44: Wir können es nicht mehr wissen.

00:30:46: Hat es Spaß gemacht, da zu forschen?

00:30:48: Oder war das so mit einer gewissen Vorsicht?

00:30:52: Also, das hätte ja auch für Furchtbaßes rauskommen können.

00:30:54: Oder war es so so unvoreingenommen?

00:30:56: Ich war unten ... Es wäre für mich nicht schlimm gewesen, wenn das schlimme Sachen gewesen wären.

00:31:02: Ich wäre froh gewesen, das trotzdem zu erfahren.

00:31:07: Einzuordnen auch, wieso meine Großeltern so sind, wie sie sind.

00:31:12: Dafür wäre es mir auf jeden Fall das Wert gewesen.

00:31:17: Ich bin auch sonst hart im Nehmen.

00:31:18: Wir haben auf Kreta gedreht.

00:31:20: Es ist alles verwunderbar.

00:31:21: Aber es waren so viele überraschende Elemente, die wir da gesammelt haben.

00:31:26: Das ist alles so kostbar für mich.

00:31:28: Danke.

00:31:30: Es haben ja sehr, sehr viele Menschen abgesagt, auch aus Angst, dass da was rauskommt, dass es auf sie zurückfallen könnte.

00:31:37: Du hast nicht eine Sekunde gezweifelt.

00:31:38: Du hast ja sofort zugesagt.

00:31:40: Du hast dir, glaub ich, nicht mal eine Bedenkzeit ergeben lassen dafür.

00:31:44: Ich darf ins Fernsehen.

00:31:46: Warum denkst du, dass Leute davor heute immer noch Schiss haben?

00:31:49: Glaubst du, es können Karrieren zerstört werden, wenn rauskommt?

00:31:53: dass dein Opa, dein Ur-Opa bei der Waffen-WSS mit großer Lust und Freude getötet hat?

00:31:58: Nein, das glaube ich nicht.

00:31:59: Ich glaube eher, es geht um das Prestige der Familie.

00:32:02: Es geht um Weihnachtsessen, wo man über die Großeltern spricht und mit den Großeltern spricht.

00:32:07: Und da es das Thema Kräueltaten vielleicht nicht ganz passend.

00:32:12: Aber am Ende der Geschichte finde ich es feige.

00:32:15: Fandest du es als Rückbetrachten kompliziert, diese ganze Sache, diese Forschung zu betreiben?

00:32:20: Oder dachtest du hast ... Was war dein Gefühl bezüglich dieser Ahnenforschung?

00:32:25: Ihr habt das umwerfend gemacht.

00:32:28: In diesen Papierhallen, also riesige Hallen, da genau das Richtige rauszuziehen.

00:32:34: Da muss ich auch sagen, Recherchearbeit hab nicht ich betrieben.

00:32:38: Ich war dann eher auf der menschlichen Seite.

00:32:40: Ich war vor allem richtig beeindruckt davon, wie viel da steht.

00:32:44: Also, wenn man möchte, kann man dort echt viel rausfinden.

00:32:47: Ist, glaube ich, kostenlos, oder?

00:32:48: Ja, es kostet nichts.

00:32:49: Man kann Leute beauftragen, die dann gegen Geld diese Forschung für einen betreiben, weil man kann das selbst auch gut als Hobby betreiben.

00:32:54: Ist eigentlich ein geiles Hobby.

00:32:56: Ich glaube,

00:32:56: die Zeit, die man doomscrollt, wenn man die investieren würde in Ahnenforschung, was haben unsere Großeltern gemacht?

00:33:02: Wir werden es best aufgeklärt, dass das Land der Welt.

00:33:05: Also, wenn bei uns was echt Schlimmes passiert wäre, dann hätte ich spür ich, Scham, aber dann lastet auch eine gewisse Verantwortung, die ich dann spüre, noch mehr auf mir.

00:33:18: Und das gilt nicht nur für deutsche Kriege, sondern überall, wo Menschen sich gegenseitig umbringen.

00:33:25: So, wir sind beide, ich bin Mittelalt, du bist Mittel jung, würde ich sagen, so ist die offizielle Bezeichnung.

00:33:32: An der

00:33:32: Grenze.

00:33:33: Was können wir tun gesellschaftlich, dass wir uns nicht schuldig machen?

00:33:37: Ist das ein Beitrag, den wir dazu geleistet haben?

00:33:40: Das hoffe ich sehr.

00:33:41: Ich hoffe, es wird viel geteilt.

00:33:43: Das Thema ist nicht sexy.

00:33:45: Es ist einfach nicht sexy.

00:33:46: Aber

00:33:46: wer versucht, das maximal sexy ist, da rauszuholen?

00:33:50: Ich glaube, ich war einmal im Bikini.

00:33:52: Aber es wird bestimmt wieder rausgeschnitten.

00:33:54: Doch, wir haben wirklich alles gegeben, dass es wirklich eine unzerhaltsame Sendung geworden ist.

00:33:59: Selbst der Zuschauer wird total überrascht sein von den Wendungen.

00:34:03: Auch die Wendungen, die auch meine Kollegin Katja erfahren hat.

00:34:08: Deswegen, es ist spannend erzählt.

00:34:11: Und es ist natürlich nur ein Triptichon von Eindrücken.

00:34:16: Aber all das kann jene passieren.

00:34:17: Und vielleicht ist es so spannend erzählt, dass man danach auch Lust darauf kriegt.

00:34:22: Ansonsten pragmatisch, Zeitzeugen, alle, die noch gehen können, die noch sprechen können, alle in die Schulen.

00:34:28: Genau, auch bietet euch an.

00:34:30: Ich glaube, sehr viele Zeitzeugen gucken ZDF.

00:34:32: Ja.

00:34:33: Dafür steht auch das ZDF bei ZDF.

00:34:34: Vielleicht

00:34:34: sollte man wirklich so eine Wande unten ein... Blenden.

00:34:38: Liebe Zuschauer, bitte melden Sie sich.

00:34:40: Ich meine, es ist nicht wirklich so, ich gucke mal kurz auf den Kameramann.

00:34:44: Wir wissen das doch, glaube ich, das durchschnittliche Zuschaueralter, beim ZNLF ist doch siebzig.

00:34:49: Das denke ich, ja.

00:34:49: Wenn es der Durchschnitt ist, heißt es, dass es sehr viele Menschen gibt, die weit aus älter sind und das sind offizielle Zeitzeiten.

00:34:54: Deren Großeltern dann noch befragt werden können.

00:34:56: Zeitzeugen.

00:34:58: Ja, ja, das würde ich auch denken.

00:34:59: Auch der, wie das Land wieder aufgebaut wurde, wie kaputt es war.

00:35:05: Die Spuren sehen wir bis heute in allen Städten, mal mehr, mal weniger.

00:35:09: Dresden zum Beispiel.

00:35:12: Diese Spuren sind da und sie müssen sichtbar bleiben.

00:35:17: Das ist ganz, ganz wichtig.

00:35:18: Und ich glaube, ich glaube einfach, dass das spannend ist, das Ganze zu machen.

00:35:22: Jetzt habe ich deine Frage vergessen.

00:35:23: Ich wehre plaudern auch gerade nur.

00:35:25: Ich habe mir das gerade gesagt, dass es mit diesen schönen, aufgebauten Städten.

00:35:29: Es ist ja schon auch erstaunlich, wie Deutschland einfach so, dass der Meister der Verdrängung ist.

00:35:32: Also dieses Land ist aufgebaut.

00:35:34: Aber diese Menschen, nie.

00:35:37: Also es gab ja nie so eine große, therapeutische Auseinandersetzung innerhalb der Bevölkerung.

00:35:43: Damit die einen konnten, den Sozialismus nutzen, als Aufarbeitungsmechanismus, der natürlich auch nur mehr schlecht als recht funktioniert hat.

00:35:50: Und die anderen haben ja nur brutal verdrängt.

00:35:53: Ja, vor allem, ihr müsst ja nicht eure Oma befragen.

00:35:56: Es gibt sicherlich viele Nachbarn.

00:35:59: Ja, die nächste Oma bei euch im Mietshaus.

00:36:02: Soll ich dich einkaufen

00:36:03: gehen?

00:36:03: Was haben Sie im dritten Reich gemacht?

00:36:04: Bock

00:36:05: auf Glühwein, Kekse.

00:36:06: In der Weihnachtszeit funktioniert es besonders gut.

00:36:08: Und ich würde wirklich empfehlen, Diktiergerät hat.

00:36:10: Jeder auf dem Handy.

00:36:12: Ihr müsst nicht mitschreiben.

00:36:13: Und das transkribiert das alles für euch.

00:36:15: Also nutzt die Technik von heute, um die Menschen von damals zu befragen.

00:36:20: Tut es, bitte.

00:36:21: Das nehme ich als Schluss drauf.

00:36:22: Vielen Dank.

00:36:22: Vielen Dank.

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00:37:17: Alles muss raus, ist eine Produktion von Pekopepi II GmbH, Redaktion, Luca Lau, Katharina Merzenich, Thilo Mischke, Marlon Plas, Audio-Produktion und Musik Leo Ebert Glang.

00:37:29: Moderiert wird alles muss raus von mir, Thilo Mischke.

00:37:32: Wenn du bei uns werben möchtest, findest du mehr Infos unten in den Show-Notes.

00:37:37: Vielen Dank fürs Zuhören.

00:37:39: Bis bald.

00:37:40: Disclaimer Dieser Podcast ist ein zeitaktuelles Dokument.

00:37:44: Informationen und Perspektiven können sich mit der Zeit verändern.

00:37:48: Bitte beachte, dass sich neue Erkenntnisse oder Entwicklung auf die hier besprochenen Themen auswirken können.