alles muss raus - mit Thilo Mischke

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00:00:00: Es ging um die Rasse.

00:00:01: Und die ganze Gesellschaft sollte sozusagen rassistisch durchstrukturiert und durchorganisiert werden.

00:00:06: Und die wussten ja auch, dass die sogenannte arische Rasse ... Die wussten ja auch, dass es das gar nicht gibt.

00:00:13: Das kann man ja keiner erzählen, dass sie es nicht wussten.

00:00:17: Ständig frage ich mich Dinge.

00:00:18: Tag ein, Tag aus.

00:00:20: Und will verstehen, wie dieses oder jenes funktioniert.

00:00:24: Egal ob in Politik, Gesellschaft, Kultur oder Naturwissenschaft.

00:00:28: Es gibt so viel, was mich interessiert, was neu ist, was ich lernen kann.

00:00:33: Deswegen teilen hier bei Alismus raus Menschen ihre Perspektive, ihren Standpunkt, ihr Wissen, ihre Haltung.

00:00:40: Und in dieser Woche hat mich folgende Frage beschäftigt.

00:00:44: Was ist eigentlich Lebensborn?

00:01:04: Liebe Hörer, herzlich willkommen zu einer neuen Folge von Alismus raus mit mir, Tilo Mischke, jetzt eine Anmoderation vom Flughafen.

00:01:10: Chipool in Amsterdam.

00:01:12: Ich bin auf dem Weg für eine Reportage für den Spiegel und habe komplett mal wieder vergessen, dass mein Podcast eine Anmoderation hat.

00:01:20: Und die Folge, die an diesem Donnerstag kommen sollte, wäre eigentlich eine Folge gewesen über die Artemis-Mission.

00:01:27: Also über die weiteste Reisen, wie je ein Mensch in einem Gefährt gemacht hat.

00:01:31: Auf die Rückstelle des Monens, glaube ich, ist diese Mission.

00:01:34: Mich hat es wahnsinnig interessiert, dass niemand darüber gesprochen hat und niemand darüber spricht, obwohl es eigentlich sehr bedeutend ist.

00:01:40: Aber weil ich jetzt spontan für diese Reportage unterwegs bin, kann ich die Folge nicht aufnehmen.

00:01:45: All diejenigen, die regelmäßig die Themenkonferenz bei Patreon hören, wissen das schon.

00:01:50: Und deswegen haben wir uns entschieden, eine weitere Folge aus dem German Guild Cosmos hochzuladen.

00:01:56: Und zwar... habe ich mit Frau Schmitz-Köster gesprochen.

00:01:59: Sie ist Journalistin und Lebensbornexpertin, hat zahlreiche Bücher zu diesem Thema gesprochen und hat auch mir bei meiner Recherche über Lebensborn und der Herkunft meiner Großmutter sehr geholfen.

00:02:12: Wir haben uns darüber unterhalten, wie wichtig die Aufgabe von Historikerinnen ist und was sie in Bildern erkennen können, warum es so wichtig ist, genau hinzugucken und inwieweit diese Geschichte irgendwann vielleicht auch mal auserzählt sein kann.

00:02:26: Das war ein extrem spannendes Gespräch mit Frau Schmitz-Klöster.

00:02:29: Ich hoffe, ihr findest auch so spannend wie ich.

00:02:32: Und nächste Woche hören wir uns dann wieder mit regulärem Content.

00:02:37: Alle anderen, äh, ja.

00:02:40: Ich freu mich auf euch.

00:02:42: Und wer irgendwie noch ein bisschen was braucht, hört doch einfach mal den Buchklub.

00:02:45: Der kam letzte Woche Sonnabend.

00:02:46: Auch eine tolle Folge gewesen.

00:03:00: Frau Dorothea Schmitzköster, als erstes möchte ich wirklich wissen, wo in Ihrem Leben haben Sie die Entscheidung getroffen?

00:03:05: Das wird mein Spezialgebiet.

00:03:07: Ich möchte mich um die Kinder und um Lebensborn kümmern und möchte das so ausführlich und detailliert wie möglich erzählen.

00:03:15: Ich glaube, es gab keine Entscheidung.

00:03:17: Das war so ein Prozess, in dem ich drin gesteckt habe.

00:03:20: Ein Prozess, der ganz einfach journalistisch begonnen hat.

00:03:25: Ich habe erfahren, dass es ein Lebensbornalm am Stadtrand von Bremen gibt.

00:03:29: Und niemand hatte darüber gearbeitet, außer in einer Examsarbeit der Universität Bremen.

00:03:34: Und das ist ja ein gefundenes Fressen, wenn man auf der Suche nach Themen ist und sich mit Themen beschäftigt.

00:03:39: Und da mich Nationalsozialismus, Krieg, Frauengeschichte immer schon, also vorher auch interessiert hat, habe ich dazu gegriffen.

00:03:49: Und dann hat sich das entwickelt.

00:03:51: Wie erklären Sie sich das?

00:03:52: Es gibt in unserem Film, in dem Sie auch auftauchen oder die Situation meiner Großmutter besprechen, gibt es noch eine andere Erzählstrank, in dem es um Euthanasie in einem Krankenhaus geht in Norddeutschland.

00:04:04: Und auch dort war es eher, da ist jemand drauf gestoßen auf das Thema und hat dann angefangen dazu zu arbeiten.

00:04:09: Wie erklären Sie sich, dass es so wichtige Bereiche im Nationalsozialismus, dass so Privatpersonen oder Journalisten sich darum kümmern müssen, dass es erzählt wird und nicht?

00:04:18: groß erzählt wird durch eben zum Beispiel Institutionen.

00:04:24: Ja, ich habe immer den Eindruck, dass zum Beispiel Historiker eine Scheu dafür haben, auf die Menschen zuzugehen und mit Menschen zu arbeiten.

00:04:30: Diese Quellen sind natürlich auch unzuverlässig, wenn man jetzt mal von der Historiker Seite denkt.

00:04:35: Auch alte Menschen oft.

00:04:37: Da ist viel geschönt, da ist viel vergessen, da ist viel verschoben in der Erinnerung.

00:04:42: Und das macht das Ganze natürlich schwierig.

00:04:44: Und das ist aber gerade ja für Journalistinnen und Journalisten interessant.

00:04:47: Dass man mit alten Menschen zum Beispiel zu tun hat, die dann in ihrem Gedächtnis kramen müssen und aus der Schublade irgendwas rausziehen.

00:04:54: Und das sind dann auch Fakten, die man ja teilweise auch checken kann dann.

00:04:58: Das habe ich ja auch oft gemacht, dass ich das nicht eins zu eins genommen habe.

00:05:03: Und dann versucht er noch schriftliche Querenzen.

00:05:05: zu finden, aber Historiker haben am liebsten schriftliche Quellen.

00:05:08: Und Lebensbauen ist ja auch ein Thema, was so ein bisschen agit ist, so und schwierig irgendwie, anrühig und das ist, jetzt sage ich mal, einfach so schlapp für Journalisten eher interessant und faszinierend oder auch für Detektive faszinierend und für die Historiker eher, wo was, wo sie zurück schrecken.

00:05:27: Wie erklären Sie sich, dass das so was Anrühiges hatte?

00:05:30: Auch das war mein Eindruck, dass es so so.

00:05:32: Das verstecken wir mal lieber noch mehr von den Dingen, die wir verstecken müssen.

00:05:35: Naja, das ist dieses Gerücht über den Lebensbond, was auch nicht aus der Welt zu kriegen ist.

00:05:40: Der Zuchtanstalt, dass da also Menschen, ausgewählte Menschen zusammengeführt worden seien, das sind sie nicht, das war nicht so, zusammengeführt worden sein, um Kinder zu zeigen.

00:05:51: Und dann die Steigerung ist dann sozusagen blonde Mädchen, also unschuldig, und SS.

00:05:58: Also schwarz und weiß.

00:05:59: Das ist ja so ein alter Toppers irgendwie mit, die Schöne und das Beast.

00:06:03: Das Interessante ist, dass bevor wir uns kennengelernt haben und zusammen am Leben meiner Oma gearbeitet haben, dachte ich das auch.

00:06:09: Und wirklich eine der großen Fragen meines Lebens war immer so, wie kam das eigentlich zustande?

00:06:13: Dass meine Urgroßmutter, die ja eigentlich eine Kommunistin ist, die ja eigentlich eine Widerstandskämpferin ist, die ja eigentlich gegen alles war.

00:06:20: in diese Zuchtstation gekommen ist.

00:06:22: Und wie wurde entschieden, wer mein Urgroßvater wurde?

00:06:25: Und bis wir uns kennengelernt haben, da habe ich auch an diesen Topos Zuchtstationen, Lebensbornen gedacht.

00:06:30: Wissen Sie, wie der entstanden ist?

00:06:31: Wo kommt denn das her?

00:06:33: Also den gab es schon in der Nazi-Zeit.

00:06:35: Das war ein Gerücht.

00:06:37: Was ich jetzt erfahren habe, z.B.

00:06:39: auch in der polnischen Widerstandsbewegung benutzt wurde, um im Kontakt zu Flugblätter, deutsche Truppen usw.

00:06:46: abwerfen oder irgendwo verstecken und sichtbar machen, also kolpertiert wurde.

00:06:51: Und ich denke, das hat damit zu tun, dass es um den Lebensraum so eine geheimnißvolle Aura gab.

00:06:57: Also es gab ja eigene Standesämter.

00:07:00: Das wusste man dann natürlich.

00:07:02: Bleib jetzt mal beim Bremer Beispiel, das ist ein Dorf und außerhalb des Dorfs ist so ein Herrensitz.

00:07:08: Man wusste dann, da werden Kinder geboren, die werden aber nicht da angemeldet, nicht im normalen Standesamt, sondern im eigenen Standesamt angemeldet.

00:07:15: Da kommen Frauen von überall her, das sind ja gar keine Mädchen von hier.

00:07:18: Dann, entgegen des Wunsch der Nationalsozialisten waren die Frauen zwar nicht alle blond und blauäugig, aber es gab natürlich junge Frauen.

00:07:27: auch einige Blonde darunter.

00:07:28: Also so kommt so das mit der Rasse da rein.

00:07:31: Und dann haben auch teilweise Leute aus der Umgebung dort gearbeitet und haben gesagt, die machen also Rituale und Namensgebungsfeier und dann kommt SS-Truppe aus Bremen und übernimmt die Patenschaft für die Kinder oder für ein Kind.

00:07:45: Also das hatte alles sowas Geheimnisvolles und zum Teil hatten die Angestellten der Schweigepflicht.

00:07:51: Und von daher denke ich, das spielt eine große Rolle, dass es so geheimnisvoll war.

00:07:56: Dieses ständige Beton, es geht ja um die Rasse und darum ging es ja, hat natürlich das, glaube ich, noch befeuert, dass man gedacht hat, das kann ja nicht anders sein als in der Tierwelt.

00:08:06: Stier zur Kuh führt, das ist der Stierner in der Orchester, der Orchester zur Kuh führt und gezielt irgendwie gute Nachkommen herstellt.

00:08:14: Also ich denke, das war dann auch noch so eine Übertragungsleistung.

00:08:17: Wann haben Sie so die ersten Eintragungen in der Nachkriegszeit gefunden über Lebensborn bezüglich von Aufarbeitung oder von Beschäftigung mit diesem Thema?

00:08:24: Sie könnten mich jetzt zuschlagen, die Jahreszeit kann ich Ihnen nicht sagen.

00:08:27: Aber so ungefähr.

00:08:27: Aber es hat einen Kolpertage-Romant gegeben von Will Bertolt, der heißt Lebensborn-EV.

00:08:34: mit in der fünftiger Jahre.

00:08:36: Der ist verfilmt worden.

00:08:37: Interessanterweise in der Produktionsstätte von Arze Brauner.

00:08:41: Also ein verfolgter jüdischer Filmmensch.

00:08:45: Und der ... Was für eine Art ... auch Roman war das?

00:08:47: War das so ...

00:08:48: Kolbrottage.

00:08:49: Er nannte sich Tatsachen-Roman.

00:08:51: Okay.

00:08:52: Lebensvollen TV, ein Tatsachenroman.

00:08:55: Und darin gibt's eben wirklich diese ausführlich dargestellt, diese Szenarien wie begeisterte BDM-Mädchen und dann deutsche Soldaten allerdings zusammengebracht werden.

00:09:05: Und die werden sogar noch als Match zusammengestellt.

00:09:08: Also die kriegt den und der kriegt die und so weiter.

00:09:11: Und da gibt's natürlich Proteste und auch ein Selbstmord und so weiter von den Mädchen, die das mitmachen will.

00:09:16: Und das gilt als so wahr ist.

00:09:19: Ein Tatsachenroman.

00:09:21: Die SS, die Hyak übrigens, hat damals gegen den Film protestiert, so am Kino, so diese Schaukästen zerschlagen oder vom Kino Rawatz gemacht und so, weil sie natürlich den guten Ruf sozusagen einer SS-Organisation retten wollen.

00:09:33: Also da merkt man natürlich auch die Amivalenz in den nachgefünftiger Jahren bei diesem Film.

00:09:37: Und dann gab es später ein Buch von Henri-Ele, ein Franzose, ein Französisches Paar, die noch sehr viele Zeitzeugen getroffen haben.

00:09:45: Also alte Zeitzeugen, zum Beispiel Gregor Ebner, den obersten Arzt des Lebensborn.

00:09:50: Und die haben auch sich auf Gerüchte aus der Nachbarschaft eingelassen und da kommt das auch die Nachbarn haben gesehen.

00:09:55: Da war irgendwas, da kam immer Mädchen und dann kam die ISS und kann ja nicht anders gewesen sein, so war das dann.

00:10:01: Wenn man auf Lebensbauen guckt, was sagt uns das über den Nationalsozialismus?

00:10:05: Dass es diese Institutionen gab, was kann man darüber lernen?

00:10:09: Ich denke, auf der einen Seite kann man und deswegen ist es so wichtig, auch gegen dieses Gerücht immer wieder anzutreten.

00:10:16: Es ging um die Rasse.

00:10:18: Und die ganze Gesellschaft sollte sozusagen rassistisch durchstrukturiert und durchorganisiert werden.

00:10:23: Und die wussten ja auch, dass die sogenannte arische Rasse, die wussten ja auch, dass es das gar nicht gibt.

00:10:30: Das kann man ja keiner erzählen, dass sie es nicht wussten.

00:10:32: Aber sie hatten ein ideologisches Instrument, um missliebige Kranke und so weiter Juden alle auszusortieren und die anderen zu fördern.

00:10:41: Und das ist so wichtig für mich auch in dieser Beschäftigung.

00:10:47: in die Öffentlichkeit komme, klarzumachen, das ist ein Rassenprojekt.

00:10:50: Es ist keine Sex-and-Crime-Geschichte, sondern ein Rassenprojekt.

00:10:53: Und das hat auf der Ausrottungseite stattgefunden und auf der Förderungseite stattgefunden.

00:10:58: Und das andere ist, es zeigt uns, finde ich, wie geschickt die Nationalsozialisten waren.

00:11:02: Die haben überall da, wo Brennpunkte sind, nämlich zum Beispiel die Diskriminierung lediger Mütter.

00:11:07: Dies ja immer gab ledige Mütter.

00:11:09: in ihrer Geschichte, auch in meiner Geschichte auch, die diskriminierung lediger Mütter aufzugreifen und sozusagen sich da natürlich auch wieder auszusortieren, aber da die Frauen zu fördern, denen was zu bieten.

00:11:22: Ich habe eine alte Mutter getroffen, die hat gesagt, ich kann ihnen nichts Schlechtes über den Lebensbohren erzählen, der hat mir geholfen.

00:11:28: Und so war es.

00:11:30: Das ist tatsächlich auch, was ich auch gedacht habe bei der Betrachtung meiner Großmutter aus urgroßmutter aus ärmsten Verhältnissen in Berlin, in diesen Luxus eigentlich in Bad Poizine.

00:11:39: Das ist ja die Fotos, die wir uns angeguckt haben auch.

00:11:42: Das ist ja für damalige Verhältnisse wirklich beste Unterkunft, beste Versorgung.

00:11:46: Darf man, darf ich als Angehöriger, als eigentlich als Produkt dieser ganzen Reihe sagen, ich bin eigentlich ganz froh, dass meine Urgroßmutter dort war und dort meine Oma gebären konnte und ihr geholfen werden konnte?

00:12:00: Welcher Scheu darf man auf die Geburt seiner eigenen Oma gucken?

00:12:05: Ja, das ist ja nur die eine Seite.

00:12:06: Das ist die eine Seite und lässt die andere Seite aus.

00:12:09: Dass nicht jeder Frau geholfen wurde.

00:12:11: Wenn es ein Sozialprojekt gewesen wäre, dann hätte man jeder Mutter, die in Not ist, geholfen.

00:12:16: Ist aber nicht so.

00:12:17: Man hat nur den,

00:12:19: die mit den entsprechenden Auswahlkriterien übereinstimmten.

00:12:22: Die hat man manchmal auch ein bisschen großzügig ausgelegt, zum Beispiel wenn eine überzeugte Nationalsozialistin da war und die entsprach aber den äußeren Kriterien überhaupt nicht.

00:12:31: Dann hat man einen Auge zugedrückt, aber im Prinzip hat man diese Auswahl-Kriterien gehabt.

00:12:35: Ihre Großmutter, ich weiß nicht, bei die Blond?

00:12:37: Also meine Großmutter hat ... Ich weiß nicht, ich kann den Schwarz-Weiß-Fotos nicht entnehmen.

00:12:41: Aber ich weiß, dass meine Großmutter, Oma Karin, wirklich allen diesen Werten entsprochen hat.

00:12:47: Groß, Blond, also ich glaub die, einst, einst, siebzig, einst, achtzig, Blond, ne, einst, achzig war sie nicht, aber einst, siebzig war sie auf jeden Fall, oder fünfundsiebzig.

00:12:55: Blond, schlank, blauäugig, also sie hatte wirklich das Verkörper dieses Klischee.

00:13:00: Aber das gab es ganz selten.

00:13:02: Das gab es wirklich selten.

00:13:03: Also es gibt so ein Zitat eines von Heinrich Himmler gegenüber einer Lebensbondmutter, mit der ich gern Geschichte, ich mich auch beschäftigt hab.

00:13:11: Und die war groß und blond und entsprach den Idealen.

00:13:14: Und Himmler hat zu ihr gesagt, was machen Sie denn hier?

00:13:18: Ja.

00:13:19: Gab es das als Idee?

00:13:21: So wie der Faschismus ja auch so eine Idee war, die aus Italien genommen wurde, die angepasst wurde.

00:13:26: Ist Lebensborn auch eine Sache, die es in anderen Ländern, in anderen politischen Strömungen der Zeit gab oder vielleicht sogar schon auf früher?

00:13:33: Also auf jeden Fall die Idee der Zucht, der Menschenzucht.

00:13:35: Das ist ein ganz altes, ganz alte Idee, die sich glaube ich bis hin.

00:13:39: so frühen Neuzeiten oder so zieht und immer wieder in verschiedenen Schriften auftaucht.

00:13:44: Ob das so ausformuliert war, ich habe mich damit nicht weiter beschäftigt, also ausformuliert, weil das man auch spezielle Orte dafür schafft, weiß ich nicht, könnte sein.

00:13:53: Diese Lebensbornruhne, sollte das eigentlich auch schon wirklich während des Verschiffsmus, während des Nationalismus etwas Geheimes sein oder war das etwas ein Projekt, auf das man stolz war, so wie zum Beispiel die Autobahn, also so Dinge, wo man gesagt hat, das ist der Fortschritt, den das deutsche Volk nach vorne bringen wird?

00:14:07: Oder wurde das auch eher so auch etwas Geheimnisvolle behandelt.

00:14:13: Ich hatte ja in Bad Arolsen, haben wir ja gemeinsam gesehen, das wirkte ja so durchprofessionalisiert, dieses Heftchen, was auch sie bei sich zu Hause hatten, das wirkt so wie eigentlich wie von einer Krankenkasse, so dass das gibt es einfach.

00:14:25: Genau, wenn sie so Kurk fahren brauchen, die in Informationen.

00:14:28: Genau.

00:14:28: Und da ist die Frage, sollte das einfach so wahrgenommen werden, irgendwie einen Teil, die sagt, das gibt es ab jetzt in unserer Gesellschaft, so was ist da?

00:14:36: Also es gibt schon ... Publikation oder Veröffentlichungen dazu, im schwarzen Chor zum Beispiel, das ist ja die Zeitschrift der SS gewesen, die hingen auch in Schaukästen aus.

00:14:47: Da gab es zum Beispiel am Anfang große Artikel über Lebensborn auch mit Fotos und wie schön das da ist und sauber und weiß und alles, ne, unschuldig.

00:14:55: Und das schon, aber es widerspricht gleichzeitig der Geheimhaltung.

00:15:00: Und es war blieb.

00:15:03: Nach meinem Eindruck blieb es auf der Ebene von Gerüchten, z.B.

00:15:06: unter den deutschen Soldaten, während des Krieges und so.

00:15:09: Alles sehr geheimnisvoll.

00:15:11: Sie haben ja sehr viele Lebensbondkinder auch getroffen, kennengelernt.

00:15:18: Sind die anders?

00:15:19: Nein.

00:15:21: Haben die irgendwas?

00:15:23: Wie sind die sich ihres Ursprungs, sind die sich dessen bewusst und was es bedeutet?

00:15:30: wird das verdrängt.

00:15:30: Also, weil meine Oma hat es ja eben so brutal verdrängt und wollte darüber nicht reden.

00:15:34: Und er hat erst ganz zum Schluss angefangen, darüber zu sprechen.

00:15:37: Wie haben Sie das wahrgenommen bei den Menschen, die Sie getroffen haben?

00:15:40: Naja, die ich getroffen habe, die waren sich ja schon, die waren ja schon vielleicht einen Schritt weiter und hatten schon ihre Auseinandersetzung damit begonnen oder sogar abgeschlossen, falls das geht.

00:15:50: Sie sind ganz unterschiedlich.

00:15:53: Es gibt manche, die haben so einen gewissen Stolz darauf, so einen kleinen... Fettsäckchen ist erlaubt, ungefähr.

00:16:00: Und es gibt welche, die sind voller Verachtung, voller Schuldübernahme auch.

00:16:07: Was wären sie, die Täter?

00:16:08: Also Kinder von Tätern, ja, ein Schuldübernahme ist ja auch so ein Phänomen.

00:16:12: Welche denen ist relativ wurscht?

00:16:14: Das sind meistens Männer.

00:16:16: Nein, da will ich nicht mich interviewen lassen.

00:16:19: Da kann ich auch gar nichts zu sagen.

00:16:21: Also das spielt in meinem Leben auch gar keine Rolle, das gibt es.

00:16:24: Also gerade bei Abweisungen merke ich das dann.

00:16:27: Und es gibt Menschen, bei denen hört die Auseinandersetzung nie aus, obwohl sie das seit Jahren betreiben.

00:16:34: Also eigentlich alles durch die Bank.

00:16:37: Wir hatten, das hatten wir im Interview für den Film, haben wir darüber gesprochen, aber wir würden dich unbedingt jetzt noch mal drüber sprechen.

00:16:41: Und zwar haben Sie mir erzählt, dass auch das wie so eine Art Auszeichnung war, also in der jungen Bundesrepublik, dass wenn sozusagen die, die zwar den Persülschein bekommen haben, aber nicht wirklich internationaliziert wurden, gesagt haben, wer bei Lebensborn war, Den holen wir uns, weil der ja dieser Idee entspricht.

00:17:00: Wissen Sie auch, wie im Osten damit umgegangen wurde?

00:17:02: Haben Sie mal so eine E-Mein-DDR, wie damit Lebensborn?

00:17:06: Da bin ich noch keinen Schritt weitergekommen.

00:17:08: Also ich kenne einige Lebensbornkinder.

00:17:10: Es gibt eine Geschichte von einem Mann, der in Koren Saal ist, also im Kinderheim war, den die Mutter offenbar abgegeben hat.

00:17:17: Und der sich dann, der bei Pflegeeltern aufgewachsen ist, der dann später sich mal auf die Suche nach seinen leiblichen Vorfahren gemacht hat.

00:17:24: In Werninger Rode war, der ist in Werninger Rode geboren und wo sich die Stasi eingeschaltet hatte und hat gesagt, Junge, wenn du jetzt weiter Vorstand kriegst, du Ärger.

00:17:33: Das kann damit zusammenhängen, dass er bei der Wismut gearbeitet hat und von daher so ein Sicherheitsproblem vielleicht war oder so, keine Ahnung.

00:17:41: Ich weiß auch, dass in der DDR die doch schon auch oft als SS-Bankort.

00:17:46: Bezeichnet wurden, also gemobbt wurden damit.

00:17:48: Das waren v.a.

00:17:49: wirklich Kinder, die aus dem Kinderheim in dieser Gegend von Leipzig, Korensalis und so weiter untergekommen waren.

00:17:58: viel mehr weiß ich nicht.

00:17:59: Deswegen möchte ich Ihre Mutter auch so gerne interviewen, weil die vielleicht mir noch mal ein paar weitere Informationen gibt.

00:18:05: Also, es ist schwierig.

00:18:07: Also, ich kann mir gut vorstellen, dass meine Mutter das Gleiche sagt, was ich sage, dass Oma hat nichts geteilt und wahrscheinlich auch aus Furcht...

00:18:12: Außer am Schluss

00:18:13: haben sie... Außer am Schluss, aber besonders zu DDR-Zeiten.

00:18:16: Also, sie hat... Obwohl sie sich... Wissen wir jetzt ja... Oh, das darf ich gar nicht verraten, weil für die Leute, die es noch nicht geguckt haben, dann verraten wir jetzt die Inhalte.

00:18:23: Das überspringen wir das mal.

00:18:25: Das ist, ich glaube, aus Furcht... Auch Konsequenzen beruflicher Natur.

00:18:29: Also meine Großmutter ist einfach Juristin gewesen, der DDR in leitender Rolle.

00:18:33: Und ich glaube, sie wollte nicht, dass das Thema wird, weil sie das, das würde ihr auch ihrem, ihren sozialistischen Idealen einfach widersprechen.

00:18:40: Wobei man ja die sozialistischen Ideale damit erklären könnte, dass sie sich eben ganz konsequent davon abwendet.

00:18:46: Und das negiert.

00:18:47: Also, dass wir auch noch mal durch den Kopf gehen lassen, dass es jemand eben auf die andere Seite geht und ganz bewusst und dann auch agiert ganz bewusst, soweit ich das bisher weiß.

00:18:57: Und ja, und dass das eigentlich eine Entscheidung ist, sich genau davon abzuwenden.

00:19:00: Also, ich habe auch unter den Interviewpartnerinnen und Ken auch mehrere Kommunisten getroffen.

00:19:06: Das ist eine der Fragen, die ich meiner Oma gestellt habe.

00:19:09: Ich weiß, dass ich sie so ... vier, fünf Jahre vor ihrem Tod gefragt habe, Oma, bist du diese überzeugte Kommunistin, weil du ein Spross einer Ideologie eigentlich bist?

00:19:19: Und dann hat sie ganz vehement gesagt, nein.

00:19:21: Das hat damit nichts zu tun.

00:19:22: Sie ist es einfach aus Überzeugung.

00:19:24: Sie hält dieses System für das bessere System.

00:19:29: Man weiß es ja nicht, ob sie innen drin diese Überzeugung trägt.

00:19:32: deswegen.

00:19:33: Jetzt reden wir die ganze Zeit über die eine Seite von Lebensborn.

00:19:36: Ich würde jetzt mal sagen, die freundliche, das freundliche Gesicht von Lebensborn, nämlich alleinerziehenden Müttern, die Möglichkeit zu geben, ihr Kind zu gebieren.

00:19:42: Die andere Seite sind aber Raubkinder.

00:19:44: Ausgewählten Müttern.

00:19:45: Ausgewählten Müttern, richtig.

00:19:46: Ist

00:19:46: wichtig.

00:19:46: Ist tatsächlich wichtig.

00:19:48: Wofür wurde Lebensborn noch verwendet?

00:19:49: Was ist die, diese, ich will es gar nicht dunkle, beide Seiten sind dunkel.

00:19:53: Was ist die andere dunkle Seite von Lebensborn?

00:19:56: Ja, sobald der Krieg begonnen hat.

00:19:58: hat man seltsamerweise im sogenannten Heinrich Himmler-Otto ein Völkerbrei des Ostens ja auch gutes Blut entdeckt.

00:20:07: Da gibt es jetzt zum Beispiel auch blonde Kinder, in Polen zum Beispiel oder in Tschechien oder so.

00:20:11: Und im Kontext Generalplan Ostens, so das will ich jetzt nicht weiter ausführen, ist die Strategie entstanden, diesen völkern, diesen gemischten, rassisch gemischten völkern, in denen gutes Blut vorhanden ist, in zweierlei Weise zu schaden.

00:20:28: Einmal natürlich durch Vernichtung und Ausrottung, Zwangsumsiedlung usw.

00:20:32: und andererseits indem man ihnen die guten Kinder entzieht.

00:20:36: Und diese guten Kinder wurden eben... Einbestellt, rastisch untersucht, gesundheitlich untersucht, genau unter die Lupe genommen.

00:20:46: Sie kamen in Heime.

00:20:47: Sie wurden dem Ort, wo sie lebend entrissen.

00:20:49: Man hat als erstes Kinder mit wenig Schutz, sprich aus Weisenhäusern, aus Pflegefamilien, später Kinder von unehelig geboren worden oder außerhelig geboren worden.

00:20:59: Im Blick gehabt, hat die in Heime untergebracht und mit... Rabiattenmethoden sozusagen zwangstum erzogen.

00:21:06: Das heißt, die mussten zum Beispiel.

00:21:08: Hauptschauplatz war sowieso Polen.

00:21:10: Es war Experimentierfeld auch für dieses Projekt.

00:21:13: Die mussten Deutsch sprechen, obwohl sie es gar nicht konnten.

00:21:16: Wer Polnisch sprach, wurde hart bestraft und so weiter und so weiter.

00:21:20: Und Kinder, die all das ausgehalten haben und resilient genug waren, würden wir vielleicht heute sagen, also die, die nicht ausgefallen sind in diesem Prozess, kamen in die Hand des Lebensborn und er hat versucht sie, an Familien zu vermitteln, deutsche Familien zu vermitteln.

00:21:35: Damit hatte man den bekämpften Volk sozusagen das gute Blut entzogen.

00:21:40: Und man hat ihm gleichzeitig auch diejenigen, weil die ja gutes Blut hatten, hatte man die Idee, dass werden die zukünftigen Führungskräfte dieses Volkes.

00:21:47: Und man hat da sozusagen dem Volk auch die Spitze, die Führungsspitze sozusagen damit aus der Hand beschlagen.

00:21:52: Das war die Idee.

00:21:54: Und begonnen hat man in Polen im Wartegau der vor dem Essen-Weltkrieg auch mal deutsch gewesen ist.

00:22:00: Und hat das ausgedeckt, dehnt auch teilweise aus Generaldegouvernement und hatte auch Pläne dafür, das in der Sowjetunion zu machen, in der Ukraine.

00:22:08: Es gibt einen Menschen aus der Ukraine, der kommt von der Krim, er ist leider auch schon gestorben, der eben auch in diesem Programm drin gewesen ist und wollte das eben ausdehnen auf den Osteuropäischen und weiteren Raum.

00:22:22: Weißt man, wie viele Kinder insgesamt durch diese Lebensbornheime gegangen sind?

00:22:26: Es waren ja nur die ganz Auserwählten, die da durchgegangen sind.

00:22:29: Im Nürnberger Prozess haben die angeklagten aus dem Lebensborn.

00:22:32: Es gab eben einen Prozess, wo auch Lebensborn zu ... Das wäre

00:22:34: meine Anschlussfrage gewesen.

00:22:35: ...

00:22:35: zur Debatte steht.

00:22:37: Zweihundert, fünfzig bis drehundert Kinder sein durch die Hand des Lebensborn, dann vermittelt worden oder Versuche, sie zu vermitteln.

00:22:45: In dieser Zeit geht heute viel zu niedrig.

00:22:48: In Polen ist nach dem Krieg sofort die Zahl ... Uns wurden zweihunderttausend Kinder gestohlen, veröffentlicht worden, die ist auch nie wirklich revidiert worden.

00:22:56: Sie ist eine sehr, sehr schwierige Zahl, die ist wahrscheinlich eindeutig zu hoch.

00:23:01: Es geht auch darum, welche Kinder überhaupt damit erfasst worden sind.

00:23:05: Das sind zum Beispiel auch Kinder von Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter mitgezählt, die dann teilweise auch in Deutschland geboren worden sind, wenn sie nicht, wenn sie nicht hat, verrotten lassen.

00:23:14: Auch ein ganz schlimmes Kapitel.

00:23:16: Und die Schätzungen gehen jetzt von zwanzig bis fünfzigtausend.

00:23:20: Wurden Reparationszahlungen gezahlt an diese Menschen?

00:23:22: Haben die Entschädigungen bekommen?

00:23:24: Ja, sie kommen von einem schwierigen Thema zum nächsten.

00:23:29: Ja, nein, es hat einen langen Kampf gegeben von Einzelkämpfern, die durch alle juristischen Instanzen gegangen sind.

00:23:37: Und unser damaliger Finanzminister Schäuble hat gesagt, das ist ein Kriegsfolgenschicksal.

00:23:42: Wird nicht erschädigt.

00:23:43: Zynisch.

00:23:43: Ja.

00:23:44: Und ich meine, ich hab's jetzt auch verkürzt als Kriegsfolgenschicksal.

00:23:48: Und Hermann Lüteking, das ist der Vorkämpfer, der stammt auch aus Wutsch, also heute, also wir sagen immer Lodge, damals Liedmannstadt.

00:23:55: Wie gesagt, durch alle Instanzen durch und er hatte Unterstützung von einem kleinen Verein und hat dann alles geschafft, das ist in Baden-Württemberg.

00:24:05: eine Entschädigung gezahlt worden ist.

00:24:07: Tatsächlich ist sie ausgestaltet worden an drei Personen.

00:24:10: Die mussten natürlich nachweisen, dass sie dieses Schicksal... Klar, da kommt vielleicht auch einer sofort betrügerische Absicht.

00:24:15: und drei Kinder, die haben fünftausend Euro bekommen.

00:24:19: Und einer davon war mein Raubkind, über den ich auch mal gearbeitet habe.

00:24:23: Das fand ich sehr schön, dass wir sozusagen eher davon noch was hat.

00:24:27: Und also mein Raubkind hört sich immer so anders fest.

00:24:30: Sie verstehen schon.

00:24:32: Und in Nordrhein-Westfalen hat es wohl auch mal so eine Sozialunterstützung für ein Lebensbornkind gegeben.

00:24:37: Das ist alles.

00:24:38: Und die Konsequenzen sind, ich spreche in dem Film mit einem Überlebenden, oder einer Person, die noch lebt, ein Lebensbornkind, ein Raubkind.

00:24:46: Die Konsequenzen sind katastrophal.

00:24:48: Also furchtbar für diese Kinder, die jetzt natürlich alte Menschen sind, aber die ihr Leben lang darunter gelitten haben, dass sie ihrer Kindheit und ihre Identität... Beraubt wurden.

00:24:57: Ja, das habe ich eben in der Aufzählung auch ganz vergessen, dass sie natürlich andere Namen, teilweise andere Geburtsdaten, also da wurde wirklich die ganze Identität umgekrempelt in eine sogenannte deutsche Identität.

00:25:12: Liebe Leute, Patreon-Werbung, ich möchte, dass ihr zu Patreon kommt.

00:25:15: Ihr möchtet, dass ihr unabhängigen Journalisten unterstützt.

00:25:17: Das wird immer wichtiger werden in den nächsten Jahren.

00:25:19: Auch für uns.

00:25:21: Ihr macht damit alles möglich.

00:25:22: Und ich danke euch dafür.

00:25:24: Für diejenigen, die jetzt schon unterstützen, jede Woche werden wir mehr.

00:25:27: Dort könnt ihr nicht nur, das ist das Coolste an Patreon, uns unterstützen.

00:25:31: Wir sind da auch eine Community.

00:25:33: Wir sind eine Gemeinschaft von Leuten, die journalistische Inhalte miteinander diskutieren.

00:25:37: Und uns auch kritisch mit Themen auseinandersetzen.

00:25:40: Das finde ich toll.

00:25:40: Ganz neu hinzugekommen ist, Jede Woche gibt es einen

00:25:43: Text

00:25:44: wie früher von Martin Lautwein, der auf eine aktuelle Situation guckt.

00:25:48: hoch, jetzt guckt ihr Werbung am Flughafen, auf eine aktuelle Situation guckt und sie für euch einkommnet.

00:25:58: Ist das was Sie machen, auch so eine gewisse Form von Gerechtigkeit für diese Raubkinder?

00:26:04: Das ist ein großes Wort.

00:26:05: Ja, aber weil ich das Gefühl habe, Sie haben, da gibt es keine Gerechtigkeit, das sind eben...

00:26:10: Ich finde es so schwierig.

00:26:12: Ich finde zum Beispiel auch Entschädigungen schwierig, weil Geld macht das nicht gut.

00:26:16: Und wenn Sie als Jugendliche oder Kinder oder größere Menschen Therapie gemacht hätten und dafür das Geld brauchen oder so, oder weil Sie in schwierigen Verhältnissen sind, dann hätte Geld vielleicht was gut gemacht.

00:26:29: Aber Geld macht es eben nicht gut.

00:26:30: Und das ist so eine Verharmlosung der Beschädigung, die stattgefunden hat.

00:26:34: Ich finde auch, um ehrlich zu sein, fünf tausend Euro.

00:26:36: Ja, so ein Witz, oder?

00:26:38: Das ist eine

00:26:38: Freiheit, ganz ehrlich.

00:26:39: Das ist ein ganzes Leben.

00:26:40: Ja.

00:26:40: Und man darf auch nicht vergessen, auf der anderen Seite, meine Großmutter hatte Anspruch auf einen Rentenzuschuss.

00:26:46: Okay.

00:26:47: Wegen dieser Lebensbornsache.

00:26:49: Echt?

00:26:49: Ja.

00:26:50: Und den hat sie aber abgelehnt, weil sie meinte, dass sie, sie will jetzt nicht auch noch belohnt werden dafür, dass sie ... eben ein Kind aus diesen Heimen ist.

00:26:59: Das

00:26:59: ist für mich echt eine neue Info.

00:27:00: Also es gab irgendwie, ich glaube, das hatte was mit ihrem vermeintlichen Erzeuger zu tun, weil ich meine, man darf auch nicht vergessen, dass nach dem Zeit-Weltkrieg Offiziere der Wehrmacht Renten bekommen haben, dafür, dass sie Offiziere waren.

00:27:11: Ja,

00:27:12: ja.

00:27:12: Oder die Witwe.

00:27:13: Ja, oder genau.

00:27:14: Und ich glaube, das hatte irgendwas damit zu tun und das erzählt meine Mutter auch immer, aber ich weiß, es kann auch eine Legende sein, auch das kann wieder so ein Widerstandsversuch sein, sich da dem abzugrenzen.

00:27:23: Aber jetzt gehen wir mal davon aus, dass es das gab.

00:27:25: Also die eine Seite wird dafür belohnt und die andere Seite muss ein Leben lang dafür kämpfen und drei Leute bekommen, fünf tausend Euro je.

00:27:32: In Polen hat dank der Vereine dem Barbara-Langevorsitzenden Barbara Paciokiewicz lange Vorsitzende weiter hat auch so einige Dinge erkämpft.

00:27:40: Sie hatten kombatanten Status nachher und damit gewisse soziale Vergünstigungen, angefangen von kostenlosen Busfahren und so weiter und so weiter.

00:27:49: Aber auch das musste in Polen erkämpft werden, weil sie waren, ja.

00:27:53: Deutsche Kinder.

00:27:54: Als Barbara zurückkam nach Polen, war sie ein deutsches Kind.

00:27:57: Und sie hat immer gesagt, Hitler ist mein Onkel.

00:27:59: Also die war so naiv, dass sie das zum Beispiel auch selber vor sich hergetragen hat, um sich größer zu machen oder einer kann zu werden.

00:28:05: Die konnte ja kein Voln besprechen.

00:28:07: Haben Sie das Gefühl, das Thema ist irgendwann auserzählt?

00:28:10: Oder noch eine kleine Vorfrage.

00:28:12: Wie lange wird es in Jahren?

00:28:14: Beschäftigen Sie sich denn schon mit Lebensbauen?

00:28:15: Ungefähr dreißig

00:28:16: Jahre.

00:28:17: Aber

00:28:17: nicht ausschließlich.

00:28:18: Nein,

00:28:19: ich bin schließlich auf der Polarste angefahren und war bei romantischen Weinbauern und Bergbauern.

00:28:23: Aber es ist ja trotzdem, es schwingt immer mit im Kopf.

00:28:25: Es ist immer da.

00:28:27: Und jetzt die Anschlussfrage.

00:28:28: Wie lange kann man sich damit beschäftigen?

00:28:30: und ist das irgendwann zu Ende erzählt?

00:28:32: Ist mir der letzte stirbt?

00:28:33: Es ist dann vorbei.

00:28:36: Naja, die Enkel und Urenkel geben schon hoffen, dass es weitergeht.

00:28:40: Und das ist auch so, dass sich nächste Generationen auch nicht durchgängig oder so damit beschäftigen und auseinandersetzen.

00:28:48: Und also für mich ist es so, es hat sich einfach immer weiter entwickelt.

00:28:54: Es kam immer wieder was Neues, was ich wahnsinnig spannend fand und wo ich dachte, da möchte ich gerne mehr darüber wissen oder ... Das kann nicht stimmen, was da steht.

00:29:04: Das möchte ich rausfinden.

00:29:05: Also, das Detektivische treibt mich auch sehr stark.

00:29:08: Deswegen ist die Frage mit der Gerechtigkeit auch so schwierig, weil ich durch auch meine eigenen Wesensarten auch nachgehen kann.

00:29:18: Und jetzt habe ich fünf Bücher über dieses Thema geschrieben und X-Radiosendungen gemacht und so und so viele Interviews gegeben.

00:29:25: Aber jetzt schraube ich ein Blog.

00:29:27: Also das sind immer noch Dinge, die da sind und ich versuche jetzt so ein bisschen, die auch nochmal einen größeren Blick zu nehmen.

00:29:34: Also zwangsarbeiterkinder zum Beispiel hat mich jetzt eine Zeit lang beschäftigt.

00:29:38: Oder was passiert eigentlich an den Orten, wo es mein Lebensbornheim gegeben hat?

00:29:42: Gibt es da einen Gedenken zum Beispiel in Polen?

00:29:45: Machen sie ganz viel und in Deutschland?

00:29:47: Interessant, ne?

00:29:48: So was.

00:29:49: Und ... Gar nichts?

00:29:50: Also, es wird es vorher nicht

00:29:51: an Orten oder

00:29:52: ist da eine kleine Plakette?

00:29:53: Gedenktafel und so denkt man jetzt dran.

00:29:56: Und in den Nordrach im Schwarzwald wird das Haus jetzt umgebaut zu Eigentumswohnungen, da würde ich nicht wohnen wollen.

00:30:03: Aber, weil das nachher auch noch ein Psychiatrie war und so weiter und so weiter, so in so einen ... Bad vibes.

00:30:08: Ja, genau.

00:30:08: Das wäre nicht zu mich.

00:30:10: Die wollen aber dann Gedenkraum zum Beispiel machen unten.

00:30:13: Also, von daher sind so, es kommt jetzt langsam, glaube ich.

00:30:17: Wie ist denn, was ist denn Ihre Erklärung als Journalistin, die so lange jetzt auf dieses Thema auch schon guckt, dass es bestimmte Dinge sich eignen, um das auf so ein Gedenktablo zu legen?

00:30:27: und da denken wir jetzt alle dran und da gehen wir regelmäßig hin und bestimmte Dinge wie zum Beispiel Lebensborn werden wirklich, die sich ja auch perfekt eignen würden eigentlich, dass man sich damit aktiv auseinandersetzt, werden aber eher verheimlicht?

00:30:37: Was ist der Grund dafür?

00:30:38: Ja, heute wird es doch nicht verheimlicht.

00:30:40: Also das kann ich echt nicht sagen.

00:30:41: Es gibt so viele Fernsehdokumentationen.

00:30:43: Heute nicht mehr.

00:30:44: Mit Schicksalen.

00:30:47: Auch haben da gar nicht über die norwegischen Kinder gesprochen.

00:30:50: Also Kinder deutscher Männer und norwegischer Frauen.

00:30:53: Ich hab nicht das Gefühl, dass es verheimlicht wird, sondern es ist gut.

00:30:56: Ich bin natürlich da irgendwo mittendrin und nehme dadurch auch alles Mögliche wahr, was Otto Normal Verbraucherinnen nicht wahrnimmt oder so, oder gar nicht mitnimmt.

00:31:05: Aber wenn irgendwas im Fernsehen ist, kommen bestimmt aus meinem Freunden und bekannten Kreis drei.

00:31:09: Hast du gesehen, da war wieder ein Film oder so?

00:31:12: Es gibt schon eine Aufmerksamkeit und auch Anteilnahme.

00:31:15: Aber

00:31:15: ich finde, und das muss man auch mal wirklich anerkennen, das ist ein Großteil.

00:31:19: Haben Sie das verursacht, dass so darüber

00:31:21: gesprochen wird?

00:31:22: Mit verursacht.

00:31:22: Mit verursacht, aber auch für dieses als Journalistin, bringen Sie das ja auch in eine breite Öffentlichkeit und holen es aus dem universitären Rahmen einfach raus.

00:31:29: Zum Beispiel mit der Auflösung, dass es sich eben nicht um eine Zuchtstation handelt, sondern um was anderes, dass diese Idee sich da, also eine andere Idee dahinter verbirgt.

00:31:36: Wenn Sie das nicht gemacht hätten, vermute ich, würde das noch in Historikerkreisen diskutiert werden, aber es würde immer noch nicht so eine breite Öffentlichkeit erfahren.

00:31:44: Ja, es gibt schon auch noch Kolleginnen und Kollegen, die das auch gemacht haben, aber die waren nicht seit dreißig Jahren.

00:31:49: Deswegen.

00:31:50: Nicht seit dreißig Jahren.

00:31:51: Warum ist es wichtig, dass wir uns immer noch damit beschäftigen?

00:31:54: Warum können wir nicht sagen, jetzt haben wir doch alle drüber geredet.

00:31:57: Fünf Bücher wurden, haben Sie jetzt da geschrieben.

00:31:59: Jetzt gibt es auch noch eine Doku auf dem ZDF, wo der Mischgesicht damit seiner Oma auseinandersetzt.

00:32:04: Reicht doch jetzt eigentlich auch.

00:32:05: Aber ich würde dem widersprechen.

00:32:07: Und warum?

00:32:08: Und ich frage Sie direkt, warum müssen wir uns damit weiter auseinandersetzen oder sollten?

00:32:12: Ich denke, es gibt verschiedene Ebenen.

00:32:14: Also es gibt wirklich die familiäre Ebene, wo... Plötzlich die Enkelkinder anfangen zu fragen, wer ist eigentlich mein Opa, Opa oder sonst was?

00:32:21: Also sind sie ja nicht der Einzige.

00:32:23: Und auch zu schauen, ob es wirklich in der Familie so eine Nachwirkung hat.

00:32:28: Also ich will jetzt nicht von Trauma sprechen.

00:32:29: Ich bin zum Beispiel auch keine Verfechterin der These, dass alle Lebensbohrenkinder traumatisiert seien.

00:32:34: Das stimmt nicht.

00:32:35: Es gibt glückliche Lebensbohrenkinder, es gibt viele, die auch in Ehen geboren sind, wo Vater und Mutter da waren und so.

00:32:41: Und der Vater auch nicht fürchterlich war und so weiter.

00:32:43: Also es gibt diese familiäre Ebene.

00:32:45: wo es eben auch immer leichter wird, eben an Informationen zu kommen, weil sich Institutionen öffnen, die vor zwanzig Jahren noch geschlossen waren oder so, ja, erholzen zum Beispiel.

00:32:56: Also, und auch eine Sensibilität entwickelt worden ist.

00:32:59: Und ich denke, wenn wir jetzt eher politisch gucken, also was ich eben schon mal sagte, die Geschicktheit von rechtsradikal bis faschistischer Politik, ja, sich genau... diese Kritikpunkte erleben wir doch heute auch, in unsere Gesellschaft auszusuchen und sich darauf zu setzen und sich damit sozusagen groß zu machen.

00:33:20: Das finde ich so wichtig, zu verstehen, dass sie Nazis auch konnten und auch gemacht haben.

00:33:26: Und dann denke ich, wir erleben nicht in einer nicht-rassistischen Gesellschaft.

00:33:30: Das ist doch wichtig, dieses Thema der Rassendiskriminierung oder eben dann auf der anderen Seite der guten Weißen, die wir Wir ja sind, ja, die guten Weißen oder schlechten Weißen, aber die Weißen, USA.

00:33:44: Hat man sofort als Beispiel mit der Weißen Rasse und so weiter.

00:33:47: Also diese Themen sind ja da.

00:33:49: Und sie, die sich auch historisch anzugucken, die kommen nicht daher, die sind auch noch älter.

00:33:53: Also es gab auch schon vorher ein Rassismus, Kolonialismus und so weiter.

00:33:57: Also sich damit zu beschäftigen, finde ich sehr, sehr wichtig.

00:33:59: Und nicht so zu tun, als seien wir doch die guten Weißen.

00:34:03: Wie kriegen wir das?

00:34:04: Ihrer Meinung nach hin, dass wir die Leute, die Menschen für dieses Thema begeistern und dieses Echzen und Seufzen rausbekommen aus diesem Blick auf die Vergangenheit.

00:34:13: Das weiß ich nicht.

00:34:15: Sie versuchen das ja.

00:34:16: Ich weiß es nicht.

00:34:18: Da fällt mir nicht viel zu ein oder eigentlich gar nichts.

00:34:21: Ich weiß es

00:34:22: nicht.

00:34:23: Ich bin vielleicht eher noch wirklich auf dieser Ehraufklärenden und dann zwar mit journalistischen oder erzählerischen Mitteln, auch Ausstellung oder sowas.

00:34:32: Aber es ist immer dann das Schwere.

00:34:35: Es ist immer das Schwere bei mir.

00:34:38: Wenn man dreißig Jahre sich mit diesem Thema beschäftigt, jede Facette dieses Thema kennt, betrachtet oder viele, wo ein großes Teil der Facetten kennt und betrachtet, jetzt ist eine persönliche Frage.

00:34:48: Schmerzt es, zu sehen, wie die Welt wieder rassistischer wird, wie die Welt wieder trennen möchte, wie auf Schwache gezeigt wird, schmerzt es?

00:35:00: Ja, aber das hat mit Lebensbau nichts zu tun bei mir.

00:35:03: Das hat mehr mit meiner eigenen Weltanschauung zu tun.

00:35:06: Auch wenn ich sehe, wie Frauenrechte zurückgedreht werden, keiner schreit auf.

00:35:10: Ich rang hier nicht auf die Straße, das finde ich schrecklich.

00:35:14: Ich fühle mich inzwischen dazu zu alt, muss ich ehrlich sagen.

00:35:17: Oder ich bin auf so vielen Demonstrationen, ich muss da jetzt nicht mehr hingehen.

00:35:20: Aber nicht neue Wege zu finden, wo Widerstand dagegen ist, oder die ganze Asylfrage.

00:35:26: Ich finde, das grauen darf das Menschen im Mittelmeer ertrinken, nur weil sie ein besseres Leben wollen und wir das nie absaufen.

00:35:34: Das Erstaunliches, wenn Sie das so sagen, stimme ich natürlich hundertprozent zu.

00:35:38: Also da stehen wir beide Schulter an Schulter, was diese Weltsicht und was diese Haltung gegenüber die Menschlichkeit betrifft.

00:35:44: Aber wenn man sowas sagt und das habe ich in den letzten Monaten häufiger festgestellt, man kommt sich vor wie ein Außenseiter mit dieser Haltung.

00:35:53: Nein, ich glaube wir sprechen so wenig darüber.

00:35:56: Also ich glaube irgendwie habe ich immer das Gefühl, es gibt jetzt viele Leute, die das nicht in Ordnung finden.

00:36:03: Aber es ist nicht wichtig, wir müssen jetzt irgendwie unser ... Also, Klima ist doch nicht mehr wichtig.

00:36:08: Was ist denn das?

00:36:09: Was ist denn überhaupt noch wichtig?

00:36:10: Mein Portemonnaie?

00:36:13: Ja, aber es ist ja auch ... Ja, das Portemonnaie ist wichtig, aber der Rest ist auch wichtig.

00:36:18: Ja, viel wichtiger.

00:36:20: Wenn wir untergehen, hilft uns unser Portemonnaie auch nicht mehr.

00:36:24: Aber die Leichte, es wäre schön, wenn man, also es gibt zum Beispiel, doch es gibt schon, möchte ich auch ganz gerne erwähnen, fällt mich jetzt auch erst ein, zum Beispiel eine Graphic Novel oder ein Comicbuch von einer französischen jungen Zeichnerin, die der Geschichte ihrer Mutter nachgeht.

00:36:40: Und die Mutter ist ein Norweger Kind.

00:36:42: Und sie macht das zeichnerisch sehr, sehr schön.

00:36:46: finde ich.

00:36:47: Und das ist inzwischen auch auf Deutsch erschienen.

00:36:48: Und das ist zum Beispiel so eine Form von, finde ich, wo es leichter wird.

00:36:53: Da geht es viel um die inner- paar Milliarden Konflikte und die fahren auch nach Norwegen und sonst wie und so.

00:36:59: Und ich finde, die macht das richtig gut und es hat schon eine Form von Leichtigkeit.

00:37:05: Und das hat mir auch sehr gut gefallen und mich sehr beeindruckt, muss ich sagen.

00:37:08: Das glaube ich auch lebensbauen.

00:37:11: Und vielleicht müssen wir einfach andere Medien finden.

00:37:15: Ist die Arbeit, die Sie machen auch eine Arbeit für den Antifaschismus?

00:37:19: Weitestens sind wir sicher, ja.

00:37:22: Und ist das etwas, was wir als Journalisten eigentlich nicht dürften?

00:37:25: Ich frag mich das ganz oft.

00:37:28: Weitestens sind wir.

00:37:29: Also ich meine, es ist ja nicht verboten, eine Haltung zu haben, oder?

00:37:32: Also auch in diesem Journalismus.

00:37:33: Und dann wähle ich mir die Themen aus, die mir wichtig sind.

00:37:37: Also ich kann auch mal was über Kaffee machen.

00:37:38: Aber ja, ich habe auch viele leichte Sachen gemacht, die Anprobe eines Brautkleids zum Beispiel oder so.

00:37:45: Wobei ich das total affig fand am Anfang, aber zum Schluss fand ich das doch bezaubernd.

00:37:50: Das ist doch auch das Schöne, wenn man dann seine Meinung ändert.

00:37:53: Also eine Haltung ist ja nicht verboten.

00:37:55: Wenn man für eine Organisation arbeitet, dann vertritt man auch die Positionen.

00:37:59: Aber eine Haltung, denke ich, ist schon auch wichtig.

00:38:02: Und das heißt nicht, dass man deswegen Partei ergreift, oder?

00:38:06: Ich finde es ganz interessant, darüber mit Ihnen zu sprechen, weil durch Sie jetzt auch das Lebensborn ... Eng verknüpft es mit ihnen und auch größer wird.

00:38:15: Das ist nicht nur Bücher, die sie geschrieben haben darüber, sondern das ist auch Frau Schmitzköster, die eine Haltung mit in die Sache reinbringt, die ja wichtig ist, auch um die Vergangenheit zu verstehen und die Gegenwart zu verstehen.

00:38:28: Hat Lebensborneszeug dazu, auch die Gegenwart zu verstehen, in dem was da in der Vergangenheit passiert ist?

00:38:33: Wenn wir uns damit auseinandersetzen, wenn man ihre Bücher liest, dass man es nicht nur als Blick nach hinten versteht.

00:38:37: Ja,

00:38:37: ja, ich verstehe schon.

00:38:38: Ich weiß es nicht.

00:38:39: Also zum Beispiel, was die Frage der ledigen oder unählischen oder außerählischen Geburt angeht, zum Beispiel, das ist vielleicht in der Ex-DDR anders, zum Beispiel ja, in dem Punkt schon, weil ich erzähle gerade von einer Lesung, die ich in Mainz hatte, das war eine Berufsschule, die hatte mich eingeladen und ich habe davon besprochen, dass eben die außerählische Geburt damals sehr stark diskriminiert wurde und da sind drei Mädchen rot geworden.

00:39:05: Ich habe es genau gesehen.

00:39:07: Und da habe ich gedacht, ja, das Thema ist nicht vorbei, der aussehlichen Geburt.

00:39:11: Es soll eigentlich alles im Rahmen der Bürgerlichkeit und bürgerlichen Gesellschaft bleiben.

00:39:15: Also in dem Punkt vielleicht schon.

00:39:17: Und ja, ich könnte das jetzt weiterspinnen, welches Recht haben, beeinträchtete Menschen zu leben.

00:39:24: Bekomme ich eins oder bekomme ich keins?

00:39:27: Ich weiß es nicht.

00:39:28: Ich will mich da jetzt nicht so weit vorwagen, muss ich Ihnen ehrlich sagen.

00:39:30: Ich weiß es nicht.

00:39:31: Es ist für mich schon rückwärtsschauen, mit den Kolleginnen und Freunden werfen wir das manchmal vor.

00:39:37: Da guckst du immer zurück, guckst nicht nach vorne.

00:39:40: Es ist halt so, das Thema ist über mich gekommen und jetzt ist es da.

00:39:44: Gibt es eine abschließende Frage?

00:39:46: Gibt es etwas?

00:39:47: So eine Art Bundeslade der Lebensbornen, Berichterschattung und Forschung, so das große Geheimnis, wo Historikerinnen nachsuchen und gucken, wo sie nachsuchen gucken, so eine ultimative Geschichte, von der man gehört hat.

00:40:03: Am Anfang habe ich gedacht, ich tue jetzt alles, um herauszufinden, ob es nicht doch eine Zuchtanstalt war.

00:40:08: Das wäre doch der Klopper gewesen, wenn ich das nachweisen könnte.

00:40:11: Ja, ich bin die immer, wenn mir gesagt wurde, der hat mir das erzählt oder da und da hab ich das gehört, bin ich all diesen Spuren nachgegangen.

00:40:18: Es waren nicht sehr viele, aber ein paar schon.

00:40:20: Und es war immer ein Flop, es war immer, ja, hab ich gehört, oder die Frau im Zug hat mir das erzählt oder irgendwie so, also es war nicht ein Ding festzumachen.

00:40:29: Und ich glaube, darum gibt es, um diese Frage ist immer noch ein Gewaber, wobei es ja wirklich so viele Quellen gibt, die das Gegenteil belegen.

00:40:39: Sonst wüsst ich nichts.

00:40:40: Vielen Dank.

00:40:42: Und nochmal Dankeschön, dass Sie bei diesem tollen Projekt mitgemacht haben.

00:40:45: Sie sind auch eine der Gründe, warum dieses Projekt so toll geworden

00:40:47: ist.

00:40:48: Danke.

00:40:48: Danke auch.

00:40:50: Hat doch Spaß gemacht.

00:40:50: Ja,

00:40:51: war toll.

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00:42:06: Vielen Dank fürs Zuhören.

00:42:08: Bis bald.

00:42:09: Disclaimer!

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