alles muss raus - mit Thilo Mischke

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00:00:00: Es gibt jetzt so zwei Art von Journalismus.

00:00:03: Die einen, die Welt retten wollen und die anderen, die sie erklären wollen.

00:00:08: Am Ende bedeutet das, dass du daneben stehst, während sie langsam untergeht.

00:00:12: Du kannst es nur erklären, warum es gerade sehr schwer ist, das aufzuhalten?

00:00:18: Und das ist ja eh schon eine unbequeme Rolle!

00:00:53: Liebe Hörerinnen, liebe Hörere... Ich habe mich mit Stefianc getroffen.

00:00:57: Und zwar zum ersten Mal in echt.

00:00:59: nicht Ich in Deutschland, sie in einem Bunker in Tel Aviv.

00:01:03: Nein!

00:01:03: Wir saßen bei uns im Studio gegenüber und haben über ihr neues Buch geschrieben.

00:01:07: Manchmal würde ich gerne schreien.

00:01:09: Das ist keine Buchklubfolge sondern eine reguläre Folge und zwar aus einem ganz einfachen Grund.

00:01:14: Ihr Buch hilft um ein Verständnis dafür zu entwickeln wie es im Nahe aus Konflikt möglich ist eine Haltung zu entwickeln.

00:01:25: also Wir lesen über ihr Ringen um eine Haltung im Naostkonflikt.

00:01:30: Das klingt total abstrakt, ist es aber nicht.

00:01:32: Denn in diesem Gespräch haben wir darüber gesprochen wie man sich sachlich dazu äußert und nicht sofort verdächtigt wird dass es egal ist was man sagt.

00:01:39: Wie schreibt man über Besatzung und Terror ohne sich vereinnahmen zu lassen weder von der einen noch von der anderen Seite?

00:01:44: Und was hat ihre Kindheit im Zitter oder neunzeiger Jahre damit zu tun das sie überhaupt nach Israel gefahren ist?

00:01:50: Darüber sprechen wir.

00:01:51: Ihr lernt auch tatsächlich wie wir mit dem aktuellen Krieg umgehen können.

00:01:55: Also dieses Buch kann aktueller eigentlich nicht sein und ich habe dieses Buch nicht gelesen, das wird auch thematisiert aber das ändert ja nichts daran dass man sich sehr gut darüber unterhalten kann.

00:02:05: Liebe Höhren, liebe Höhre!

00:02:07: Ich bin sehr davon überzeugt, dass ihr nach diesem Gespräch schlauer seid als vor diesem Gesprich.

00:02:14: Und an dieser Stelle möchte ich einmal ganz kurz noch die auf die Patreon Zeiter hinweisen, die wir haben.

00:02:19: Dieses Gespräch mit Steffi zum Beispiel ist möglich geworden durch Patreon.

00:02:22: Wir haben Steffii nämlich regelmäßig bezahlt für ihre Korrespondentendienste in Israel.

00:02:27: Wir haben ihr ein kleines Honorar zahlen können das sie eben mit mir spricht und das fand ich mega cool!

00:02:32: Und dieses Geld kommt aus unserem Patreon.

00:02:36: Das das möglich ist dass wir noch ein kleineres bzw größeres Korrespondente Netzwerke aufbauen können Ihr möglich und sollt ihr auch möglich machen.

00:02:43: Deswegen freue ich mich über jeden der drei, fünf oder neun Euro Patreon wird und uns unterstützt.

00:02:50: Kleiner Disclaimer!

00:02:51: Das heutige Interview wurde bereits am achtundzwanzigsten März, zwanzig sechs und zwanziger aufgezeichnet.

00:02:57: Redaktionsschluss für die Folge war Mittwoch, der achte April, zwansich sechs und Zwanzig um sehzehn Uhr.

00:03:08: Steffi Henschke sitzt hier Und viele Hörerinnen und Hörern dieses Podcast kennen sie als unermüdliche Berichterstatterin aus Israel.

00:03:17: Wir haben unzählige Folgen eigentlich gemacht, unzähligstens übertrieben aber bestimmt sechs Folgen haben wir zusammengemacht und du hast dein Buch geschrieben!

00:03:25: Manchmal möchte ich schreien, heißt es.

00:03:26: Manchmal würde ich gerne schreen.

00:03:28: Ich will voll das Klammern hier und habe es noch nicht gelesen.

00:03:32: Damit ich auch nicht so vor meinen Höhlen und Höhlern so tue und vor dir nicht zu tun als hätte ich's gelesen, weil man hat sehr häufig eine Interviewsituation, die andere Seite hat es nicht geleset oder von einer Redaktion vorbereitet bekommen ist mega unangenehm wenn man sofort in den Augen die Angst des Schragenstellers sieht.

00:03:45: hoffentlich sagt sie jetzt nichts zurück Aber ich weiß ja, warum es geht.

00:03:51: Ich habe den Titel des Buchs gesehen und die erste Frage ist, wenn du manchmal schreien wollen würdest gerne?

00:03:57: Und dann hab' ich mich gefragt, also willst du jemand anschreien?

00:04:01: Willst du nur laut im Wald schrei'n?

00:04:04: Wer ist das Ziel deines lauten

00:04:06: Schreis?".

00:04:07: Ja, ich glaube so weit!

00:04:08: Also erst mal vielen Dank für die Einladung.

00:04:10: Thielos ist auch sehr schön, dass wir uns mal persönlich liegen übersitzen.

00:04:15: Eigentlich geht es ja um dieses Bedürfnis.

00:04:17: Manchmal ist das einfach so eine Überforderung da, dieser Konflikt ... also der israelisch-palästinensische Konflikte ist sehr, sehr kompliziert.

00:04:24: Ein ganz kompliziertes Element dieses Konfliks ist dass er so emotional aufgeladen ist, dass so viele Menschen so viel darauf projizieren und aus dieser Überforderungen glaube ich würde mich schon manchmal gerne in das Nichts schreien oder einfach alle die sich zu einfach machen den einfach so sagen Nee, so ist es nicht.

00:04:47: Vielleicht würde ich sie einfach anschreien und sagen, seid auch selber ein bisschen leiser und guckt euch das erst mal an?

00:04:52: Was ich sehr bewundenswert finde, dass du in dieser extrem aufgeheizten Situation in der die Konfliktlinie zwischen... Ich bin für Israel oder ich bin für Palästina.

00:05:01: Dass du gesagt hast, ich schaffe jetzt mal einen Buch darüber, dass Du Dich das getraut hast.

00:05:04: Dass Du gesagtest, ich begebe mich mal dazwischen auf die Konfektlinie und berichte drüber.

00:05:11: Warum dattest du...?

00:05:12: Ich krieg das hin.

00:05:13: Ich kann dieses Buch schreiben, ich möchte dieses Buch schreiben.

00:05:16: Dass ich ... Ich wusste dass sich dieses Buchschreiben kann weil ich fünfzehn Jahre im Prinzip mich mit dem Konflikt auseinander gesetzt habe und sehr viel Jahre Vorbereitung gebraucht habe um in eine Rolle zu kommen, der ich für mich, für mein Verständnis souverän meine sachlichen Analysen schreiben kann.

00:05:36: Also normalerweise schreibe ich ja sehr, sehr nüchtern an der Lüsen und ich höre jetzt als Rückmeldung auch zum Buch dass das so ungewöhnlich sei, dass es ebenso persönlich ist wobei ich sagen muss, das Persönlich ist eher ein Versuch, einen Sohn Ich anzubieten, zu sagen, Das ist so mein Zugang zu dem Konflikt gewesen was wäre denn deine?

00:05:52: also das an die Leserin und Leser zurückzuwerfen dass ich quasi sozusagen in der Lage jetzt war, in den vergangenen Jahren immer wieder doch nüchtern zu bleiben und viele Rückmeldungen auch bekommen habe.

00:06:03: Viele Fragen bekommen habe wie ich das mache?

00:06:05: Wie mir das gelingt hier präzise das so bewerten zu können und da aber vielleicht eine ganz andere Bewertung zu treffen.

00:06:13: auf Basis dieser Erfahrungen war mir dann irgendwann klar okay macht eigentlich Sinn auch das mal als Werkstattbericht vielleicht aufzuschreiben.

00:06:19: die bin ich dahin eigentlich gekommen.

00:06:21: was kann man daraus lernen Im Sinne von, was kann ich vielleicht so noch mal über die ganz klassische Berichterstattung hinaus mitgeben?

00:06:29: Weil mein Gefühl war schon das ist ein Bedürfnis.

00:06:32: Ehrlich gesagt wirklich gibt nach mehr nüchternen Perspektiven und eine nüchterne Auseinandersetzung Mit dem Konflikt Genau Und dann ließ sich das halt eigentlich mehr aus der Hüfte schütteln.

00:06:43: Das Buch weil wie gesagt diese ganzen Erfahrungen gesammelt hat und die Gedanken hatte ich alle schon Mal.

00:06:48: Glaubst du man versteht es besser was dort passiert wenn man über dich kommt Also wenn man über dich, über Steffi, die über die man liest in diesem Buch einen Zugang zu diesem Konflikt bekommt.

00:06:56: Also glaubst du das?

00:06:57: ich ist besser geeignet um mit diesem konflikt sich auseinanderzusetzen als nicht wissender oder interessierter?

00:07:03: Das weiße... also ich hoffe dass es auf jeden Fall eine neue Möglichkeit sein kann.

00:07:09: Dass sie sozusagen anzubieten eigentlich ist ja ein Versuch der Transparenz.

00:07:12: Es ist kein Versuch zu sagen nur Ich weiß es Jede Person, die ein Buch zu dem Konflikt schreibt hat ihre Perspektive.

00:07:20: Ich habe immer das Gefühl gehabt wenn ich mir Bücher zum Naos-Konflikt, zum israelisch-palästinensischen Konflik ganz konkret kaufe kriege auch immer einen Narrativ.

00:07:28: Es ist ja unmöglich?

00:07:29: Ja und es ist immer dass sich mit verschiedenen Büchern gekauft haben, die bisschen gegeneinander abgewogen haben.

00:07:35: dann hab' ich für den einen Teil da hingeguckt und für den anderen da.

00:07:38: und im Prinzip wie gesagt das ist ein Versuch zur Schatzsagen.

00:07:42: Ich verstehe, warum es schwer ist, richtige Bücher zu finden.

00:07:45: Als ich angefangen habe mich damit auseinanderzusetzen, habe ich auch nur verschiedene Bücher lesen

00:07:49: müssen.".

00:07:50: Das bietet mein Buch und das sagt meinen Buch.

00:07:52: Und das ist gedacht für Menschen die erstmal grundsätzlichen Interesse schon an Israel haben.

00:07:58: nicht nur sozusagen einem israelisch-palästinensischen Konflikt Schmälert ja vielleicht schon mal die Leserschaft.

00:08:06: Das ist

00:08:07: leider so, aber das ist bei der Berichterstattung genauso.

00:08:10: also du hast die Umfragen anguckst.

00:08:12: es gibt einfach so.

00:08:13: ich glaube dass sozusagen vielleicht fünfzig Prozent derjenigen grundsätzlich, die vielleicht von einer Altersgehorte in Frage kämen, interessieren sich dafür.

00:08:21: Und fünfzig Prozent interessieren sie vielleicht dafür?

00:08:23: grundsätzlich nicht genau so wie sich fünfzig prozent der Deutschen laut letzten Umfragen sagen wir müssen nicht mehr über den Holocaust reden.

00:08:29: So alle, die das sagen, glaub ich, interessiert sich auch nicht für Israel und das ist aber in meiner Arbeit schon immer mit drin gewesen, das mit zu bedenken.

00:08:37: Woher hast du das Selbstbewusstsein dann zu sagen benutzt es ich?

00:08:39: Und macht mich damit auch angreifbar?

00:08:42: Ich glaube, angreifbar macht man sich ohnehin, wenn man in dem Konflikt irgendwie arbeitet.

00:08:45: Das ist was von Anfang an...

00:08:47: Auch in der Analyse?

00:08:48: Ja!

00:08:48: Es geht ja immer... Wenn du

00:08:50: jetzt für die Zeit schreibst und eine Analyseschreibung ganz sachlich darüber schreibest, machst du dich trotzdem angreiftbar?

00:08:54: Ja also das Sachliche ist viel einfach zu wenig.

00:08:58: Also das ist eines der größten oder lautesten Vorwürfe, die eigentlich regelmäßig kommen, dass darf nicht nur analysiert werden, es muss bewertet werden.

00:09:06: Das kann man nicht nur so aufschreiben Das muss verurteilt werden.

00:09:11: Und ansonsten ist in der Auseinandersetzung mit dem israelisch-palästinensischen Konflikt, leider finde ich es ein besser Wisserkonflikt.

00:09:21: Wer weiß am meisten ...

00:09:22: Es war auch ein häufiges Argument.

00:09:25: Nach dem sieben Oktober, wenn die ersten kritischen Stimmen kamen, als man darüber debattierte, du warst ja noch nicht mal da.

00:09:30: Das war das erste Totschlagargument.

00:09:32: Ich wollte nicht unterbrechen, ich wollte sagen nur dass ich dir zustimme in dem Punkt.

00:09:36: Aber doch eine weitere Unterbrechung noch weil du sagst dieses das sachliche muss bewertet werden.

00:09:43: Ich habe das Gefühl es ist ein grundsätzliches Problem des gegenwärtigen Journalismus.

00:09:47: Ich weiß nicht, ob es ein journalistisches Problem ist oder ob es eine Erwartung ist der Leserin und Lesern weil wir einfach irgendwie zu viele Informationen nicht mehr über klassische journalistische Zugänge bekommen.

00:09:56: Aber es gibt auf jeden Fall das Bedürfen auf Seite der Rezipienten oder auf Seite eben der Leserin und Leser dass es eine stärkere Bewertung immer braucht.

00:10:03: Wie bewertest du das?

00:10:06: ich verstehe was.

00:10:07: wir haben uns ja teilweise mit Phänomen mit Entwicklungen zu tun.

00:10:11: wie soll mir die sachlich bewerten?

00:10:12: wie soll ich denn eine sachliche Einordnung dazu schreiben?

00:10:15: Donald Trump offensichtlich sich mitentschieden hat, das iranische Regime anzugreifen ohne vielleicht mitzubedenken was mit der Straße von Homus passieren würde.

00:10:24: Wie sollen wir das?

00:10:25: Ich finde es wirklich so... Wir können dann Sachen sagen die plausibel klingen aber die erklären ja eigentlich nicht wie die Dramatik.

00:10:34: Hat man dir vorgeworfen aus den Kreisen der Berichterstattung, dass du das ich gewählt hast?

00:10:39: Hast du irgendwas gehört und gesagt, es ist ein Konflikt, der sich nicht eignet mit dem Ich zu arbeiten.

00:10:44: Gar nicht.

00:10:45: Das liegt daran bisher, dass dieses Titel beruht ja auf der Überschrift über eines Essays, was ich vor mittlerweile fast zwei Jahren geschrieben habe ... Das

00:10:55: war eine Frankfurt-Allgemeinen

00:10:56: Sonntagszeitung genauer.

00:10:57: Es war ein halbes Jahr nach dem siebten Oktober und da hab' ich einfach nur geschrieben wie sich meine Arbeit als Auskaufspondent verändert hat Und es hat einfach sehr, sehr positive Wellen geschlagen.

00:11:07: Was mir wichtig ist ja auch dieses Ich das ist nicht wie gesagt kein Versuch zu sagen nur ich weiß es sondern ein Angebot zum Machen an alle Dänens vielleicht irgendwie ähnlich geht

00:11:18: und Dieses Ich hat ja auch eine Geschichte und der Erzählperspektive zB du kommst aus dem Osten

00:11:24: Das stimmt!

00:11:24: Genau das ist nochmal der Versuch der Transparenz würde ich aber auch sagen Ja

00:11:28: Spürt es ne Rolle dass Du ausm Osten kommst?

00:11:29: Wie sind Dein Blick Wenn du aus dem Osten kommst auf Israel, ist der ein anderer Blick als der bundesrepublikanische Blick?

00:11:36: Meiner Wahrnehmung nach schon.

00:11:38: Mir fällt natürlich auf oder was mir immer wieder auffällt in der Auseinandersetzung mit zum Beispiel innerisraelischen Problemen also der innenpolitischen Spaltung und der Tatsache dass es halt radikale Kräfte gibt das es teils diese rechtsextremen Kräften gibt die ultraautodoksen die sich nicht in der Armee beteiligen, diese ganzen Spannungen.

00:11:59: Dass mich manchmal wenn ich mich mit anderen Menschen unterhalte, die vielleicht irgendwie in Westdeutschland aufgewachsenen, die sich darüber auf eine Art und Weise beschweren, wo ich mal denke wie seid ihr denn aufgewachsen kennt?

00:12:09: In einer ideale Welt?

00:12:10: weil ich kenne sie nicht so.

00:12:12: Ich kenn für mich war es halt immer anstrengend und das war immer ein Aushandeln mit Gruppen, dem man nicht zustimmt um indem man sich eigentlich nicht an den Tisch setzen möchte aber die eben immer da sind.

00:12:23: Also ich hatte ja in den letzten Tagen immer Wiederlesungen auch im Osten und dann habe ich halt auch gemerkt, man ist so grundsätzlich ein bisschen vorsichtiger mit wem man im Raum sitzt was man sagt gerade in kleineren Städten vielleicht oder in Städte, wo klar ist, da kommen immer nur dieselbe Gruppe Menschen zu Veranstaltungen.

00:12:44: Du musst ja wieder mit denen zusammensetzen.

00:12:47: und das ist halt was ich in Israel sehr oft sehe, dass zum Beispiel wenn wir uns fragen warum machen die Israelis das?

00:12:52: Oder warum machen sie jenes?

00:12:55: es gibt schon so eine ganz oft einfach eine Alternativlosigkeit oder vielleicht ist es von außen diese Vorstellung sich das ideale Land schon haben kann.

00:13:05: Ich weiß nicht, ob das vielleicht die Bundesrepublik in den Seventigern war oder so aber...

00:13:09: Ich finde es interessant dieses der Traum vom idealen Land.

00:13:11: Genau!

00:13:12: Das ist ja eigentlich haben das Israel und die DDR gemein weil die BRD hatte das nicht diesen Traum.

00:13:18: Die BRD hat in den sechzigern und siebzigern meines Erachtens nach nur den Traum von der perfekten Wirtschaft.

00:13:24: Das war ja total marode, dieses Land im Kern.

00:13:27: Moralisch total kaputt mit den nicht richtig abgearbeiteten Prozessen nach dem Zweiten Weltkrieg.

00:13:35: Es war irgendwie so strange statt Peter Alexander aber dein Schulleiter war eigentlich noch

00:13:41: Nazi.

00:13:41: Für mich ist es glaube ich... Im

00:13:42: Osten war das eben nicht so!

00:13:45: Aber ich würde eher sagen dass man in Westdeutschland schon Na ja, diejenigen sozusagen mit denen man dann trifft später, die kommen eher aus einem akademischen Umfeld.

00:13:55: Die Eltern haben schon studiert.

00:13:57: Die haben vielleicht auch Politikwissenschaften studiert wie vor allem... Ich stelle mir das halt immer nur so vor.

00:14:05: aber die Eltern vielleicht schon studieren auch was sozial- wissenschaftliches und postmodernes schon gemacht mit denen sich man wirklich intellektuell austauschen kann Und Kritik sein kann.

00:14:17: Zivilgesellschaft, ne?

00:14:18: Es gibt irgendwie eine Kritik gegen oder es gibt ein Atomkraftwerk was man abschaffen möchte.

00:14:22: dann geht man mit den Eltern auf die Demo in der Kleinstadt in Westdeutschland und richtig viele Menschen kommen und Bürgerbewegungen haben Erfolg.

00:14:30: Zivigesellschaft hat einen Erfolg.

00:14:32: das sind so Dinge die ich jetzt zum Beispiel halt nicht kenne.

00:14:36: Also wenn in Dresden im Rahmen des thirteenthen Februars immer wieder Neonazis aufmarschierten, um an die Bombardierung durch die Alliierten ins Wurden Weltkrieg sozusagen um das zu mahnen, wie schlimm das doch war.

00:14:48: dann war es schwierig in Dresten Leute erst mal auf die Straße zu kriegen teilweise oder Bündnisse zu schaffen.

00:14:53: Dann hattest du dir die Antifa den schwarzen Blog auf der einen Seite und dann hatteste irgendwie eine CDU-Landesregierung, die sich da aber nicht mehr zustellen wollte.

00:15:02: Es gab überhaupt nicht die Möglichkeit, eine gemeinsame Gruppe zu schaffen.

00:15:06: Zu sagen wir sind gegen diese extremen Rechten, die hierher kommen.

00:15:11: und gleichzeitig hast du aber im Weser schon hattest du ja dieser Art von Nazis?

00:15:15: Du hattst es nicht dass irgendwie zehn, fünfzehn, zwanzig tausend Neonazis plötzlich in einer der größten Landeshauptstädte kommen und dieses Stadt für sich da irgendwie reklamieren und vom Bombenhologaust spartonieren.

00:15:25: Was du halt hattest, ist der ganze Gegenprotest.

00:15:27: Mir ist es so richtig aufgefallen, dass ich in Hamburg studiert hab und Pegida losging.

00:15:31: Pegida ging ja auch in Dresden los.

00:15:33: Und in Hamburg ... In Dresdien hattet ihr halt irgendwie Zahl X die zu Pegida gerannt ist... ...und in Hamburg hatten wir halt irgendwie Fünfzigtausend, die gegen Pegida protestierten haben.

00:15:42: So!

00:15:43: Ich weiß nicht, ob's Fünfzichttausende waren?

00:15:44: Aber der Ganze alles um die Alste rum, das weiß ich noch war voll.

00:15:47: Da habe ich so gedacht ... Das ist für mich so Westdeutschland, dass du halt einfach ... Du kannst dich auf die Zivilgesellschaft verlassen Und vielleicht ist das der Unterschied, wenn ich ja sozusagen in einer Ostberichterstattung bin.

00:15:59: Dass ich manchmal denke so wie... Es ist eben nicht überall so dass man sich das eine Zivilgesellschaft so ist vielleicht wie wir uns das wünschen.

00:16:08: und was man sich von der israelischen Zivil-Gesellschaft zum Beispiel erwünscht, ist dass sie etwas gegen die Besatzung unternimmt, dass sie sich für die Rechte der Palästinense einsetzt.

00:16:17: Das ist natürlich wichtig weil nur die israelische Gesellschaft könnte es eigentlich tun.

00:16:21: Und gleichzeitig, das zeige ich ja auch in einem Buch.

00:16:23: Weil ich es halt so auch erlebt habe, sind genau diejenigen teilweise, die was tun könnten und die vielleicht auch politisch so eingestellt sind, die zum Beispiel gegen Diamesen, die ganz viel Kritik haben an Netanyahu oder an der Politik sagen selber... Das war schon vor dem siebten Oktober so?

00:16:40: In der Auseinandersetzung mit den Palästinenseinheiten sich zurück ist die zweite Intifada noch zu präsent.

00:16:45: Sie haben Angst!

00:16:46: Sie wollen nicht So und das ist glaube ich vielleicht meine ostdeutsche perspektive diese layers mit zu bedenken.

00:16:52: so warum gehen leute vielleicht nicht auf die straße?

00:16:54: warum halten sie sich da zurück auch wenn die gründe andere sind?

00:16:57: ja von bist du überhaupt zwanzig zwölf nach israel gegangen?

00:17:00: also was ist für dich der anlass gewesen dieses land von den hundert siebenund neunzig oder so dies auf der welt gibt zu wählen und sagen hier will ich hin

00:17:07: tilo hast du das buch nicht gelesen?

00:17:10: aber man habe die zahl richtig gesagt.

00:17:12: sehr gut

00:17:12: jahre steht ja auch nur dreißig tausendmal darin.

00:17:15: Ich habe sie auch nur hier im Zettel ganz groß nochmal stehen.

00:17:17: Nein, hab ich nicht.

00:17:18: Nee, ich war tatsächlich am Urlaub da.

00:17:20: Ich war am Studium mit der Zwanzig und... Es war echt hardcore banal, ne?

00:17:25: Wir waren vorher in der Medaille gefreundet und wir waren in der Türkei.

00:17:28: In Istanbul... ...zwar ja noch so Arabischer Frühlinge und auch in der Turkei in Istanbul gab es diese ganz großen Proteste.

00:17:35: Und ich dachte damals als angehende Journalistin und Politikwissenschaftlerin ist das richtig interessant quasi einen Urlaub zu fahren aber gleichzeitig halt ein bisschen Wissen zusammen und zu gucken wie möchte ich mich eigentlich beruflich orientieren also... keine Raketenwissenschaft auf diesen Gedanken zu kommen.

00:17:50: Aber damals dachte ich so, das macht aber Spaß!

00:17:52: Das finde ich cool.

00:17:53: und ja... Und dann bin ich irgendwie so ein Foto von einem Bekannten die damals in Praktikkommentell erwieft machte.

00:17:58: So'n Foto gesehen israelische Flagge der Strand.

00:18:01: Da war irgendwie alles drin.

00:18:02: Ich dachte so, ah diese Flagge, die kenne ich doch irgendwo her?

00:18:04: Von irgendwelchen WG-Zimmern in der Dresdner Neustadt, von irgendwelche Anti-Nazi-Protesten irgendwie so in Bautzen oder sonst wo.

00:18:13: Interessant, so.

00:18:15: Dann halt der Strand, denkst du okay, kann man sich auch vielleicht mal Entspannen.

00:18:19: Aber es war sozusagen mein erster Blick, das war wirklich dieses... Ich kenne noch die israelische Flagge irgendwo her aus meiner Nachwende Nuller Ost-Lufachsen und das.

00:18:30: Und das war mir erst mal genug!

00:18:31: Ich pieke

00:18:31: da kurz mal rein mit diesem Israel-Flage früher.

00:18:35: Warum war links sein früher stärker verbunden?

00:18:38: Mit einer Verbindung zum Staat Israel?

00:18:41: Heute habe ich das Gefühl ist ein riesiger Konflikt darüber.

00:18:44: ausgebrochen, nicht.

00:18:45: das Gefühl ist nachlesbar und sichtbar.

00:18:48: Dass links sein, dass er bedeutet sich gegen Israel aufzulehnen.

00:18:52: Wo hat sich da was verändert?

00:18:54: Na es war ja immer Projektion.

00:18:55: also in dem Buch erkläre ich das so ein bisschen aber von der ganz argen Außenperspektive weil ich auch nie Aktivistin selber war.

00:19:02: Aber wenn wir heute ja dieses Stichwort von Anti-Deutschen reden, und ich habe jetzt in den letzten zehn Tagen auch viel mit Ost-Linken gesprochen.

00:19:12: Millennials, Ost-Millennials.

00:19:13: Also

00:19:14: ihr beide?

00:19:14: Ja genau.

00:19:15: aber die, die in der Linken aktiv sind also in der Partei, die eben sagen von sich selber naja es war halt einfach eine Abgrenzung.

00:19:23: erstmal zur DDR ja auch ganz viel.

00:19:26: Die DDR war antiimperialistisch gegen Israel.

00:19:31: Also, Honecker hat irgendwie so kurz verschluss seine Position wohl nochmal geändert weil er gerne ins weiße Haus eingeladen werden wollte, wie mir ein leipziger Bürgerrechtler jetzt nochmal die Tage auch noch mal erzählt hat.

00:19:42: Und dann war das auf einmal auch, dass die ganzen Kontingenten sogenannten Kontingendflüchtlinge dann auf einmal schon reinkommen durften... Das

00:19:50: sind die, die jüdisch waren zum Beispiel in der Sowjetunion?

00:19:53: Genau!

00:19:54: Das hat Horniga noch mal so kurz verknappert und seine Position dazu geändert.

00:19:57: aber er hat halt auch Syrien mit Waffen unterstützt, Israel war Teil des kapitalistischen Westens Und es gab ja auch keine wirkliche Aufarbeitung und Erinnerungskultur in der DDR.

00:20:07: In der DDR, weil man ja eher quasi so ... Also ich hab's im Buch schreibe, wir haben vom sozusagen geknächtet.

00:20:13: Ich will gar nicht hier an dieser Stelle zu sehr ins Buch gehen aber worauf ich hinaus möchte ist, du hattest eine super falsch verfrämte Erinnerungskultur in die DDR.

00:20:23: dann hast du halt diese Nachfrage... Kann ich da

00:20:25: kurz nachfragen?

00:20:26: Was das heißt wenn du das sagst?

00:20:27: Nein, ich kann jetzt noch mal ein Buch zeigen dass du ja nicht gelesen hast.

00:20:31: Manu!

00:20:33: Aber guck mal, wir machen für die Hürre und Hürra das total nachvollziehbar.

00:20:37: Normalerweise würde ich dann sagen ja hab' ich gelesen, brauchst du nichts daraus fort?

00:20:39: Brauch's nicht sagen!

00:20:40: Ja aber die wichtigste ist ja, dass die Leserinnen nicht denken, das Buch sei nicht gut und es würdest du nicht lesen.

00:20:45: Das hat

00:20:45: er weiß... also

00:20:47: Ich bin auch eine solche Frau, ich bin immer ganz unsicher, was soll ich sagen?

00:20:50: Entschuldigung, da muss man das rausschneiden Nein.

00:20:53: Also, ich beziehe mich hier noch mal auf Sebastian Vogt, Historiker der ganz tolle Sachen schreibt und in den Erinnerungskultur der SED, der Marxistisch-Leninistischen Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands die Menschen in der DDR zu einem vom sogenannten amerikanischen Imperialismus geknächteten und kolonialisierten Volk gemacht und der Nationalsozialismus zur Verschwörung einer kleinen Gruppe von Kapitalisten.

00:21:23: Also so wurde das in der DDR erzählt.

00:21:24: Im Prinzip kann man auch sagen, die Juden waren sozusagen selber schuld daran.

00:21:28: eigentlich weil das ist dieses ganze, die Kapitalisten und die Elite hat sich das alles nur ausgedacht... Ich fürchte,

00:21:33: dass mein Vater dir radikal widersprechen würde.

00:21:35: als Ostdeutscher, der sich mit diesem Thema sehr stark auseinandergesetzt hat Und ich kenne glaube ich auch einige, die jetzt sagen, das ist Quatsch!

00:21:40: Aber man kann natürlich das als Punkt haben und ich bin nicht mein Vater.

00:21:44: Deswegen, ich höre dir nur aufmerksam zu Weil ich hab dann woher nicht gelesen sondern muss jetzt einfach das nur hören.

00:21:48: Aber was wäre denn der

00:21:49: Widerspruch?

00:21:51: Ich kann mir vorstellen, ich zitiere jetzt mal meinen Vater ohne zu wissen wie er das ist.

00:21:53: Er würde sagen dass es schon zum Beispiel eine sehr ausgeprägte Gedenkstätten-Kultur gab.

00:21:59: Immer nur für die Kommunisten, die gelitten haben und nie für die Juden.

00:22:04: Das ist relativ nachgegeben.

00:22:07: Es ging immer um die Kommunistinnen.

00:22:08: Wenn sie Juden waren dann war's auch bei dem mit dabei aber der Fokus lag auf kommunistischen Opfern.

00:22:12: Okay, dann kann ich da als ein der Stelle nicht übersprechen und auch

00:22:14: meinen Vater

00:22:15: direkt zu zitieren.

00:22:16: Also vielleicht vereinfache ich jetzt hier auch aber ich glaube wir kommen auch da... Familie aus einer anderen Perspektive.

00:22:21: so meine Familie war ja extrem gegen die Stasi.

00:22:23: also so ähm Das schreibt das auch im Buch.

00:22:27: Wir haben Verwandtschaft, die in Bautzen zwei war und da spielt halt auch noch mal eine Rolle.

00:22:32: Auf jeden

00:22:32: Fall!

00:22:32: Also ich will jetzt hier an der Stelle noch nicht sein dass meine Familie große Stasi der Schütze war.

00:22:35: Meine Großmutter kann man sich in der German-Gild-Doku angucken.

00:22:39: Die war auf jeden Fall kein Feind der Staatssicherheit.

00:22:42: Aber ich finde es ganz gut, dass wir trotzdem sozusagen dieses Thema ist der Perspektive so ein bisschen... Ja voll

00:22:47: weil das ist ja auch... Ich glaube Das ist ungewohnt für die meisten Hörer, dass man diesen Blick auf den Konflikt hat.

00:22:54: Ich kann mich daran erinnern ... War an Armbots-Tischdiskussion gegen Israel?

00:22:59: Deine Oma, die bei der Stasi sehr bekannt ist... Siehst so!

00:23:02: Ich möchte an dieser Stelle noch mal betonen, dass sie als Auslandsagentin gearbeitet hat in der Bundesrepublik Deutschland.

00:23:07: Die Stasi bespitzt ihre Nachbarn.

00:23:09: Trotzdem wäre es schwierig, wenn ich dich mit nach Hause nehmen würde.

00:23:13: Aber ich selber ... war nicht bei der Straße.

00:23:16: Nein, ich weiß

00:23:16: aber so lange wirkt es nach... Also Anne Rave hat da ganz toll in ihrem die Möglichkeit von Glück drüber geschrieben eigentlich wie lange das noch nachwirkt.

00:23:23: also dass ist halt auch sozusagen in bestimmten ostdeutschen Familienkreisen glaube ich sehr nachtragend ist.

00:23:28: Auf jeden Fall!

00:23:29: Kann ich das halt

00:23:29: vorstellen?

00:23:30: Ich kann dann immer nur argumentativ sagen Das ist für meine Großmutter wirklich um die protestantische Kirche ging hauptsächlich und das ist ihr glaub ich auch.. Also ich ihr einfach authentisch abnehme dass sie für dieses System gelebt hat.

00:23:43: Also ich kann das nur, aber das heißt nicht dass ich für dieses System kämpfe und natürlich

00:23:46: so... Ich finde es auch glaube ich, also ich glaube das ist aber der interessante Punkt hier, wenn wir zum Beispiel über die da auf diesen Konflikt drehen oder wenn wir darüber reden was bedeutet souverän in diesem konflikt zu gehen ganz oft gibt es ja den vorwurf dass man zb pro israelisch sei aufgrund der eigenen Geschichte.

00:24:05: oder was haben die Urgroßeltern und Großeltern gemacht.

00:24:08: Und bei mir war es so, ich war mit meiner Identität immer super gut im Klaren und im Rhein.

00:24:12: Weißt das, dass meine Urgroßeneltern-Generation ist?

00:24:14: Meine Urgroßeväter ... Dass das Dinge sind, die ich mit meinen Großvätern schlecht besprechen konnte, weil sie halt alle geboren wurden in der Zeit des II.

00:24:24: Weltkriegs.

00:24:24: Also sozusagen mit ihnen über ihre Eltern zu reden, war einfach richtig schwierig.

00:24:29: Sie haben ja Kindheitserinnerungen aber... Ich weiß halt sozusagen, was den Urgroßvettern dann unter russischer Besatzung passiert ist.

00:24:38: Aber auch zum Beispiel, dass meine Familie mütterlicherseits sich einfach sehr gegen die Stasi war und da gelitten hat... Das will

00:24:46: ich nicht absprechen, das weißt

00:24:47: du?

00:24:47: Nein, aber das mein ich mit dem sozusagen in dieser Auseinandersetzung.

00:24:51: Also dadurch, dass es halt auch das DDR-Regime ging als ich geboren wurde und dass das bei uns zu Hause noch sehr lange verhandelt wurde.

00:24:59: Was bedeutet es, aufrecht zu sein?

00:25:01: Also der Bruder meines Opas ist halt ins Stasi gefängnisgegangen.

00:25:05: Weil er halt Westmusik gehört hat, so was mal ganz kurz gesagt.

00:25:09: Und in Zittau da wo ich aufgewachsen bin, da sind neunzehnt achtundsechzig die Panzer der DDR aufgerollt um den Prager Frühling niederzuschlagen und mein Opa hat mir das immer wieder erzählt wie die Panzern vor seinem Haus vorbeigefahren sind.

00:25:22: Und was er dafür eine Gänsehaut hatte weil es war nur zwanzig Jahre nach dem Zwitten Weltkrieg war ein deutsche Panzer dabei, in die Czechoslovakie einzumaschieren oder einzurollen.

00:25:33: Und damit aufgewachsen zu sein hat mir halt irgendwie ... In dieser Komplexität sozusagen hat es leichter gemacht wo ich dir ohne mich vielleicht sozusagen in irgendeinem politischen Dogma verorten zu müssen macht das Sinn?

00:25:46: Das macht Sinn.

00:25:47: aber du bist tatsächlich.

00:25:48: ich glaube sich damit auseinanderzusetzen liegt auch daran dass du im Konflikten aufgewachsen bist und zwar in so staatspolitischem Konflikt Also eben genau das, was du gerade erzählt hast mit der Prager Frühling, der wiedergeschlagen werden sollte durch die Volksarmee.

00:26:02: Also die rübergegangen ist und ja ich habe gar kein weiteres Publikum.

00:26:08: Ich hatte halt dann das Glück, dass in meiner Familie, vielleicht auch meinen Opa oder meine ... Dass die einfach sehr aufrecht standen im Kontext dieser DDR-Situation und der DDR-Regime.

00:26:20: Und da einfach wir da eine sehr klare gute Haltung mitbekommen haben diesbezüglich.

00:26:25: Und dass ein jüngerer Konflikt ist als der Zweite Weltkrieg.

00:26:29: In dem Sinne, also das kam mir danach.

00:26:31: Sehr klar!

00:26:31: Und ich für mich immer gedacht hab, es ist wichtig... Ganz banale Dinge, Meinungsfreiheit.

00:26:37: Gucken das du Demokratie hast, gucken dass es eine Diversität an Meinungen gibt, das unterschiedliche Stimmung hat.

00:26:41: Das klingt total banal vielleicht aus einer anderen Perspektive aber weißt das mein Opa?

00:26:46: Ich glaube in oneinzehntneunzig waren die das erste Mal auf der Tourismus-Messe in Berlin und da hatte der Deutschlandfunken stand und er ist dahingegangen und hat dem Mitarbeiter gesagt wie dankbar ihm für die Berichterstattung, dass das sein Zugang zur Welt war.

00:27:01: Das war sicherlich nur ein Werbemann, der da vom Deutschlandfunk stand.

00:27:04: Der hat das gar nicht verstanden!

00:27:05: Aber genau... Aber

00:27:06: sagt viel?

00:27:07: Sagt viel, finde

00:27:08: ich.

00:27:08: Aber gut, du warst im Urlaub.

00:27:09: Das heißt noch nicht, dass du dann sagst, ich will da leben.

00:27:11: Wann kam dieser Punkt?

00:27:12: Der Punkt dazu zu leben, der kam gar nicht so richtig von mir.

00:27:15: Also ich bin erst mal dahin und es gibt so zwei Gruppen von Menschen, glaube ich die nach Israel fahren.

00:27:20: Die Einsagen Gottes Willen erfahre ich nie wieder hin und die Grenzkontrollen, die man erlebt sind eben teilweise sie sind sehr übergriffig Sie sind sehr persönlich, sie sind rassistisch Und die Argumentation ist immer... Ich kenne auch viele, die das halt dann wiederum sagen Das muss so sein weil es einfach immer die Befürchtung gibt vor Terroranschlägen, Terroristinnen und Terroristen Weil's halt historisch eben dass auch immer wieder gab.

00:27:39: Aber was muss man halt aushalten?

00:27:40: Man muss sich dafür entscheiden.

00:27:42: will ich das noch mal haben oder kann ich damit umgehen?

00:27:45: Du wirst

00:27:45: jetzt stark kontrolliert werden, wenn du wieder zurück nach Israel kriegst.

00:27:47: Was denkst du?

00:27:48: Ja, ich denke schon auf sich aber wie gesagt... Also da spielt so eine ganz große Frage rein ist Israel die einzige Demokratie im Nahen Osten.

00:27:56: Ich würde immer sagen wie Eva-Lews ist das demokratischste Land im Nahe Osten.

00:28:01: Aber es natürlich kann ein Land dass sozusagen gleichzeitig Besatzungsmacht ist und Gebiete besetzt in den Militärrecht gilt Kann nur bedingt demokratisch sein.

00:28:11: Das war nie Spanien oder das war nie Italien, oder England aber bei anderen Ländern haben wir es ja auch.

00:28:18: wenn wir heute in die USA reisen leisten ja offensichtlich alle ihre Social Media Accounts und vorher hattest du vor dieser Trump-Administration musstest du ja auch schon relativ viel angehen bevor du in den USA eingereist bist.

00:28:29: also ist jetzt nicht unique Israel.

00:28:31: Anywhere.

00:28:32: der Punkt ist sozusagen dass es manche gibt die glaube ich danach einfach nicht mehr hinfahren.

00:28:35: denen ist es doch zuviel was sie da sehen.

00:28:37: und andere kommen immer wieder.

00:28:39: Und ich war schon eine von denen, die immer wieder gekommen ist.

00:28:41: Weil ich je länger... Also immer wieder wenn ich da war, ich habe glaube nicht verstanden wie das so sein kann dass auf der einen Seite so glitzert es mehr und die Leute in Tel Aviv genießen das Leben und auf der anderen Seite hast du aber überall Mahnmale für Attentate der zweiten Intifada, die damals nur zehn Jahre her war.

00:28:58: Du hast diese Busse, die da rumfahren.

00:29:00: Die genauso aussehen wie irgendwie in alten Zeitungsberichten nur dass die Busse die vor dir fahren jetzt alle noch intakt sind und die auf den in den Zeitungs Berichten sind halt alle explodiert und überall liegen leichen Teile rum.

00:29:10: Dass das alles so da passiert ist ich habe dann wirklich gedacht kann es nicht fühlen.

00:29:15: also Ich sehe weiß dass das hier passiert ist.

00:29:17: aber was ich gefühle ist Leichtigkeit.

00:29:19: Ja Das passt nicht zusammen Und am wenigsten passt es zusammen, wenn man weiß sozusagen das ist ja auch noch eine andere Seite gibt.

00:29:25: Dass es die palästinensischen Gebiete gibt, dass in dem kommt sagen wir mal bringt es auf nichts von Palästina zu reden weil ich kann nur euch rede vom besetzten Westjordanland nicht vorm Gaserstreifen.

00:29:35: In Gaser Streifen war ja damals schon sehr schwer auch einzureisen.

00:29:38: ins besetze Westjordernland konntest du ja aber einfach hin und rüber als Touristinnen mit einem Touristen wie so.

00:29:45: Das habe ich dann halt auch gemacht.

00:29:48: Wenn du dann das erste Mal wieder zurückkommst nach Tel Aviv, ist halt nichts mehr leicht.

00:29:51: Das fühlt sich einfach irgendwie alles nur noch falsch an und unpassend?

00:29:55: Irgendwie so... Also mein Gefühl war damals zum Beispiel dieses Duschen am Strand.

00:30:01: Du hörst halt in Ramallah also und du siehst es auch dass deine ganz krasse Wasserknappheit herrscht.

00:30:05: Dass teilweise so einmal neben den Toiletten stehen falls mal wieder das Wasser fehlt, dass man halt die Spülung nutzen kann.

00:30:11: und dann fährst du halt zurück und gehst in Tel Aviva und hast halt alle dreihundert Meter oder zweihundert Deine Strandduschen, das Wasser glitzert und sprudelt da und fließt in den Sand.

00:30:20: So, Klammer auf, schreibe ich auch im Buch so tatsächlich mit Klammern auf.

00:30:24: Ein paar Jahre später habe ich erst dann herausgefunden dass es ja alles Aufbereitetes Abwasser ist Und nicht Trinkwasser was irgendwo anders fehlt.

00:30:32: Aber die um diese Layers sozusagen... Es war mir einfach am Anfang der Kontrast war so extrem.

00:30:37: Das dachte ich irgendwie.

00:30:39: vielleicht ist das auch wieder so ein bisschen.

00:30:40: Ich will mich damit nicht abfinden dass das alles ist

00:30:43: Ja aber warum machst du dir das Leben dann so schwer?

00:30:45: Das ist ja interessant.

00:30:47: Aber trotzdem, du hast das Leben hier also dahin zu gehen, die bewusste Entscheidung... Ich mache mir das Leben schwer.

00:30:54: Als beruflich, weil du legst also beruflig und privat auch.

00:30:57: Also es ist kein einfaches Leben vor Ort.

00:30:58: Du lebst eigentlich in einem ständigen Krisen- und Kriegsgebiet.

00:31:01: Dann gibst du dich in den Konflikt rein, den du journalistisch vertreten musst.

00:31:05: Das führt dann wiederum zu journalistischen Konflikten.

00:31:08: Dann engst du auch dein schreiberisches Feld total ein wenn du vor Ort bist.

00:31:11: Wenn du in der Israel stationiert bist kannst du nicht so einfach aus Ägypten berichten oder irgendwie mal schnell in Libanon gehen.

00:31:16: Es ist alles komplizierter!

00:31:18: Egypten ist leichter, Libanone ist schwieriger, das stimmt.

00:31:21: Na klar, wäre es leichter, wenn ich jetzt einfach auch sage.

00:31:24: Also natürlich, das stimmt schon ... Das ist doch der ganze Grundkonflikt?

00:31:28: Der ganze Grundkonflikt ist doch was will ich mit meiner Arbeit erreichen und worin finde ich eine Selbstwirksamkeit oder Erfüllung?

00:31:36: Und in diesem einfachen würde ich ja gar keine Assistswürdig sich nicht wie Journalismus finden.

00:31:43: Aber dass es halt zu kompliziert ist und so herausfordernd ist gibt mir das Gefühl halt, weiß ich nicht... Journalistisch mein Bestes zu geben.

00:31:51: Also es gibt jetzt so zwei Art, glaub ich von Journalismus die einen, die die Welt retten wollen und die anderen, die sie halt irgendwie so erklären wollen.

00:31:59: und vielleicht also am Ende bedeutet das halt dass du daneben stehst während sie halt langsam untergeht Und du kannst es halt nur erklären.

00:32:05: warum ist gerade sehr schwer ist es aufzuhalten?

00:32:09: Und da ist ja eh schon eine unbequeme Rolle.

00:32:11: Es ist seltsam, dass der Naos-Konflikt dir journalistisch Israel dir journalistische Erfüllung gibt.

00:32:17: Nein nicht der Konflikt gibt mir ne Erfüllung.

00:32:19: Es geht in Erfüllung, finde ich schon eher darin.

00:32:22: Mir ist nicht zu einfach zu machen.

00:32:24: Also so und weil ich einfach vielleicht ... Ich glaube halt nicht dass es genug zu sagen also vielleicht performativ zu sagen So-und-so muss es sein.

00:32:32: Und dann ändert's sich

00:32:33: Gabs einen Moment wo du gesagt hast ich geb auf?

00:32:35: Ich kann nicht mehr Dieser Beruf ist zu schwer Man verdient zu wenig Die Anerkennung ist zu gering.

00:32:42: Leben

00:32:42: in Tel Aviv ist sauteuer

00:32:44: Gabs schon aber dann ist immer noch mal was Schlimmeres passiert.

00:32:47: Dann war wieder so Krass.

00:32:50: Also dann war wieder so, jetzt möchte ich halt gerne... Das sind genau die Momente wo ich nicht schreien möchte!

00:32:54: Das sind dann die Momen, wo ich denke okay, jetzt irgendwie gucken.

00:32:58: was kann man tun um das nicht weiter zu verschärfen zumindest rhetorisch oder in der Analyse auseinandersetzung damit?

00:33:04: Was kann ich jetzt vielleicht an Hintergrund-Infos bieten die vielleicht ein bisschen helfen zu verstehen was passiert Weil ich weiß, welche Wellen immer alles gleich schlägt.

00:33:13: Also welche Protestes geben wir?

00:33:15: Welche... Wie gesagt Emotionen!

00:33:17: Wir wissen wie krass Antisemitismus gestiegen ist seit dem siebten Oktober und wir wissen aber eben auch dass es Wie ist in der Kulturbranche wirkt?

00:33:27: Dass sich Gruppen sozusagen Mund totgemacht fühlen, weil ihnen irgendwie Gelder gestrichen werden wieder.

00:33:34: Also es geht ja nicht nur in eine Richtung.

00:33:35: man sieht ja ne ganz große Verunsicherung in bestimmten Institution oder bestimmte Gruppen die nicht wissen was sie sagen sollen dazu weil sie keine Antisemiten sein wollen, aber sie wollen auch keine Rassisten sein.

00:33:45: Sie wollen irgendwie nicht so den Eindruck erwecken dass sie das richtig finden was Israel in den letzten zweieinhalb Jahren im Gaza Streifen gemacht hat.

00:33:52: Aber sie wollen ja auch nicht dass es zu wirkt.

00:33:53: Es würden sie nicht sehen was die Hamas am siebten Oktober gemacht hat.

00:33:57: Es gibt so viele Gruppen, die auf ganz viele sprachliche Feinheiten achten.

00:34:00: Die man eigentlich nicht alle immer mit bedenken kann.

00:34:02: Vor kurzem

00:34:02: habe ich beim Joggen ... Ich hab so Joggedanken gedacht.

00:34:04: Darüber nachgedacht, dass diese sprachlichen Feinheit mich leider wirklich über unser Gespräch nachgedachten hat.

00:34:10: wie welche Fragen stelle ich?

00:34:12: Welche Fragen kann ich nicht stellen weil ich Schiss habe das es ein Shitstorm gibt.

00:34:15: danach dann ist mir aufgefallen Moment mal das letzte Mal hatte ich das bei der Corona-Berichterstattung

00:34:19: Ja, das ist eh noch einmal Alva Das hat zu sagen...

00:34:22: Dass du so aufpassen musst wie Du etwas formulierst damit du dich nicht angreifen machst Formulierung möglicherweise auch richtig ist.

00:34:29: Du kannst es so sagen, aber es ist halt irgendwie erbsenzehlerisch.

00:34:33: Achso sowas wie mit oder an Corona

00:34:36: gestorben?

00:34:37: Genau das

00:34:38: meine ich ja.

00:34:38: So genau... Durch

00:34:39: oder an Korona gestorbt.

00:34:41: Und das gibt es jetzt in dem aktuellen Konflikt auch, dass es so Formulierungen gibt die du jetzt sagst aus Sicherheitsgrund, dass du nicht dich angreifbar machst im Schreiben.

00:34:47: Ja genau also es ist auch so was ich man bestimmte Sachen schon auch mal habe.

00:34:51: Also wenn ich schreibe über Alles, was gerade mit dem Israel- und Palästinenser zu tun hat.

00:35:02: Dann muss immer noch mal rein die unterschiedlichen Angaben dazu wie viele Menschen im Gasserstreifen getötet worden sind.

00:35:09: oder da zum Beispiel gibt es vom Max Planck Institut diese eine Erhebung, die auch die Zeit veröffentlicht hat.

00:35:14: Und das ist ganz interessant, dass steht die Zahl hunderttausend bis zu hundert tausend getötete worden sein oder gestorben?

00:35:20: Das ist sozusagen... Ja genau!

00:35:24: Das ist halt dann schon einfach wichtig das mit dazu zu schreiben.

00:35:27: Aber leicht hatte ich irgendwie, dass ich dann sage die in Teilen rechtsextreme Regierung aber für andere ist es halt schon so wenig, dass sich nicht nur... Dass ich nicht immer beim Faschismus zum Beispiel reden würde was ich nicht machen werde.

00:35:37: Ich vergleiche nicht.

00:35:38: Das hat sozusagen... Ich arbeite ungern mit Vergleichen Und ich arbeite ungern mit zu starken Begriffen.

00:35:46: Ich arbeite, ich glaube ganz oft dass wir präzisere Begriffe haben die da besser passen.

00:35:50: aber worauf ich hinaus wollte ist es eben das du diese Wahnsinnsicherung im Allgemeinen hast und dann habe ich jetzt gerade mein Faden verloren weil ich genau...

00:35:57: Was mich wirklich Frage ist was haben wir gesellschaftlich und medial falsch gemacht?

00:36:04: Dass wir dass dieser Krieg einfach weitergeführt wird außerhalb Israels und Palästinas, dass wir auf den Straßen den führen in den Redaktionen diesen Krieg führen.

00:36:12: Dass wir so emotional sind und darüber hinaus vergessen das wir ja so auch diesem Krieg nicht überwinden.

00:36:21: Diesen Konflikt nicht überwindet mit dieser kriegerischen Gegenüberstellung von uns.

00:36:25: Ich will entlassen uns das Vorlesen!

00:36:27: Warum sich der Naos-Konflikt durch Diskussion darüber wer angefangen hat nicht beenden

00:36:30: lässt?

00:36:30: Genau das ist die herausgesuchte weiß ich nicht Unterunterüberschrift auf dem Buch, auf der Rückseite.

00:36:36: Übrigens hat auch schon die Diskussion geführt also auf der Leser-Reise nämlich.

00:36:40: natürlich muss man darüber reden weil dann sagt die eine Seite wieder.

00:36:43: Also sozusagen es wäre das schon ein Versuch klein zu reden was der einen seite angetan wurde erwähnt nur dass ich das sage.

00:36:51: aber ich möchte wirklich eben was du gerade sagst ist auf diesen punkt hinaus wir beenden den konflikt nicht will lösen ihn nicht dadurch dass wir uns hier Darüber zerreißen.

00:37:00: Was was schlimmer ist?

00:37:01: Es gibt halt zwei Ebenen.

00:37:02: das eine is Der sozusagen unser Konflikt, dieser Konflik der Projektion und der Konflikte auch der Betroffenen.

00:37:09: Also wir reden viel zu wenig.

00:37:11: Ich finde ich darüber das ist eben eine Auskonflikt direkt Aber eben auch in der Diskurs darüber, immer auch um ein gegeneinander wirken von Rassismus und Antisemitismus geht.

00:37:21: Und die Debatte, die wir führen ganz oft ist ja von Menschen geführt, die von weder dem einem noch dem anderen betroffen sind aber in beide Richtungen sensibel sein müssen.

00:37:29: Und man natürlich immer sozusagen auch Menschen mit im Raum haben möchte und mitdiskutieren haben möchte, die gleichzeitig Betroffene sind.

00:37:36: Aber es ist natürlich sehr schwer für Betrofene vielleicht dann auch noch darüber diskutieren zu müssen und das Aushandeln sozusagen zu müssen.

00:37:43: Und das verkompliziert es halt unglaublich, und am Ende gibt's glaube ich schon sehr viele Menschen die einfach das Richtige sagen wollen und das Richtigen tun wollen aber zerrissen sind und ganz oft nicht wissen was das Richtig ist.

00:37:57: und da biete ich eigentlich dass ich an und sage man kann eigentlich nur scheitern oder man kann nur falsch liegen und man kann sich eigentlich nur versuchen zu sagen woher komme ich?

00:38:07: Was ist meine Perspektive?

00:38:08: Meine Perspektiv in dem Fall, ich bin nicht Betroffene.

00:38:11: Das bringt ganz viele Privilegien aber es bringt halt auch die Notwendigkeit empathisch zu sein und auch empathisch gegenüber vielleicht den Grenzen der Betroffenen.

00:38:19: Warum können Palästinenser nicht empathisch sein mit Israelis?

00:38:22: oder warum können wir das nicht erwarten?

00:38:25: Und umgekehrt?

00:38:26: Genau!

00:38:26: Also warum können weh das ungekehrte auch nicht erwarte?

00:38:28: Hilft ein Buch... auch den aktuellen Konflikt zu verstehen oder da eine bessere Zuordnung als lesender zu ermöglichen im Iran, USA, Israel.

00:38:38: Oder ist die Politik vor Ort so schnell dass dein Buch jetzt schon wieder eigentlich müsste es ein Update rausbringen?

00:38:45: Nee, ich glaube das mein Buch soll eigentlich mehr so ein Standardwerk sein.

00:38:49: Also im Sinne von für Millennials ehrlich gesagt oder für Gensies also was ist die letzten fünfzehn Jahre passiert?

00:38:58: Also

00:38:59: dann ist es auf jeden Fall hilfreich zu lesen damit du diesen aktuellen Konflikt verstehen

00:39:02: kannst.

00:39:02: Ja genau und es hat mich tatsächlich hinten zwar mir auch ganz wichtig Haben wir noch eine Chronik der letzten Ereignisse?

00:39:07: Aber das ist was, ich hab das Buch versucht ja so zu schreiben.

00:39:10: Was ich gerne gehabt hätte oder was mir, was ich immer gerne gelesen habe und ein Punkt in dieser Auseinandersetzung ist immer so schöne Chronik zu haben also was es eigentlich so Jahr für Jahr passiert.

00:39:20: Ich hab jetzt nicht achtundvierzig angefangen, also neunzehnachtundviertzig.

00:39:24: Genau da kennst du auch schon wieder diskutieren.

00:39:25: Ist der Konflikt älter hat er angefangen mit der zionistischen Bewegung wie die in Palästina angefangen hat?

00:39:30: Also das wäre dann so Theodor Herzel

00:39:32: Ich weiß

00:39:33: gar nicht, wann das alles ist.

00:39:36: Ich weiß es eigentlich aber frag mich jetzt nicht, ob ich nichts Falsches sage.

00:39:39: und genau bei mir fängt's eben im Jahr zwei tausend zwölf an Und ich habe einfach viele Dinge drin.

00:39:43: Das ist halt interessant sogar diese Jahre wo man denkt okay das war doch relativ ruhig Passieren jedes Jahr ganz ganz wichtige Dinge.

00:39:50: eine wichtige Entwicklung die zum Beispiel war zB dass sie Hamas aus dem aus dem Gaserschreifen und die Vertrache in West-Jordanland eigentlich ne Einheitsregierung bilden wollten Und das wollte Netanyahu nicht, weil er natürlich Netanyah war schon immer gegen einen eigenen palästinensischen Staat.

00:40:03: Aus dieser Sache heraus ist eben auch diese Entscheidung mit entstanden.

00:40:06: am Ende – ich verkürze jetzt hier – dass die Hamas Geld aus Katar bekommen kann oder dass sie mehr Geld bekommen kann und die Folgen kennen wir ja.

00:40:14: Es kann aber zum Beispiel auch sein, dass wir wissen nicht, ehrlich gesagt, also ich weiß zumindest nicht genau welches strategisches Interesse des iranische Regimes verfolgt hat, aber es fällt eben zusammen, dass die Sanktionen gegen den Iran-Gelocker im Jahr Darüber schreibe ich.

00:40:28: Ich war zu Jahrzehnten im Iran, nachdem die Sanktionen gelockert wurden noch unter der Barack Obama-Regierung.

00:40:33: Aber in der Zeit beginnt zum Beispiel die Hamas mit den Vorbereitungen für den siebten Oktober und in den folgenden Jahren sehen wir eben dass das iranische Regime mehr ins Festeorderland geht, dass Milizen anders bewaffnet werden.

00:40:44: Ich habe jemanden mit dem spreche ich im Buch der Susgenin aus dem Norden des Festeodorlands, der sagt er hat beobachtet wie die wie das iranesische Regimen im Prinzip den Konflikt ins Fesseorderland tragen möchte.

00:40:57: Und was wir jetzt sehen, der Krieg jetzt ist deswegen nicht etwas ganz anderes.

00:41:04: Ich glaube wenn man, was ich hier schreibe, liest kann man ein bisschen besser verstehen, was da passiert.

00:41:10: im Sinne von ohne den siebten Oktober wird es diesen Krieg vermutlich nicht geben und ich erkläre ein bisschen was damit gemeint ist mit der These sozusagen.

00:41:20: Was hast denn du eigentlich am siebsten Oktober gemacht?

00:41:22: Weil das ist ja ein nationales Trauma wie der Ende September.

00:41:25: Die meisten Höhren und Törer können sich daran erinnern, was sie am elften September gemacht hat.

00:41:28: Du wirst dich wahrscheinlich erinneren, was es am elfen September war?

00:41:30: Was hast du nur am siebten Oktober gemacht?

00:41:32: Im Elften September saß ich zu Hause, ich hatte krank gemacht, ich hätte keinen Bock in die Schule zu gehen.

00:41:36: Dann wurde plötzlich das Bild schwarz.

00:41:38: Das weiß ich noch.

00:41:40: Und das ist auch interessant, weil natürlich sozusagen elfter September ist natürlich so was ganz weit wegiges.

00:41:47: und ich habe in meinen Ditteltagebuch damals geschrieben.

00:41:49: Ich leufe fürche der dritte Weltkriegbricht

00:41:51: aus.

00:41:51: Ja, Tom Jorck auch an dem selben Tag stattfindet Radio Konzert in Berlin auch gesagt.

00:41:56: Hm!

00:41:57: Er war ohne Dittel.

00:41:58: Ohne Dittel Maus nur der Sänger von Radio Hötterdorf steht bitte macht kein Weltkrig.

00:42:02: Also das war offensichtlich die Debatte damals und es war eine Diffuse weit wegangst und am siebten Oktober, zwanzig, trenzwanzig war ich ja vor Ort Und ich war im Funktionsmodus.

00:42:13: Also das ist, glaube ich auch... Du kannst dir halt Angst musst du dir leisten können!

00:42:17: Also Angst kannst du ja wirklich nur empfinden wenn dein Körper das zulässt und wenn du ein Funktionmodus bist lest deinen Körper das ja nicht zu.

00:42:25: Das habe ich jetzt oft noch mal in diesem aktuellen Krieg gemerkt ganz stark also persönlich.

00:42:29: Ich war in Japan meiner Wohnung so eine schöne Altbau-Wohnung, da hast du ja was schonmal da mit offener Balkon-Tür um die Jahreszeit Anfang Oktober super schöner morgen und diese Rehen haben draußen geheult Und ich hab kein Alarm auf dem Telefon gehabt.

00:42:43: Damit ging's los, also es war irgendwas ungewöhnlich.

00:42:45: Weil normalerweise kriegst du halt den Alarm und die Sirene draußen.

00:42:50: Das war so okay, hier stimmt was nicht.

00:42:53: Ja, das nächste war dann eben beim zweiten Alarm mir mein Nachbar mit dem ich im Hausflur stand, mit dieses Video gezeigt hat von Hamas Terroristen, die mit Gleitschirmen Paraglidern nach Israel einfallen.

00:43:05: Da wusste ich ... Jetzt ist was ganz, ganz Schlimmes passiert.

00:43:09: Du hast glatt, dass du Angst nicht leisten konntest in dem Moment aber bist du in so ein Sicherheitsmodus gegangen?

00:43:13: Also hast du gedacht okay das geht jetzt so weiter hier werden jetzt in Tel Aviv Bomben hoch gehen da werden Paraglider irgendwie vielleicht falschen Springer kommen auch in Tel-Aviv.

00:43:21: oder warst du so?

00:43:22: ich bin hier in Jaffo bin ich sicher ja als Information für die Menschen.

00:43:25: hier ist einen Stadtteil in Tel Aviv der mehrheitlich muslimisch bewohnt ist

00:43:32: Jafu.

00:43:33: Jaffa ist historisch einfach so eine wichtigste Stadt im palästinensischen Mandatsgebiet Palästina gewesen und auch unter dem Osmanischen Reich.

00:43:43: Er war ne ganz wichtige Handelsstadt, und mit Achtundvierzig tatsächlich sozusagen damit dass Israel gegründet wurde sind wirklich viele Palästenenser aus anderen Gebieten dieses früheren Mandatsgebiet nach Jaffa gebracht worden, das schreibe ich auch im Buch.

00:43:57: Die Formulierung war in ein Ghetto gebracht worden weil man gar kein anderen Begriff dafür hatte und diese Palästinenser leben heute in Teilen von Jaffas.

00:44:05: und da wo ich wohne ist es aber historisch eigentlich immer schon so gewesen dass Juden und Muslime zusammenleben.

00:44:10: Das gibt's halt auch, genau da wohne

00:44:12: ich.

00:44:12: Zurück zu uns in den Oktober.

00:44:13: also dachtest du dann so Ich sitze hier meiner Wohnung auf dem Balkon Und jetzt ist hier gleich alles vorbei und ich fürchte um mein Leben.

00:44:20: oder Wie hast du diesen Moment wahrgenommen?

00:44:22: Gar nicht wahrgenommen.

00:44:24: Das ist das, worauf ich hinaus wollte mit dem Funktionsmodus.

00:44:26: Mein Gedanke war zum einen... Ich hatte mich lange darauf vorbereitet, dass es so eine Art von Krieg geben könnte.

00:44:30: Es gab bestimmte Vorzeichen über die ich ... Ist das okay, wie ich sitze?

00:44:35: Einfach weiter!

00:44:36: Genau.

00:44:37: Deswegen pegel ich hier immer mit dem Hin und her...

00:44:39: Über dich auch.

00:44:40: schreibe diese Vorzeiche.

00:44:42: Also ne Woche vor dem siebten Oktober hatten sich Hamas Yisbollah und Vertreter der Iranischen Revolutionsgaden in Beirut getroffen und erklärt, dass sie den Konflikt mit Israel verschärfen wollen und eskalieren wollen.

00:44:51: Es war ein Jahr diese Regierung an der Macht schon ungefähr, die israelische Regierung.

00:44:55: Und nur Wochen nachdem diese Regierung ins Amt eingeführt worden war, konnte man sozusagen Demokratieexpertinnen und Demokratie-Experten interviewen.

00:45:03: Die sagten jede innenpolitische Krise in Israel führt es im Ende zu einer Sicherheitskrise.

00:45:08: Und Israels Feinde sehen dass es diese Proteste gibt.

00:45:11: Es gab ja diese Wahnsinnsprotestik.

00:45:13: Wir haben wir auch glaube ich durchgesprochen im Podcast Ja.

00:45:15: Und das das sozusagen klar war.

00:45:17: Als dann dieser siebte Oktober eben kam war für mich erstmal jetzt ist die Situation da.

00:45:24: Ich bleib jetzt hier sitzen, ich arbeite.

00:45:25: Ich werde mich nicht bewegen.

00:45:27: Es kann einen Traketenalarm geben.

00:45:28: Wenn man rausgeht ist es gefährlich und dann war's so.

00:45:31: aber so.

00:45:31: Deswegen habe ich das mit Jeffan erklärt, dass schon meine Nachbarin, die überwiegend alle jüdisch-israelisch sind, sagt, wir müssen weg, es kann Nachahmetaten geben.

00:45:41: Die Angst hatte ich nicht unbedingt.

00:45:43: Meine Angst war eher erst mal dieses kleine bubbleige utopische Wir leben hier alle zusammen oder zumindest nebeneinander, ist wieder weg.

00:45:52: Jetzt ist wieder Mistrunder!

00:45:53: Jetzt haben wieder alle Angst voreinander.

00:45:55: So viel Angst vielleicht wie noch nie zuvor, also nicht rausgehen.

00:45:58: Ich bin einfach an meinem Schreibtischwitzen geblieben gefühlt und glaube ich so zwei oder drei Tage das Haus nicht verlassen.

00:46:03: Wann begann der Arbeitsmodus?

00:46:05: Also

00:46:05: sofort!

00:46:06: Oder ist auch sofort geschrieben und sofort berichtet.

00:46:08: Ja,

00:46:08: sofort.

00:46:08: Also ich habe wirklich zwischen den beiden Raketenalarmen der Redaktion geschrieben und meinte hier passiert was Schlimmes Und wie es so ist, dauert.

00:46:15: dann muss immer noch etwas passieren aber dann spätestens als dass mit den Geiseln waren.

00:46:21: Geiseltie man habe ich nur deswegen strukturell verstanden und das hab ich dir aber auch schon mal in dem Podcast erzählt weil mir einfach ein Nachbar vorher mal erzählt hatte, dass er einmal weg war im Kindergarten.

00:46:31: Er hat sich versteckt und die Kindergärtnerin waren sofort sicher, dass der von Araban entführt worden sei oder wäre anstatt sich irgendwie auf die Suche nach ihm zu begeben.

00:46:39: Und er hat selber nicht verstanden.

00:46:40: Der stand ja quasi hinterm Vorhang und hat gedacht wieso flippen die denn alle so aus?

00:46:44: Aber wie groß die Angst eben ist in der jüdisch-israelischen Bevölkerung, dass sie ein Kinder geklaut werden oder dass jemand kommt und das Palästinenser kommen und Geisel nehmen.

00:46:52: Diese Angst vor Geiselnahmen war ganz, ganz groß.

00:46:55: Und genau das ist halt dann passiert und damit war einfach im Prinzip klar, dass der schlimmsten mögliche Form von Angriff ist also dass man das Israel, das Jermas Israel an der verletzlichsten Stelle getroffen hat.

00:47:07: Wie fühlt sich das eigentlich an wenn man in einer Welt lebt, in der so viel Angst herrscht Angst auf israelischer Seite, dass Entführung Attentate stattfinden.

00:47:14: Angst auf palästinische Seite, das der nächste Krieg ausbricht, dass die nächsten militärischen Interventionen durch Israel stattfinden.

00:47:24: also wie lebt sich das dann da?

00:47:26: Naja erst mal zu verstehen ist es ja vielleicht eine asymetrische Angst, so wie du ganz viele asymmetrischen Kriegsführungen in dem Zusammenhang hast.

00:47:33: Also Israelis haben Angst davor gezielt als Zivilisten verunsichert zu werden und dann sozusagen Teil oder Opfer eines Terroranschlags zu werden.

00:47:44: Palästinenser haben ja Angst, einfach in der ganz normalen sich zu bewegen irgendwo unterwegs zu sein.

00:47:50: vor zwei Wochen jetzt glaube ich ist es mittlerweile her sind vier Familien mit jeder einer palästinenzischen Familie im Westjordanland von.

00:47:56: Ich weiß nicht, ob es Soldaten oder Polizisten waren.

00:47:58: Oder einfach nur Siedler, die bewaffnet wurden.

00:48:00: Ich bin jetzt zwei Wochen raus gewesen aus der Berichterstattung aber sie sind eben von israelischen Sicherheitskräften oder Männern, die Waffen haben durften einfach erschossen worden und die Israelis haben erklärt, sie hatten sehr Sicherheitsrisiko eingeschätzt.

00:48:11: Und als Palästinenserin musst du immer Angst haben... dass du quasi getötet werden kannst, weil man dann sagt, das war ein Sicherheitsrisiko.

00:48:18: Also Willkür ist dazu.

00:48:19: Du hast Angst vor dieser Willküre?

00:48:21: Und wenn man sagt, du bist Sicherheits-Risiko und deswegen musst du jetzt starten!

00:48:23: Genau also Rechtslosigkeit und Schutzlosigkeiten eine ganz große strukturelle Schutzlosigkeit.

00:48:28: Und damit umzugehen bedeutet eben für mich... Das ist was ich vorhin sagte.

00:48:34: Ich kann nicht zu viel erwarten.

00:48:35: Ich fühle mich in der Rolle, dass ich mich an den Tisch mit Israelis setze und sage ihr müsst aber Wenn dort eine Israelin sitzt, eine jüdische Israeli der mir sagt wir müssen das anders machen und Steffi das ist deine Aufgabe das auch stärker zu zeigen dann verstehe ich das.

00:48:54: Und dann versuche ich mein Westes.

00:48:55: aber ich aus mir heraus aus der außen stehenden Rolle habe nicht das Gefühl dass sich das sozusagen so sagen kann.

00:49:02: und genauso wenig auf gar keinen Fall kann ich auf einer palästinensischen Seite sagen Aber ihr müsst euch jetzt aber schon davon und das distanzieren und das dürfte auch nicht sein.

00:49:10: Hast

00:49:11: du manchmal das Gefühl, dass dieser israelische Staat diese Idee gescheitert ist?

00:49:17: Dass Netanyahu einen ganz großen Beitrag dazu geleistet hat sie scheitern zu lassen.

00:49:22: Nämlich dass Israel ein sicherer Ort für die Jüdinnen und Juden auf der Welt ist.

00:49:27: Also ich bin da glaube auch würde gerne in der Außenrolle bleiben.

00:49:31: aber ich kann dir sagen Sehr, sehr viele Israelis können die sagen es ist gescheitert.

00:49:36: Aber denen macht das halt unglaublich Angst!

00:49:39: Wie sehen wir jetzt in dem aktuellen Krieg?

00:49:40: Wir haben das letzte Mal vor vier Wochen gesprochen heute auf den Tag genau.

00:49:45: Wenn du vor vier wochen mit Menschen gesprochen hast, da haben auch Umfragen, die ersten umfragen dann gezeigt.

00:49:49: Neunzig Prozent der jüdischen Israelis haben diesen Krieg unterstützt.

00:49:53: Jetzt geht es runter auf seventy-fünf und es ist also ein ganz gravierender Unterschied zwischen Menschen, die einen eigenen Schutzraum in der Wohnung haben.

00:50:00: Da sind glaube ich noch Fortzig Prozent oder so dafür.

00:50:05: Und es ist glaube ich eine Umfrage von Kanal zwölf, von Channel Zwölf.

00:50:09: unter denjenigen die keinen Schutzraum haben sind zumindest nur noch dreißig Prozent, die das alles so gut finden.

00:50:13: und vor allen Dingen sagen die meisten befrackten dass offensichtlich diejenigen die den Krieg entschieden haben unterschätzt haben welche Kapazitäten das iranische Regime hat.

00:50:22: und wenn man jetzt mit Menschen spricht dann sagen sie Sachen wie naja also selbst wenn das iranesische Regimen keine Atombombe, noch nicht sicher war, ob sie die wirklich haben wollen.

00:50:31: Jetzt werden Sie es

00:50:32: machen.".

00:50:34: Und der Gedanke ist so, wir sind noch mehr in Gefahr als zuvor und dann sehen Sie halt auch das ganze Innenpolitische-Drama und wissen gar nicht mehr wie Sie da rauskommen.

00:50:43: Also was ist denn überhaupt der Ausblick?

00:50:45: Was ist dein Ausblick für dieses Land also?

00:50:48: Worüber wirst du berichten in den nächsten anderthalb Jahren?

00:50:51: Wann ist die Wahl jetzt?

00:50:53: November ist

00:50:53: die.

00:50:54: Was ist zum Beispiel eine Spekulation für die Wahl?

00:50:58: Mein Redaktionsleiter oder Redakteur Markus sagt immer Spekulatius.

00:51:03: Ja,

00:51:04: ist stimmt schon.

00:51:05: aber also ich meine du machst dir Gedanken?

00:51:07: Also die Wahl findet eigentlich Anfang November statt.

00:51:09: ja.

00:51:09: Eigentlich?

00:51:10: Genau!

00:51:11: Ich sage deswegen nur eigentlich ich will mich an gar keine Verschwörungstheorien beteiligen.

00:51:14: es gibt diese Verschwörungsteorien und das gibt diese Theorien.

00:51:16: von wegen wird Netanyahu versuchen die Wahl zu verhindern.

00:51:20: Rein ganz sachlich gesehen brauchst du für den Wahlkampf ungefähr drei Monate Vorbereitung.

00:51:24: ziehst du drei Monate ab sind wir im Sommer Nimmst du vor ein paar Monate weg von diesem Sommer sind wir mir jetzt.

00:51:30: Und solange Krieg ist, wird es sehr schwer sein zu sagen man hat irgendwie keine Ausnahmesituation.

00:51:35: im Moment ist Israel eine Ausnahmsituation.

00:51:37: Die Schulen sind weiterhin geschlossen.

00:51:40: Es gibt jeden Tag Raketenalarm, die Leute sind fast nur im Bunker und durch diese Streumunition müssen sie auch wirklich in meinem Bunkern sein.

00:51:45: Du kannst dich nicht richtig sicher bewegen in Israel.

00:51:47: Und trotzdem ist natürlich ein Worf-Choice.

00:51:48: Also es ist ja nicht so das... Aber es ist die Frage wie Sie da wieder rauskommen?

00:51:53: Trump wird es beenden und wir sehen dass gar nicht so leicht für Trump wird vielleicht das zu beenden, wie er sich das vorgestellt hat.

00:51:58: Wir sehen, wenn das jetzt vielleicht vorbei sein könnte, ist jederzeit weitergegen könnte.

00:52:04: Auf jeden Fall eine Vermutung, dass man jetzt so Runden erleben wird.

00:52:06: So wie man vor dem siebten Oktober immer wieder Eskalationsrunden hatte mit der Hermaste, das es diese Art von Eskalationen geben könnte.

00:52:13: und da ist natürlich, finde ich ne Rolle in die Frage, inwieweit wird das organisatorische der Wahl beeinflussen?

00:52:21: Das Inhaltliche der Wahl, das sehen wir halt vor dem SiebtenOktober war ein Gesetz, wenn immer Israel von außen angegriffen wird hat das Land zusammengehalten haben die jüdischen Israelis zusammen gehalten und sich hinter die Regierung gestellt.

00:52:34: Sie halten weiterhin zusammen, aber sie stellen sich nicht mehr hinter die Regierung.

00:52:37: Was Israel in den letzten zweieinhalb Jahren militärisch geschafft hat, ob aus dieser siebten Oktober sozusagen Niederlage oder diesem Angriff diese Verletzung waren ja wirklich... Sie haben Hassan Asrala, der damalige Chef der Hezbollah am Libanon getötet.

00:52:53: Sie haben Jachas Hilmar irgendwann gefunden jetzt Ali Khamenei also Und trotzdem schlägt sich das nicht so sehr in den Wahlumfragen für Netanyahu um, wie man es erwarten würde.

00:53:02: Also er steigt langsam immer wieder, aber er hat noch keine stabile Mehrheit, um eine Knessetwahl, also eine Parlamentswahl zu gewinnen.

00:53:08: und das ist überhaupt nicht klar ob er dahin noch kommt.

00:53:10: und wenn der da hin nicht kommt sind wir eigentlich an dem ganz gleichen Punkt wie vor Zweiundzwanzig wo wir ja immer wieder Neuwahlen gesehen haben.

00:53:19: Bis er dann wieder gewählt wird?

00:53:21: Ist das der Plan?

00:53:22: Ich weiß nicht, ob das sein Plan ist.

00:53:24: Er wird ja auf jeden Fall erst mal nicht abtreten.

00:53:27: Und am Ende bleibt es bei dieser Situation, dass so lange Netanyahu da ist, wird es sehr schwer, eine Alternative zu Netanyahau zu finden.

00:53:33: Ist Israel deine Heimat?

00:53:35: Nein

00:53:35: Was ist Israel für dich?

00:53:37: Mein Arbeitsort?

00:53:37: Also Isra ist definitiv nicht meine Heimat.

00:53:40: Ich hab mit dem Heimatbegriff unheimlich so viel zu tun.

00:53:44: Heimat ist für mich ganz interessant, weil Berliner bestes das an... Ja ich

00:53:48: habe einen starken Heimheitsgefühl.

00:53:50: Also so ein Heimat löst bei mir Beklemmung halt schon aus.

00:53:53: also ich weiß halt gibt es Sachen die sind schön.

00:53:56: zu Hause da wo ich aufgewachsen bin Die Landschaft ist schön aber der ist auch immer eine schwere

00:54:02: Heimat.

00:54:02: is für dich dieses Bild mit dem Elch?

00:54:04: Mit diesem Hirsch, der da so rührt.

00:54:05: Dieses Berge und Hügel...

00:54:08: Nee, Heimat ist für mich drei hasselnische Faschenbrödel weil das bei uns in der Gegend auch gedreht wurde.

00:54:13: Also so schöne Winterlandschaften und Sandsteinberge Das Schönste ist vielleicht noch Weihnachten in die Kirche gehen Weil es eine Bergkirche ist.

00:54:22: Es gibt zu Sachen die man da stolz ist aber wie gesagt immer so eine schwere.

00:54:25: Israel ist einfach Der Ort der gar nichts mit mir persönlich zu tun hat.

00:54:30: Wenn es

00:54:31: dein Arbeitsort ist, kann es sein dass du auch irgendwann einen neuen Arbeitsort haben wirst so wie Leute ihre Arbeitsplätze ja auch wechseln?

00:54:37: Das werde ich jetzt immer öfter gefragt.

00:54:40: Ich glaube das ist nachdem du in...das ist vielleicht ein bisschen die Herausforderung.

00:54:44: also es gibt super viele Menschen im israel und es gibt glaub ich auch viele judische Israelis Die immer zerrissen bleiben.

00:54:49: Also die sagen Israel ist halt so Zum Beispiel deren Heimat.

00:54:54: Aber eigentlich können sie sich nicht damit arrangieren, dass das ja ein Ort ist, wo nicht klar ist wie viel Zukunft hat ihr?

00:55:00: Wie viele Zukunft hat die Region?

00:55:01: Wie geht es hier weiter?

00:55:03: Wie aushaltbar ist dieses Leben?

00:55:04: Nur als Katarina Höftmann immer wieder schon interviewt also Die Tatsache, dass du Kinder großziehst in dieser Situation, dass es immer wieder Gefahren gibt, dass Es Terroranschläge gibt und Kriegel gibt Dass du deine Kinder in die Armee schicken musst, dass sie moralisch mit der Situation konfrontiert sein werden Müssen Sie im Westjordanland dienen.

00:55:19: Was müssen Sie denn mit den Palästinensern machen?

00:55:21: Können Sie Friedensbewegung einsetzen oder nicht.

00:55:24: Sind sie dann in der Minderheit, wenn Sie das tun?

00:55:26: Wären sie gesellschaftlich ignoriert werden?

00:55:27: also so viele Konflikte hast du ja als israeli glaube ich oder können kannst du haben und als Nichtisraeli oder ist auch als nicht jüdische Person als deutsche Person die nicht jübisch ist und dort lebt.

00:55:39: Hast Du denn natürlich eher diese Frage werde ich hier jemals dazu gehören und Ich finde mich zum Beispiel total wohl da nicht dazuzugehören Und leichtet dich dadurch dass sich das weiß dass ich nicht danzugehöre kann das für mich ein guter Arbeitsort bleiben den ich immer wieder weiterentwickeln kann.

00:55:52: Und die Alternative wäre ja einen anderen Arbeitsort zu gehen, wo alles ganz neu ist.

00:55:57: Wo ich gar nichts kenne oder dann zurückzugehen und da weiß ich nicht ob man dann da wieder hinkommt.

00:56:05: Ich kann ja nicht zu sehr dazu quatschen aber ich hatte gestern Abend eine Unterhaltung ganz zufällig nach einer Lesung mit einem Ukraine Mitte zwanzig aus Kharkiv und da konnten wir voll darüber reden.

00:56:17: diese Situation wie das in Tel Aviv ist und wie es in Kharkov ist also die Tatsache dass Wie in Tel Aviv, ganz oft halt darüber... uns fragen, ob wir auch in so eine Situation kommen werden.

00:56:26: Also ich will nicht die Situation vergleichen im Sinne von Russland greift ja die Ukraine

00:56:29: an.

00:56:29: Ich habe gerade einen Text geschrieben über Kharkiv und zwar hab' ich so ein Sub-Stack gestartet das sich so Dinge, die in den Nachrichten erwähnt werden immer gefühlsmäßig einordnen will für Lesende.

00:56:38: Und da habe ich geschrieben wie ist es eigentlich in dem Bunker zu schlafen?

00:56:40: Aufgrund dessen dass du zum Beispiel jetzt in Israel sehr offen da... Ich musste in Kharkif in einem Bunkerschlafen und schreibe das eben auf.

00:56:46: Deswegen kannst du ruhig einfach jetzt mal... Genau!

00:56:49: Aber ich finde es immer wichtig zu betonen also ich will jetzt nicht diese Kriegssituation mit einander vergleichen.

00:56:53: Aber die Frage, wie geschützt ist man einfach ganz limpel vorbalistischen Raketen und Drohnen?

00:56:58: Und in Israel bist du halt einfach sehr... Also wenn du im jüdischen israelische Stadt lebst, wo du in einem Ort wie Tel Aviv lebst dann bist du sehr geschütz.

00:57:05: In den arabischen Communities, Arabischen Gemeinden, Ortschaften ist es leider weniger der Fall.

00:57:10: da fehlen Luftschutzbunker.

00:57:12: leider, der sind nicht genug gebaut worden.

00:57:14: aber in unserer Situation, da rede ich von mir an meinen Nachbarn wir sitzen eben in dem Bunker und die meisten um mich herum sind aus Russland Geflüchtet teilweise oder geflohen.

00:57:24: Und wir fragen uns, wären wir irgendwann in so eine Situation kommen wie die Ukraine?

00:57:27: Dass sie nicht mehr in den Bunker gehen oder dass sie liegen bleiben schlafen sind wir auf einem Weg dahin weil wir zum Beispiel ja weil du dich gewöhntest und da krieg ich natürlich also ich kriege wirklich ne Gänsehaut.

00:57:37: bei mir ist es so mein Körper der steht von sich auch auf wenn er alarmlos geht und rennt die Treppe runter.

00:57:41: ob Ich will oder nicht mein Hund hat schon kein Bock mehr.

00:57:43: so der zweifelt das mittlerweile an.

00:57:46: am Anfang war so richtig dabei und ist immer runter gerannt, jetzt denkt er selber so was immer wieder.

00:57:51: Was muss das sein?

00:57:52: Zumal es manchmal gar keinen richtigen Alarm.

00:57:54: dann gibt, es gibt nur diesen Vorlamm.

00:57:56: Und darüber habe ich mich eben gestern mit dem jungen Mann aus Harcliff unterhalten und er meinte mir ja fuck it, fuck it die sind alle nur so fuckit passiert's halt.

00:58:05: und wie wir uns darüber unterhalten zwar ein gutes Gespräch haben wir uns aber über mehrere Menschen hinweg unterhalten Und eine, und ich habe sehr gut nachvollziehen können die hat dann eben angefangen zu weinen weil es ihr sozusagen emotional zu viel war, weil sie jemanden kennt in Rakif.

00:58:19: Ich hab auch selber gemerkt, ich könnte jetzt hier nicht weinen!

00:58:21: Das ist wieder dieser Unterschied zum wie viel Trauer, wie viel Angst.

00:58:25: Wie viele Gefühle kannst du zulassen und wieviel Funktionsmodus bist du?

00:58:28: Ja das ist halt so ein bisschen... Und da sind wir gerade.

00:58:31: aufgrund der Tatsache dass wir einen Krieg in Europa haben, dass wir jetzt diesen schweren Naostkrieg haben, sind wir an ganz vielen unterschiedlichen Punkten und es ist glaube ich schwer diese Punkte wieder zusammen zu kriegen und Ich merke ich fühle mich schon wohler In Umgebungen wo mehr Funktion Modus gesetzt wird.

00:58:47: Steffi vielen Dank!

00:58:48: Ich danke dir!

00:58:49: Und dann habe ich es ja fast gelesen.

00:58:52: Ich finde mit der Autorin reden und dann zur Lesung gehen, das ist so ein toller Vorteil, den ich in dem Unten habe.

00:58:56: Nein, ich werde's natürlich wirklich lesen!

00:58:58: Wirklich?

00:59:00: Du hast wirklich einen ganz strengen Blick hast du gerade.

00:59:03: Dann weiß ich mich selber kenne...

00:59:04: Nee nee, das is tatsächlich ein Thema für das ich mich sehr interessiere.

00:59:07: Deswegen steht ... also ich glaube, dass ist glaube ich in den nächsten sechs Wochen wirds gelesen.

00:59:11: Also ich hab ja einen relativ stark strukturierten Leseplan.

00:59:13: Ich

00:59:14: liest ja auch viel schneller als euch, oder liest viel mehr als ich.

00:59:17: Und

00:59:18: deswegen ist es drauf auf der Liste und wenn's drauf ist dann lese ichs!

00:59:22: Naja also ich hoffe freu mich.

00:59:24: Vielen Dank für das Gespräch.

00:59:25: Ich danke dir!

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