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00:00:00: Ich finde überhaupt dieses Sprechen über Gefühle extrem schwierig.
00:00:04: Also auch, es gibt so diese Empathieforderungen und so wo ich denke was hilft mir denn Empathie?
00:00:10: Ich möchte vernunft ja!
00:00:12: Ich möchte das hier einfach irgendwie aufhört den Blödsinn nach zu quatschen, also sozusagen die Hamas Propaganda oder man ist ja auch nachweisbar wo dies herkommt.
00:00:58: Es ist Donnerstag.
00:01:01: Es ist wieder eine neue Folge da.
00:01:03: Das alles muss rausbaut krass.
00:01:05: Und weil wir uns entschieden haben, in den nächsten Wochen und Monaten hier ganz zarte Änderungen durchzuführen.
00:01:12: Eine dieser Änderung ist Wir wollen zeitlosere Themen besprechen die aber doch einen aktuellen Bezug haben.
00:01:20: Ich habe heute über Antisemitismus gesprochen etwas das tatsächlich zeitlos ist.
00:01:24: Antisemitism begleitet uns nicht erst seit den letzten Jahren sondern seit eigentlich Jahrhunderten in Europa spricht mit mir darüber, was es heißt im einundzwanzigsten Jahrhundert.
00:01:36: Im Mai... ...zweitausendzechsundzwantzig jüdisch zu sein!
00:01:41: Wir reden darüber warum sich die Synagoge als Safe Space entwickelt hat?
00:01:46: Was das bedeutet auf Partys immer wieder dieselben Fragen beantworten zu müssen und wie man damit umgeht dass man seinen Kindern sagt ey sag in der Schule, dass du jüdischen Glaubens bist.
00:01:56: Ich möchte nicht, dass du das verheimlichst.
00:01:58: Und warum es so wichtig ist eine religiöse Gemeinschaft zu finden?
00:02:00: All diese Dinge haben wir besprochen und zwar furchtfrei und das fand ich besonders schön!
00:02:07: Deswegen liebe Hörerinnen und Hörern kann ich dieses Gespräch euch sehr empfehlen.
00:02:10: und dieses Gesprich beginnt nach einer kleinen Patreon Werbung die jetzt kommt.
00:02:18: Warum Patreon?
00:02:20: Echt wirklich die aller zur Beantwortung.
00:02:21: also wirklich diese Frage ist so einfach zu beantworten nämlich Ihr macht diesen Podcast möglich.
00:02:27: Was bekommt ihr dafür?
00:02:29: Ich glaube, ihr könnt's kaum noch hören weil es jede Woche ja wiederhole aber ich wills einfach nochmal gesagt haben!
00:02:33: Ihr bekommt wirklich tadellose, factgeschäckte Gespräche mit Martin Lautwein unter anderem über das was in der Welt passiert.
00:02:41: Ihr bekommt Diskussionen über Literatur und Bücher.
00:02:44: Ihr kommt mein Vater, der euch die Welt erklärt.
00:02:48: Ich meine was machen Boomer am liebsten?
00:02:50: Jungen Leuten die Welt erklären.
00:02:51: Aber mein Vater schafft dass ist nicht nervt all das für drei, fünf oder neun Euro.
00:02:56: Mein Vater kriegt da im Übrigen nur für Neun Euro.
00:02:57: also entscheidet euch schnell!
00:02:59: Das alles macht Patreon euch möglich.
00:03:01: das macht uns möglich dass wir unabhängigen Journalismus machen und dafür sage ich an dieser Stelle danke.
00:03:08: Und ich möchte noch eine zweite Werbung an dieser stelle machen und zwar Für Lea Streisand Auftritt Im Pfefferberg am ersten sechsten.
00:03:16: Präsentiert sie dort zum wiederholten Male weiß ich gar nicht.
00:03:19: die präsentierte auf jeden Fall ihr buch über das berlinerische Und es gibt wohl kaum jemand der schöner Ostberliner als Leerstreisern.
00:03:28: Also kann ich jedem und jeder Person empfehlen, dort einfach hinzugehen sich voll Berlin anzulassen?
00:03:32: Macht das bitte!
00:03:33: Erster Sechster, Pfefferberg.
00:03:40: Wir sprechen heute beide über ein Thema Das eigentlich nicht schwer zu besprechen sein sollte Einen eigentlichen Thema über das man reden kann diskutieren kann.
00:03:50: Worüber reden wir denn?
00:03:51: Ich wollte mit dir was jüdisch sein und Antisemitismus
00:03:53: sprechen.
00:03:54: Es ist ein ganz einfaches Thema, warum kein Problem.
00:03:57: Das
00:03:57: Krasse ist auf dem Weg hierher... ich bin zu spät zu diesem Interview gekommen habe ich darüber nachgedacht.. Was wird meine Einstiegsfrage?
00:04:03: Und dann hab' ich überlegt Warum ist es überhaupt so schwer über dieses Thema zu reden?
00:04:07: Was ist in den letzten Jahren passiert?
00:04:08: und war's vielleicht immer schon schwer?
00:04:10: Deswegen habe ich so geschwommen in dieser Frage.
00:04:13: Deswegen wähle ich eine einfache Einstiegsfrage Hast du das Gefühl, dass du im Jahr im Mai Jüdischer bist als du es möglicherweise in den Jahren davor warst?
00:04:26: Auf jeden Fall.
00:04:28: Also ganz konkret bin ich tatsächlich gerade im Giur drinne also in diesem Übertretungsprozess weil ich bin ja nach dem jüdischen Gesetz keine Juden und habe auch ewig oder was heißt ewig hab lange gehadert.
00:04:43: irgendwie ist doch Blödsinn Man wird doch nicht jüdisch.
00:04:47: Was soll der Quatsch?
00:04:48: Also Religion im... Im XXI.
00:04:50: Jahrhundert ist da eh überflüssig, aber ich hab einfach, naja durch den siebten Oktober, dreiundzwanzig mich so... also da is' einfach die Welt um mich rumzuscherben.
00:05:01: zerfallen kann man sagen und man hat mir wirklich den Boden unter den Füßen einfach mal weggezogen.
00:05:05: Und so ein paar Sicherheiten, die ich hatte, so funktioniert die Welt und das sind auf jeden Fall feststehende Sicherheiten um mich rum in meinem Alltag, indem ich mich bewege.
00:05:17: Die wurden einfach mal weggeschaufelt durch diesen Überfall der Hamas auf Israel und vor allen Dingen durch die Reaktionen
00:05:24: danach.".
00:05:25: Ich stelle dir mal ganz viele Fragen heute aus der maximalen Ahnungslosigkeit heraus.
00:05:28: Weil ich befürchte oder denke, dass viele Menschen wenig wissen über das Jüdischsein was jüdisch in Deutschland sein bedeutet.
00:05:35: man kennt es aus der Schule und die gelernte Betroffenheit an den Feiertagen oder Gedenktagen aber was das eigentlich bedeutet weiß man nicht.
00:05:44: deswegen wirklich maximale Ahnungslosigkeit?
00:05:47: wenn du sagst dass du jetzt zum Judentum Übertrittst, warum bist du keine richtige Jüdin?
00:05:53: Was heißt das?
00:05:54: Weil also ich komme aus der jüdischen Familie.
00:05:55: Ich habe einen total jüdischen Namen.
00:05:57: Also Streisand ist ein jüdischer Name ist klar und auch Lea ist eine jüdische Vorname noch dazu aber nach der Halacha ist man nur jüdig weil man eine jüdische Mutter hat Und in meiner Familie war mein Urgroßvater der Letzte Jude, der eine jüdische Mutter hatte.
00:06:14: Und mein Urusvater hat eine Christin geheiratet und hat mit ihr Kinder gekriegt.
00:06:18: Die waren trotzdem alle von der Judenverfolgung betroffen.
00:06:22: also all der Geschwister meines Urgos Vaters sind ermordet worden von den Nazis.
00:06:27: Das ist der springende Punkt.
00:06:29: Mein Urus Vater hieß Hugo und seine Schwestern hießen Bianca und Magarete und es gab noch einen Willi glaube ich.
00:06:36: Also sozusagen das war ein Deutsche.
00:06:38: Es waren überzeugte Deutsche die kamen aus Posen, glaube ich.
00:06:43: Also heutiges Polen und haben sich als Deutsch gefühlt.
00:06:47: Die waren alle Buchhändler, Bibliothekare die haben Zeitung gemacht und so.
00:06:51: Die haben was ich auch erst mal verstehen musste durch die Reichsgründung.
00:06:55: Achtzehn-Einund-Siebzig wurden die plötzlich zu deutschen Bürgern, was sie vorher nicht waren.
00:07:00: also Feuerwarn waren Juden sozusagen vor dem Gesetz diskriminiert.
00:07:05: Und mit dieser ReichsGründung wurden Juden zu Bürgeren gemacht.
00:07:08: In diesen ganzen europäischen Nationalstaaten Bewegung kam es halt zu dieser jüdischen Emanzipation, dass die Juden eben Bürger wie alle anderen plötzlich waren.
00:07:17: Vorher waren sie immer ausgegrenzt, konnten ganz viele Berufe nicht machen und nicht riecht da werden in bestimmte Ämter nicht kommen usw.
00:07:24: Und sofort plötzlich ging das alles.
00:07:26: und dann entwickelte sich natürlich so fort der Antisemitismus, der denn gesagt hat, die sind aber eine andere Rasse und die sind per se schlecht.
00:07:35: also da wurde einfach ein anderes Konzept von Ausgrenzung entworfen um die weiter draußen zu halten.
00:07:41: Ich erst mal lernen musste, ist dieses ganze Konglomerat von Warum sind die hier geblieben?
00:07:49: Wie standen sie denn zu Deutschland und zur DDR.
00:07:53: Und warum ist das alles passiert?
00:07:56: Und warum wollten die keine Juden sein?
00:07:58: Mein Urgroßvater hat immer von sich selber gesagt ich bin kein Jude.
00:08:01: Das wollte ich gerade fragen.
00:08:02: Er hat es abgelegt!
00:08:04: Also er hat selber tatsächlich auch im Zuge der Judenverfolgung, sich seinen Austritt aus der jüdischen Gemeinde bescheinigen lassen.
00:08:14: Was vor dem jüdischem Gesetz nischt wert ist.
00:08:16: im Grunde weil das zählt nicht.
00:08:18: aber er hat sozusagen versucht sich und seine Familie zu beschützen indem man den Nazis so ein Schriebs vorgelegt habt.
00:08:24: und da steht drauf irgendwie Hugo Streisand ist kein Mitglied der jüdischen gemeine Berlin mehr Und es hat ihn tatsächlich gerettet.
00:08:32: Der hat im Verborgenen, im Versteck so oder im Halbverborgennen überlebt die Nazi-Zeit und der hatte einen Antiquariat.
00:08:42: was gut läuft wurde natürlich enteignet und in der pogrom nachts zerstört usw.
00:08:46: Er hatte noch bis fünftig gelebt.
00:08:48: dann ist er gestorben und seine Kinder sind in den Osten gegangen.
00:08:52: Die haben die DDR sozusagen mit auf gebaut.
00:08:55: Die haben sich also dem Kommunismus zugewandt und mein Großvater war ein ganz wichtiger Historiker in der DDR, und er war denn an einer Humboldt-Uni Geschichtsprofessor Großtante, die Schwester meines Großvaters.
00:09:15: Die war zum Beispiel ... Sie hat sich als Christin gesehen oder sie war Christin und dann ist ja schon die Definition hey was bist du jetzt?
00:09:23: Und warum?
00:09:25: Und wieso bin ich jetzt jüdisch?
00:09:26: das ist tatsächlich für mich so eine Frage wie so da stimmt doch irgendwas nicht.
00:09:31: der Punkt war aber dass Dieses Einverständnis.
00:09:35: Wir gründen die DDR auf der Überzeugung, dass wir einen antifaschistischen Staat brauchen um damit sowas wie Auschwitz und die ganzen Lager und dieses ganze Grauen nicht wieder vorkommt und das dadurch automatisch Juden geschützt werden und dass wir aktiv daran mitarbeiten.
00:09:52: Und ich war davon ausgegangen, dass Dissenkonsens ist.
00:09:55: Dann kommt der siebte Oktober und dann gibt es diese Sprechköre Free Palestine from German Guild.
00:10:04: Also ich bin wirklich so richtig aus allen Wolken gefallen.
00:10:10: Und dann bin ich einfach nur im Zuge meiner Hilflosigkeit, dass sozusagen jeder dem du erklärst irgendwie... Ich fühle mich angegriffen davon und ich finde es total.
00:10:20: wieso werden denn jetzt hier plötzlich Juden verfolgt?
00:10:22: Wieso werden den jetzt hier Hakenkreuze?
00:10:24: also da kommen in mir einfach ganz klassisch die transgenerationellen Ängste wieder hoch.
00:10:29: das kenne ich schon aus Erzählungen.
00:10:32: Wie soll ich mich denn da verschützen?
00:10:34: Und dann kam halt der Vorschlag, na ja, den geht in die Synagoge.
00:10:39: Vorher gab es häufiger schon Momente in deinem Leben, wo du gesagt hast, ich könnte jetzt schon mal in die Synergoge gehen.
00:10:45: oder war wirklich der siebte Oktober ... Der Auslöser und nicht dass das Fehlende in deinm Leben sagen, okay, das ist der Moment, dass ich gehe oder so, sondern war der SiebteOktober eher so, nee, das is jetzt so der moment, wo ich mich meiner jüdischen Identität stelle.
00:10:58: Ja genau so kann man's durchaus formulieren weil vorher also Wir sind Berliner und ich sage immer, unser Verhältnis zum Allmächchen ist mehr so wie das der Fahrgäste zum Busfahrer.
00:11:08: Man lässt den Mann seine Arbeit machen und geht sich nicht auf einen Sack.
00:11:11: Also es ist so... Ich bin ja nun nicht irgendwie tiefgläubig oder irgendwas also dazu sind wir in Berlin einfach schon historisch viel zu sehr offenboden sondern es geht tatsächlich um so ein verloren sein und so mein verhältnis zur Religion.
00:11:27: In dieser Merkwürdig- Christlich-Jüdischen-Familie, also es wurde zum Beispiel von meiner Urusmutter.
00:11:32: Es wurden Braches gebacken, der Hefezopf aber es wurde natürlich Weihnacht gefeiert und auch mal ganz wichtig mit den Kerzen weil Weihnachten halt einfach die deutsche Tradition ist nicht weil's christlich ist sondern weils der Tannenbaum ist eine deutsche Tradktion das haben die Deutschen erfunden Und dann kann man sagen, Theodor Herzl hat da auch einen Tannenbaum.
00:11:52: Das sind alles so bürgerliche Insignien und meine... Also Familie Streisern hat sich...
00:11:57: Also Theodor Hertzl für Kontext ist sozusagen der, der die Idee mit Israel und wir gehen dahin?
00:12:01: Genau!
00:12:02: Wir gründen den jüdischen Staat hatte genau.
00:12:04: Und das sind alles bürgernische Insignen.
00:12:07: Also sozusagen dieses Weihnachtsfest wie wir es kennen der Initiationsritus, der jährliche des Bürgertums.
00:12:15: Wir treffen uns einmal im Jahr und zeigen uns gegenseitig wie reich wir sind und dass wir als Familien noch existieren und das wir zusammenkommen unter diesen Symbolen sozusagen deutscher Bürgerlichkeit ist so.
00:12:28: Das wurde gemacht in Familie Streisern und gleichzeitig irgendwie wurde auch immer sozusagen mit diesem jüdischen Erbe, irgendwie Navi sind halt so.
00:12:35: Und irgendwie so merkwürdig und ja bei Religion najaa und Israel najaaa.
00:12:41: Und trotzdem war aber also jede Form von Antisemitismus natürlich ein totales No-Go!
00:12:47: Und schon das alleine ist ja so'n Konsens der mit dem siebten Oktober einfach flöten gegangen ist.
00:12:54: Hast
00:12:54: du das Gefühl dass diese Antisematismus ab dem sieben Oktober dass der so hervorgetreten ist oder ist er neu entstanden?
00:13:02: Der war da.
00:13:04: Wie hat man den gespürt, wie hast du den gesperrt vor dem siebten Oktober?
00:13:09: Ich war auch eine von den naiven Personen die das beiseite geschoben haben.
00:13:15: also es Und schon während der Pandemie kam ja diese Spinner, die sich diese gelben Sterne auf den Rippen mit ungeimpft.
00:13:23: Den dachte ich nur so, oh Gott ist das geschmacklos!
00:13:25: Aber da dachte ich wirklich, dass es einfach nur Provokation.
00:13:30: Und das habe ich nicht ernst genommen.
00:13:31: Genauso wie die Schimpfworte auf Schulhöfen, irgendwie du Jude, was waren Ditte?
00:13:37: Also dazu... Ich bin ja auch noch behindert!
00:13:39: Ich bin es gewohnt dass sozusagen Begriffe mit denen ich meine Identität beschreibe und als Schimpfsorte benutzt werden und dann dachte so oh krass Jude okay aber da wirklich eine Überzeugung dahinter steht, das hab' ich verdrängt, das habe Ich dachte wirklich, das sind ein paar Ören Nazis.
00:14:00: Weil ich die Idee auch einfach so dumm finde... ...die Juden für das Böse in der Welt verantwortlich zu machen.
00:14:06: Das ist ja auch einfach Hirnrissig!
00:14:08: Und ich habe das immer von mir.
00:14:10: und die Schmiereien auf irgendwelchen Grabsteinen... ...und der Angriffe auf Sonagogen und es wandeln.
00:14:15: Also ich hab dieses Narrativ der Einzitheter.
00:14:18: dachte ich auch so, krass.
00:14:20: Aber ich wollte halt nicht in so eine Angst hineingeraten wie eben meine Mutter, meine Großeltern sozusagen sich immer aufgehalten haben.
00:14:29: und meine Mutter hatte mir als ich ein Kind war vom Holocaust erzählt.
00:14:34: Und meine Mutter hat mir immer erzählt, dass sie eingeschult wurde.
00:14:37: am Tag der Einschulung hat sie sich umgeguckt unter ihren Mitschülern und hat gedacht wenn deren Eltern ihr Wonnen hätten wäre ich jetzt nicht hier.
00:14:46: Und das ist ja schon So ein Bewusstsein von ungefährer Bedrohung, in der man sich halt so aufhält.
00:14:54: Wie sahen eure Armbutstische eigentlich aus?
00:14:57: Stimmt
00:14:57: normal!
00:14:57: Aber wenn man als Kind so einen Gedanken hat... Wenn deren Eltern ihr Wonnen hätten wäre ich nicht hier.
00:15:02: Das macht doch ... Als Mutter die dann mit ihren Kindern also mit dir spricht das macht doch was.
00:15:08: wenn du sagst unser Existenz war der Grund warum wir hier sind ist Das Ende des Zweiten Weltkriegs, der Verdienst der Sowjet-Armee und der Amerikaner von der einen Seite.
00:15:20: Also wie redet man da miteinander innerhalb der Familie?
00:15:23: Und wie hat deine Mutter eigentlich reagiert?
00:15:25: dazu gesagt das Mutter ich gehe jetzt in die Synagoge.
00:15:27: Ganz super!
00:15:28: Und der Witz ist dass ich ja als ich da dann das erste mal mich reingetrauter weil irgendwie Religion ist ja schon auch immer so was ganz Intimes Doch im Team ist das richtig Wort, also Religion.
00:15:40: Da hatte ich auch mal das ja so was.
00:15:41: Das machen wir zu Hause unter der Bettdecke, es ist ein bisschen peinlich und besonders als
00:15:45: Berliner oder Berliner?
00:15:46: Ja!
00:15:46: Ich bin schuld gemacht.
00:15:48: Und nee meine Mutter fand's super.
00:15:50: und das Lust hier ist ja, als ich denn da angefangen habe hinzugehen in Dezember.
00:15:56: Dreiundzwanzig.
00:15:57: So hab' ich dann des Zweite Mal da gesessen.
00:15:59: und dann läuft in der schönen Sonnagoge in Arike Straße größte in Deutschland wunderschöner Bau.
00:16:06: Und dann läuft vor Beginn des Gottesdienstes, Freitagabend.
00:16:10: Der Schamm ist der Diener, der Synagogendiner durch die Reihen und bei den Frauen und fragt sind sie jüdisch?
00:16:15: Weil eine Frau soll die Kerzen anzünden – die Schabbatkerzen, die beiden Kerzen!
00:16:19: Und das Eingangsgebet sprechen.
00:16:21: so beginnt der Abend... Gottesdienst am Freitagabend.
00:16:26: Und dann lief der sozusagen die Reihen ab und hat die Frau so, sind Sie jüdisch?
00:16:29: Sind Sie jüdisch?
00:16:31: Dann kam er zu mir und sagt, ah da ist ja die Frau streich seid!
00:16:35: Ja aber ich habe gar keine Ahnung von irgendetwas.
00:16:38: So antwortete er, na dit wundert mich nicht bei der Familie.
00:16:41: Und ich so war es.
00:16:42: Und den kamen aber raus.
00:16:44: Nee, der hatte mit meiner Mutter zusammen studiert und meine Mutter ist auch schon in siebziern in die Synagoge gegangen.
00:16:49: also das sozusagen für meine Mutter war das viel selbstverständlicher als Versteht
00:16:54: sich deine Mutter als jüdisch?
00:16:56: Also sie sagt von sich selber, nee auch nicht wirklich.
00:16:59: Warum
00:17:00: geht man dann in die Synagoge?
00:17:01: Weil ich bin zum Beispiel ... In meiner Familie auch Berliner fünf Generationen zurück und niemand protestant seit eighteenundfünfzig oder so.
00:17:08: Für mich ist der Gang eine Kirche.
00:17:10: also kennst du das manchmal wenn man in einer Kaufhalle hinter den Fundautomat guckt und diese Welt wo die Produkte ordentlich sortiert sind?
00:17:18: Dann siehst du plötzlich diese Fundautomaten und es riecht nach Flaschen.
00:17:22: Das ist so ganz anders.
00:17:23: Und so fühlt sich das an, wenn ich in eine protestantische Kirche gehe... Was ist das denn für ne
00:17:27: Welt?
00:17:27: Schon in einer protestantischen Kirche!
00:17:29: Deshalb habe ich in der katholischen Kirchen.
00:17:34: Da ist ja erst mal Theater.
00:17:36: Also ich komme auch aus so einer Theaterfamilie, ne?
00:17:39: Und dann irgendwie war ich mal ein paar Monate in Baden-Württemberg für so einen Stipendium und dann wirst du natürlich auch hierher kommen nochmal an den Gottesdienst und dann sitzt man da mit dem Uffstehen hinsetzen und dann Dankeschön.
00:17:49: so dit machen und denkst du wird nicht langweilig, ne schläft man eigentlich ein weil es ja immer was zu tun und so.
00:17:54: So wie spannender als bei den Protestanten!
00:17:57: Aber für mich war das auch nicht so besonders, weil ich hatte tatsächlich auch eine Sehnsucht nach... nach Religiosität als Kind schon.
00:18:05: Das ist die Frage,
00:18:06: warum geht man da überhaupt rein?
00:18:08: Weil ich
00:18:09: auch einen Gott haben wollte!
00:18:10: Ich hatte eine Freundin in der vierten Klasse, kam ein neues Kind in meine Klasse.
00:18:14: Die war Polin und die war katholisch.
00:18:16: Und dann bin ich nach Hause gekommen und habe gesagt, dass wir auch einen gott haben.
00:18:19: Und dann sagte meine Mutter, naja, okay, Jude, dann probieren wir das hier mal aus.
00:18:27: Mein Stiefpapa ist auch Farassohn.
00:18:30: Das war nicht so weit weg.
00:18:32: Die Protestanten sind alle ein bisschen komisch und verklemmend aber jetzt nicht weiter krass oder so.
00:18:40: War dieses das Religiöse?
00:18:41: Sie sehen sich nach einem Gott schon im Dezember XXIII ... Da, oder entstand es seit dem innerhalb der zwei?
00:18:47: Für mich ist das das Gezerrste.
00:18:48: Ja die Sehnsucht nach dem Gott, das würde ich so nicht sagen... Nach einem Busfahrer.
00:18:52: Nach nem Busfahrern hier auch nicht!
00:18:53: Der ist ja da, der interessiert sich ja einfach nicht für mich.
00:18:55: Nee, die ist die Sehnsucht nach einer Gemeinschaft.
00:18:59: Es ist die Seehnsuch nach Leuten, die wissen wie's mir geht und bei denen ich nicht.
00:19:04: Also du erinnerst dich an dieses Corona-Gefühl.
00:19:07: Wenn man sich auf den Spielplatz mit anderen Eltern getroffen hat dann immer so Diese Gretchenfrage, wie hältst du's denn mit der Impfung?
00:19:14: Also so muss ich meinen Kind da jetzt wieder wegziehen und hat ja eine Maske auf oder nicht.
00:19:18: Und nach dem siebten Oktober war es für mich wieder dasselbe mit sozusagen ... Was kommt denn jetzt also das sich immer auf so ne Habacht-Stellungen kommt?
00:19:28: jetzt ein blöder Spruch!
00:19:30: Du musst dich wenn du in der Synagoge bist nicht rechtfertigen.
00:19:33: Ich bin einfach da, ich muss mich nicht rechtfärtigen... Musstest
00:19:35: du dich rechtfertigend?
00:19:36: Gab's Momente in dieser Welt außerhalb der Synogoge?
00:19:41: Was wird er von dir erwartet?
00:19:44: Es wird erwartet, dass man Israel-Scheiße findet.
00:19:48: Wenn man sagt, das bohr krass, siehnt der Oktober und was da passiert ... Ich dachte ja, es wäre nicht möglich.
00:19:55: Aber bitte sofort sagt, bei Israel ist auch schlimm!
00:19:59: Und dass man dann so fort die irgendwie ... mindestens Netanjau verurteilt und die Siedlungspolitik usw.
00:20:08: Davon rede ich aber gar nicht, rede von Freudenfesten auf der Sonnenallee und ich rede von irgendwelchen Studierenden in einer UDK, die Hamas Propaganda an ihre Wände hängen und so völlig normal.
00:20:23: Ich rede von einer Normalisierung von Narrativen, die ich wirklich dachte – das hätten wir hinter uns!
00:20:30: Und ich geh in die Synagoge, weil das ... Also, ich bin auch so ein sehr aufgeregter Mensch und verkopfter Mensch.
00:20:37: Und immer Freunde, die sagen ja, Lea, du müsstest mal Yoga machen, Meditieren oder so.
00:20:43: Entschuldigung ist mir zu eilbar.
00:20:45: Jeder, der mir irgendwie mit Self-Care tralala ...
00:20:50: Wenn's den Personen hilft?
00:20:52: Sollen sie machen.
00:20:54: Aber sozusagen dieses ... Da gibt es aber einfach eine ... So eine Liturgie, so ein Ritual von... Es hat einfach wie jedes Rituaal was sehr beruhigendes.
00:21:05: Wenn man egal was passiert ist trotzdem jeden Freitag und Samstag wieder dahin gehen kann und das ist trotzdem wieder dasselbe Rituel.
00:21:13: Und es wird ja immer irgendwie die Textstellen im Rhythmus gelesen und darauf kann man sich verlassen.
00:21:19: Denn es hat schon auch einen Aufräumeffekt.
00:21:23: Und dass man mal kurz auf den Gedanken kommt Ja, ist alles furchtbar.
00:21:28: Aber wir sind ja noch da!
00:21:31: Ist die jüdische Gemeinde toleranter geworden nach dem siebten Oktober?
00:21:34: Was die Aufnahme von Mitgliedern betrifft, die nicht sozusagen eine jüdischen Mutter haben?
00:21:39: Ich kann mich erinnern dass vor Jahren als Myrna Funk Schriftstellerin auch Ostberlinerinnen in der jüdischem Gemeinde zu Berlin wie sagt man mitglied wurde dass es da so Proteste gab, das ist dann so Dein.
00:21:53: Da sie ist ja gar keine richtige Jüdin, weil ihre Mutter ist ja kein... Sie ist einfach sogenannte Vaterjude und ich habe das sehr genau beobachtet, weil ich das hochinteressant fand, dass man sich dann so ein Konflikt entstehen
00:22:03: konnte.
00:22:05: Sind diese Konflikte weniger geworden?
00:22:07: Ich glaube die Diskussion gibt's nach wie vor.
00:22:10: Mörner Funke hat auch einfach einen Gio gemacht also so'n Proformer-Gio irgendwie sozusagen dass sie sich vor so einem Rabbinergericht hat bestätigen lassen, dass sie dazu gehört.
00:22:22: Fertig!
00:22:25: Und diese Diskussion gibt es ja immer wieder... Weil die
00:22:28: treffen dich hier auch eigentlich?
00:22:30: Ich zieh mich da raus weil ich sozusagen ... Vor dem siebten Oktober habe ich immer gesagt Das jüdische an mir sind meine jüdischen Ängste.
00:22:39: Und mein Transgenerationstrauma und die Panikattacken, die ich kriege, wenn nicht irgendwelche jüdischem Symbole ... das war ja so pervers, dass ich sozusagen mit diesem alles was mit Judentum zu tun hab, weil ich irgendwie dieses ... Ich glaube bei mir habe ich mir das immer erklärt, dass es wurde meiner Familie aufgestempelt zum Abschuss freigegeben, im Grunde.
00:23:02: Also eine nicht religiöse Familie wurde trotzdem ausgelöscht weil sie als jüdisch markiert wurden und deshalb habe ich gesagt boah und bleib mir damit weg und glaube auch aus einer DDR-Sozialisation.
00:23:17: also Religion ist nichts Zivilisiertes und braucht man nicht oder so Genau, und deshalb kann keine Aussagen über die jüdische Gemeinde zu Berlin.
00:23:26: Das ist einfach ein viel zu großer... Ich fand
00:23:29: es nur interessant, dass es diesen Konflikt war.
00:23:31: Ich mich das dann als ungläubiger.
00:23:33: Mich immer gefragt habe, ich verstehe den Streit gar nicht!
00:23:36: Diese Gemeinde ist so klein und so, wer sich bekennt dazu?
00:23:41: Ja aber das gehört ja zur jüdischen Tradition dazu.
00:23:44: Es gibt ja dem berühmten Witz was macht einen Judewenner auf einer einsamen Insel kommt er baut zwei Synagogen warum zwei damit da in die eine niemals einen Fuß setzen
00:23:52: muss.
00:23:53: Es gehört schon auch dazu, dass man irgendwie sozusagen immer alles kompliziert macht und genau dafür werden die Juden ja auch permanent angegriffen.
00:24:01: Was glaubst du ist der Grund dafür?
00:24:03: Dass die Anerkennung des Schmerzes von Jüdinnen und Juden in Deutschland nach dem siebendten Oktober so schwerfällt.
00:24:11: Dass es so still ist große öffentliche Mitleidsbekundungen zu sagen.
00:24:15: also jetzt besonders In den letzten anderthalb Jahren würde ich sagen, das Bekennen dafür zu diesem Schmerz.
00:24:21: Warum ist es so schwer geworden?
00:24:24: Warum trauen sich Menschen nicht mehr so richtig zu sagen die Jüdinnen und Juden in Israel tun mir Leid was sie da am sieben Oktober erlebt haben?
00:24:32: Haben Sie das je?
00:24:35: Haben sie das jedem Mitleid geäußert mit jüden und judenen?
00:24:38: Da freu ich hinaus.
00:24:39: Also der Punkt ist ja, dass es gibt... Ich hab mich erst mal nach dem sieben Oktober sozusagen erstmal Nachhilfe in Antisemitismus-Geschichte nehmen müssen und mir das auch angeguckt.
00:24:50: Dass es eigentlich schon immer so war, also wie gesagt in dieser europäischen Nationalstaatsbewegung man brauchte die Juden auch um sich irgendwie abzugrenzen, um jemandem zu haben, der irgendwie blöd ist weil das hilft einer Gemeinschaft immer näher zusammenzurücken.
00:25:07: Mitleid hat man, glaube ich am Ende immer nur mit sich selber.
00:25:10: Und... Mit Gefühl ist das bessere Wort?
00:25:12: Mit
00:25:12: Gefühl ja.
00:25:13: also sozusagen diese ganzen Emotionen.
00:25:15: Also ich finde es schwierig.
00:25:18: Ich finde überhaupt dieses Sprechen über Gefühle extrem schwierig.
00:25:22: Also auch gibt's so diese Empathie Forderungen und so wo ich denke was hilft mir denn Empathy?
00:25:27: Ich möchte vernunft Ja!
00:25:29: Ich möchte dass ihr einfach irgendwie Auch hört den Blödsinn nach zu quatschen, also sozusagen die Hamas-Propaganda.
00:25:38: Es ist ja auch nachweisbar wo das herkommt.
00:25:40: Die haben große Netzwerke, die gezielt so was in die sozialen Medien reinfüttern und das springt halt Leute darauf an, die einen Sinn im Leben
00:25:49: finden.
00:25:50: Ich will dir aber widersprechen, weil ich glaube dass es da vernunft nicht weiter hilft.
00:25:52: Du musst empathisch sein um diese Äußerungen nicht mehr zu treffen Um Menschen nicht mehr so verletzten zu wollen.
00:25:57: Umso vernünftiger du wirst, umso einfacher und so empfänglicher bist du meiner Meinung nach für Zwecke missbraucht zu werden.
00:26:04: Weil vernunft, es kommt mir zu pass deswegen bin ich jetzt mal antisemit oder anti muslimisch oder ich finde schwuleblöd so.
00:26:11: das ist so dass diese entscheidung triffst du
00:26:14: aber es ist doch total unvernünftig schwule blöd zu finden.
00:26:17: also weißte ich meine ja mit vernunft irgendwie einfach wenn wir wenn wir von so einer grundsätzlichen menschlichen Verantwortung von so einem grundsätzlichen Humanismus ausgehen.
00:26:27: Wieso sollte ich denn so eine kleine Gruppe wie die Juden?
00:26:30: Das sind so wenige Leute!
00:26:32: Was sollen die
00:26:33: denn?!
00:26:33: Und dann sieht man, was sich die Leute so erzählen und diese zionistische Weltverschwörung.
00:26:38: und so wollen wir den Fake-San zu lachen durch Entschuldigung.
00:26:42: Aber eben zu lernen – das haben wir bei Corona gelernt – die Leute glauben alles wenn es ihnen passt.
00:26:47: aber das ist eben nicht vernünftig Weißt du?
00:26:50: Vielleicht brauchen
00:26:51: wir ein beides.
00:26:52: Vernunft und Empathie, vielleicht gibt es einen Wort, das beides beschreibt.
00:26:56: Ein
00:26:57: gesunder Menschenverstand.
00:26:58: Genau!
00:26:59: Das brauchen wir und der ist er Pannen gekommen.
00:27:02: Ich weiß es nicht.
00:27:03: ich glaube die Leute haben einfach ganz viel Angst.
00:27:05: Ich glaube dass die Leute einfach wahnsinnig viel Angst haben und deshalb so dringend nach Sicherheiten suchen und so ein ordentliches Feindbild ist.
00:27:13: eine super Sicherheit wird immer gerne genommen wenn man jemand hat.
00:27:17: Und das Schöne ist ja, dass nach dem siebten Oktober hat sich rauskristallisiert, man darf jetzt Juden wieder Scheiße finden!
00:27:23: Das ist doch super und das entlastet so schön weil irgendwie haben wir es ja immer geahnt.
00:27:27: also Adorno hat den Antisemitismus das Gerücht über die Juden genannt und das trifft das einfach weil ich habe gehört das naja der ist auch Jude.
00:27:38: aha okay und das steckt ja in uns allen drin.
00:27:41: und darum geht's mir und deshalb finde ich das mit der Empathie so schwierig, weil Gefühle docken zuallererst beim Unbewussten an.
00:27:50: Und das Unbewuste ist eben nichts was du bewusst steuern kannst sondern das unbewusste is das was dich entscheiden lässt... Nee!
00:27:59: Ich glaube das kommt mir richtig vor.
00:28:00: wenn du dann die Wege zurück verfolgen musst und wie lange Psychoanalyse machen um rauszufinden warum?
00:28:06: Ist mir das denn jetzt näher als das?
00:28:08: Und dann musst du nicht nur Psychoanalyse, also deine persönliche Vergangenheit befragen und die deiner eigenen Familie sondern auch irgendwie die Sozialisation aus der Du kommst.
00:28:18: Dann erklärst du dir selber irgendwann warum... du diesen Weg gegangen bist.
00:28:24: Und das sage ich immer, der freie Wille ist für mich ungefähr so groß.
00:28:28: Du
00:28:28: zeigst jetzt dir für die, diese
00:28:30: Spotgasse ganz klein?
00:28:31: Genau, so mini-mini und eigentlich es sehr viel irgendwie... So!
00:28:37: Und dieses kleinen Spielraum an Freien Winden, den sollte man meines Erachtens aber dafür einsetzen, irgendwie anständig zu sein Und eben nicht irgendwie die einfache Lösung zu finden und eben die Schuld einer kleinen Gruppe von Leuten zuzuschieben, die sich nicht wehren können.
00:28:55: Also würdest du sagen Antisemitismus ist auch einfach unanständig?
00:28:58: Diese Menschenhassengruppen.
00:29:02: Mit dumm?
00:29:02: Ja, es ist simple und dumm... Es hat eine sehr lange Geschichte.
00:29:08: Das muss man auch verstehen.
00:29:09: Also die Schnelligkeit oder diese Reflexhaftigkeit mit dem das alles wieder hochkam nach dem siebten Oktober zeigt ja dass da offensichtlich nur eine sehr dünne Föhrnis oben drüber lag.
00:29:22: Die so an Zivilisiertheit und Anständigkeit macht man nicht.
00:29:28: dass da wirklich nur so eine Milchpelle drüber ist.
00:29:30: Genau, Milchpelder ist schön genau und dann kann man sich aber einfach historisch.
00:29:35: ich finde immer also wenn man sich fragt wo kommt diese Normalität her in der wir leben?
00:29:41: Dann hilft es immer sich irgendwie historisch damit zu beschäftigen und dann sieht man eben in der Geschichte also das einfach die Geschichte der westlichen Zivilisation eine Geschichte des Antisemitismus.
00:29:53: Das ist halt einfach mit den Römern angefangen.
00:29:56: Da gab es so ein Anti-Judaismus, dann kam das Christentum, wir haben sich abgegrenzt und dann wurde das immer schärfer.
00:30:03: Und dann kam irgendwann die Nazis und haben sich die Entlösung ausgedacht.
00:30:10: Das ist ja irgendwie Schulwissen was wir gerade besprechen.
00:30:14: Ich finde es interessant dass wir dieses Gespräch wirklich noch führen aber auch weil du wahrscheinlich diesen Satz gehört hast Ich bin ja nicht antisemitisch.
00:30:26: Aber ich meine das nicht antisemitisch, wie reagiert man denn darauf?
00:30:28: Was ist der Satz...ich mag ja nur nicht Israel!
00:30:31: Ich habe ja nichts gegen Juden.
00:30:32: Das ist ja so ein sehr häufig verwendeter auch der jetzt mittlerweile sehr öffentlich verwendeter Satz, der bei mir als Mensch, nicht als Journalist, da höre ich dann einfach zu ganz neutral aber macht mich misstrauisch wenn jemand das sagt.
00:30:44: So was macht es mit dir und was ist die Erwiderung darauf?
00:30:47: Ja, schwierig.
00:30:49: Ich weiß gar nicht ob Leute das noch zu mir sagen weil ich irgendwie als sozusagen von vornherein mittlerweile sage... ...ich komme übrigens aus einer jüdischen Familie da reißen sich die Leute mehr zusammen.
00:30:58: Weil ich mir den Mist halt nicht anhören muss.
00:31:00: Weil mich erst mal daraus arbeiten musste aus diesem totalen Schock.
00:31:04: wie kannst du denn sowas sagen?
00:31:06: Wieso ist das in deinem Kopf drin?
00:31:08: Weil ich halt den ersten Mal zu verstehen ach krass!
00:31:11: Ich bin offensichtlich anders aufgewachsen als andere für die solche Sprüche normal waren dass man irgendwie Judenwitze macht.
00:31:19: Das ging nicht, also niemals.
00:31:23: Ich bin mit dem Wissen von sehr vielen Toten aufgewachsen und das macht man nicht.
00:31:29: Und auch mit dem wissen, dass eben nur die Vernunft hält uns davon ab dahin zurückzukommen.
00:31:36: und die Entscheidung der Kampf dagegen.
00:31:40: Und wir sind jetzt soweit, dass wir keine Angst haben müssen.
00:31:43: Weil das Juden hier in Deutschland keine Angst mehr haben müssen und gerne hierher kommen.
00:31:46: Dass es eine Selbstverständlichkeit gibt und ein jüdisches Leben was immer so gerne betont wird.
00:31:53: Also tatsächlich vor drei Jahren habe ich einfach ne Panikattacke gekriegt mehr oder weniger.
00:32:00: Und mittlerweile sage ich naja du hast durch gegen Juden aber also hast du schon alles erklärt?
00:32:06: Warum musst du das betonen?
00:32:08: Was gibt dir das?
00:32:09: Also, ich... Ja.
00:32:10: Wenn du bei Radio Eins einen Kommentar machst oder wenn du darüber sprichst öffentlich, dass so wie wir euch hier gerade miteinander sprechen, wirst du angefeindet dafür?
00:32:17: Kriegst du Nachrichten, kriegst Du Botschaften, kriegt die Soziale?
00:32:19: Stimmt!
00:32:19: Aber ich... Dossiere das sehr geringe.
00:32:22: Also, ich hab dann nach dem sieben Oktober meine Instabennachrichtigung ausgeschaltet zum Beispiel.
00:32:28: Aus guten Gründen eben um den Mist nicht mehr direkt abzukriegen und ich guck im Grunde also so ein.
00:32:33: zwei Tage nach dem Prosting gucke ich mal drauf da kommt auch eher das positive Und dann ist irgendwann die Schwelle überschritten.
00:32:39: wenn dann dass die blöden Sachen kommen und dann muss man sich davon distanzieren.
00:32:42: und Ich habe schon auch ich habe eine gute Therapeutin.
00:32:45: also wir haben ordentlich geackert.
00:32:46: nach dem Sieben oktober
00:32:48: Darf ich da nur aus rein?
00:32:50: Was bespricht man da.
00:32:51: Ich kann mir das gar nicht... Also was sagst du da, was sagt man der Therapeuten dann?
00:32:56: Jetzt ist der siebte Oktober passiert und ich hab Angst oder...?
00:33:00: Ja, ich habe Angst.
00:33:01: Ich habe einfach sehr viel geweint.
00:33:03: Ich weiß nicht mehr wo ich bin.
00:33:07: So in was für einer Welt lebe ich denn hier?
00:33:10: Und ich habe das Gefühl dass alle mich hassen Und ich habe auch der Therapeuten misstraut.
00:33:14: Ich hab das aber so außen vor gelassen, weil ich dachte, nee, das schaff' ich nicht!
00:33:19: Also ich kann sie nicht auch noch hinterfragen.
00:33:21: Also ich hab im Grunde jedem misstrauert erst mal.
00:33:24: Erstmal sozusagen bei jedem davon ausgegangen dass er auch so denkt, dass die Hammars recht hatte mit dem was sie getan hatten und ich musste ganz langsam wieder erstmal Schritt für Schritt so... Mit wem kann ich ihn gerade überhaupt noch reden?
00:33:37: Von wem muss ich nicht befürchten, irgendwelche dummen Sprüche zu hören.
00:33:41: Und so und wir reden hier eben von der Zeit bevor der Krieg in Gaza losging also wir reden von den drei Tagen nach diesem Angriff diese unmittelbare Schock irgendwie nach diesem Massakar nach diesem Überfall.
00:33:55: davon reden wäre und das kam ja nicht erst mal oh das war jetzt krass sondern so eine Hähme sofort.
00:34:01: und naja es kommt ja auch nicht von ungefähr.
00:34:03: Was kann man denn darauf antworten?
00:34:06: Also wie gesagt, ich führe so eine Diskussion einfach nicht.
00:34:08: Ich habe mich... Geht raus!
00:34:09: Sagst du so?
00:34:10: Niemand macht das nicht mit mir glaube ich.
00:34:12: Ich weiß es nicht genau.
00:34:16: Ganz am Anfang hatte ich mal so eine Discussion mit einer jungen Frau die dann ... Naja, aber irgendwann ist doch auch mal gut mit Israel.
00:34:25: Irgendwann ist doch mal der Bonus aufgebracht.
00:34:28: und dann sag ich so, hey wovon redest du denn?
00:34:30: Wir reden hier von einem Staat und nicht von einem Menschen!
00:34:33: Und dann habe ich erstmal einfach ganz viel gelesen... Ich bin halt jemand um wie ich versuchte zu verstehen wovwon reden die Leute eigentlich?
00:34:41: Und habt dann irgendwie diese Personifizierung des Staates Israel als der Jude.
00:34:48: Das Böse und der Verurteilt werden muss, das ist im Grunde auch was.
00:34:52: Was da benutzt wird, um einfach so einen Sündenbock zu haben ist doch praktisch.
00:34:58: Dass der das im Grunde auch verdient.
00:35:00: und was das perverse daran ist eben also nochmal kurz zurück dass diese Narrative die existieren hat seit zweitausend Jahren Und das ist tief in unserer Kultur verwurzelt Also diese antisemitischen Narrative.
00:35:11: du hast heute noch an alten Kirchen irgendwie Juden-Karikaturen mit Schweinekopf.
00:35:20: Diese Geschichten existieren ja bis heute.
00:35:22: Und was ich zum Beispiel auch bei der Arbeit an dem Buch hier, an diesem Berlinerisch-Wörterbuch gelernt habe ist so im berlinischen gibt es ja auch ganz viele jüdische Ausdrücke.
00:35:34: und auch da für dieses Buch hab' ich wieder viel gelesen.
00:35:37: und dann habe ich z.B.
00:35:37: mit meiner Mutter gesagt, sag mal wusstest du das Mischpoker, an die sie mich durch gemeint ist?
00:35:43: Und sagt sie hey wieso heißt er einfach Familie und sage ja bei uns Aber wenn du das auf Hochdeutsch sagst, dann hat es einen ganz komischen Beigeschmack.
00:35:53: Und das sind so Sachen wo ich dir dachte, das wusste ich nicht!
00:35:57: Also für mich als Berlinerin ist jüdisch auch einfach sehr liebevoll weil irgendwie im berlinerischen und wie wir schimpfen angeblich viel aber eigentlich beschimpft vor uns vor allen Dingen selber.
00:36:07: Wenn ich sagen na Mähne mit Spoke, Na ja, man sieht in einem Lexikon aus dem Jahrhundert steht Spoke eine Ansammlung unsympathischer Leute.
00:36:17: Wo das so der Ja-Familie halt war.
00:36:21: Ist ja meine!
00:36:22: Dann darf ich das und diese Selbstverständlichkeiten dass jemand, der aber Hochdeutsch spricht, sagt gut es darf man nicht sagen.
00:36:32: Also da wurde dann irgendwie... Es sind immer wieder Gelegenheiten wo du den Unterschied zwischen dir selber und dem Rest der Welt erst mal feststellst.
00:36:41: Wie kriegen wir das denn jetzt eigentlich überwunden, die ganze Sache?
00:36:43: Die einfache
00:36:46: Frage ganz am Schluss.
00:36:47: Nicht in der Ostkonflikt sondern einfach so dass wir sehen, dass wir diese Verrohung innerhalb von Berlin... also mich schmerzt es natürlich auch in dieser Stadt zu sehen, ...dass diese Stadt nicht nur unsere Straßenlatern anders leuchten, sondern dass die Mauer auch noch an einer anderen Stelle verläuft nämlich an dem wie die Religionen in dieser Statt miteinander umgehen.
00:37:04: Du hast vorhin gesagt, dass Vernunft der Weg ist um diese Probleme zu überwinden.
00:37:08: Wie kriegen wir die für Leute vernünftig das wir wieder miteinander sprechen?
00:37:11: Dass wir aufhören antisemitische Klischees zu reproduzieren, dass wir aufhören muslimische, anti-muslimische Klischees zu reproduziere, dass du keine Angst mehr auf der Straße haben musst wenn du sagst ich bin Jüdin, nicht mehr sich entscheiden muss zu welcher linken seite man gehören möchte sondern dass man sagt okay ich habe eine linke identität.
00:37:31: Ich bin Sozialdemokrat, ich möchte mich aber nicht entscheiden auf welche Seite.
00:37:34: wir sind doch eigentlich alle Menschen.
00:37:35: also was können wir in einer annahme deiner Meinung nach tun?
00:37:39: In einer Annahme!
00:37:40: Also auf deutsche sacht und Geld Geld hilft.
00:37:44: Weil also diese ganzen Résentiments oder diese ganze Rückbesinnung auf die Altenrausentiments, und das ist eben Rassismus, Antisemitismus, Sexismus, also die Frauenfeindlichkeit behindertenfeindlicher, was war halt alles gerade so wieder an Normalität zurückkriegen?
00:38:00: Was wir schon überwunden geglaubt hatten hat ja einfach mit einem grundsätzlichen Unsicherheitsgefühl zu tun.
00:38:07: Also die Leute fühlen sich bedroht.
00:38:09: du kriegst ständig erzählt irgendwie die die Ressourcen werden knapp, es ist alles ganz furchtbar und wie wir müssen den Gürtel enger steilen.
00:38:16: Es gibt kein Benzin mehr um wie sollen alle mehr arbeiten?
00:38:19: Druckdruckdruck!
00:38:20: Und die Gelder sollen gestrichen werden.
00:38:22: und in dem Moment wo dir jemand was wegnehmen will kriegst du Angst.
00:38:26: und dann so ist halt leider einfach psychologisch oft so dass du dich da nicht gegen den wärst der's verursacht hat der dir erklärt das muss jetzt aber sein sondern du wütend auf jemander schwächer ist als du.
00:38:39: Also wenn dein Papa sagt, nee heute kein Fernsehen.
00:38:43: Dann haust du nicht den Papa sondern du haust deinen Hund oder deinen kleinen
00:38:46: Bruder.
00:38:49: Und diese ganzen Ausfälle gegen wie sagt man marginalisierte Gruppen sind einfach nur ein Ausdruck extremer sozialer Unsicherheit und dessen die Demokratie in Gefahr ist.
00:39:03: am Ende Wenn das alles wieder in eine Stabilität kommt und wenn es halt wirklich, ich glaube, es geht auch echt um Geld.
00:39:12: Also wenn man einfach sich klarmacht dass es nicht sein kann, dass es ein paar Multimilliardäre auf der Welt gibt und irgendwie die... Manche Leute, die einen acht-Stunden Job haben am Tag und davon nicht leben können Ich glaube ist halt so.
00:39:26: was sind das?
00:39:26: Und dann ebt das nämlich auch alles wieder ab Die ganze Aufregung.
00:39:30: Ich glaube mittlerweile man kriegt den Leuten das auch nicht ausgeredet.
00:39:33: Das ist halt da.
00:39:34: Und bei der Erkenntnis hat mir wirklich die, also die Synagoge geholfen.
00:39:39: Weil in der jüdischen Geschichte... Also nicht nur ist die Geschichte der europäischen Zivilisation eine Geschichte des Antisemitismus sondern das jüdische Selbstverständnis basiert ja auf diesem alle jüdischem Feiertag.
00:39:54: in einem Satz Sie wollten uns töten wir haben überlebt kommt Essen und Das klingt irgendwie krass, aber du glaubst nicht was das für ein Trost ist.
00:40:05: Dass man immer sozusagen bei jedem neuen Anschlag, bei jedem Scheiß der passiert, immer sagen kann ja es ist furchtbar, aber er ist nicht neuert wir kennen den schon.
00:40:16: Einige Freundinnen und Freunde aus Berlin jüdischen Glaubens haben sich entschieden die Stadt zu verlassen sind nach Frankfurt gezogen gehen woanders gehen ins Ausland oder Plan auch ins Auslands zu gehen.
00:40:25: gab's für dich einen Moment als Berlinerin also wirklich die Berlinerin zu sagen, eigentlich muss ich irgendwo anders hin?
00:40:34: Aber nicht deswegen.
00:40:35: Also, es gibt immer mal nach jedem Urlaub denke ich so oh Gott diese stinkende Loch an die so unfreundlichen Leute hier.
00:40:43: Und dann sagt mein Mann naja aber denn was ist denn da?
00:40:46: Theater isst ja nicht, Sonnagoge kannst du auch vergessen.
00:40:49: und deine Freunde und alle mit Fahrrad oder ohne Auto.
00:40:52: und dann sagt er ist gut okay wir bleiben hier.
00:40:54: also Ich hab davon abgesehen auch überhaupt kein Geld um woanders zu leben.
00:40:58: Auch da deswegen nie.
00:41:00: und der Punkt Ich bin ja sozusagen in der blöden Situation, ich bin ja eben keine anerkannte Jüdin und kann sowieso nirgendwo anders hin.
00:41:09: Also so... Und ich bin durch meine Behinderung zum Beispiel auch noch auf ganz andere Infrastrukturen angewiesen als jetzt.
00:41:16: nur darauf dass hier irgendwo eine Synagoge ist.
00:41:17: das könnte ich auch alles zu Hause machen aber ich brauche einen Schuhmacher, ich brauch nen guten Arzt und so weiter und so fort.
00:41:23: Und da is denn Ja es hat ein Drecksloch diese Berlin Aber mein Gott also woanders ist auch nicht besser.
00:41:28: Ich
00:41:28: find's krass, dass du da so radikal sagst Drecks-Loch?
00:41:32: Und da können wir mal kurz diese
00:41:34: Berlinerisch-Buch noch sprechen.
00:41:35: Wir lassen uns aber das Berlinerische
00:41:37: Buch noch mal kurz reden, was ich gerade ... Ich hab noch nie ein Buch geschrieben, was so viel Spaß gemacht hat und wenn man durch die Arbeit an dem Buch auch einfach versteht.
00:41:46: oder also was ich durch die Arbeiten verstanden habe, das war schon immer so!
00:41:49: Hier hat noch nie irgendwas funktioniert ja?
00:41:52: Wir haben schon immer andere Leute gesagt, wo es lang geht.
00:41:57: Also seit dem fünften Jahrhundert sind hier Leute mit mehr Geld und mehr Macht hergekommen und da haben wir gesagt, wir machen das jetzt
00:42:04: so.".
00:42:05: Und die Berliner haben gesagt, Moment mal!
00:42:08: Und dann wurde das aber einfach so gemacht wie die mit Geld gesagt haben.
00:42:11: Dann
00:42:11: hatten sie kein Geld mehr?
00:42:12: Und haben ihre Macht verloren oder... Ne,
00:42:14: die sind dann einfach woanders hin gegangen, wo's schöner war.
00:42:17: Oder haben ihr Geld beisammen gehalten und sich noch woanders ein Schlossi kauft oder Kinder hinkriegt oder so.
00:42:22: So diese Königsgeschichten, aber diese jüdische Resilienz mit dem noch so ein paar am Leben ist im Grunde sehr ähnlich der berlinischen Resilient.
00:42:34: Ja, es ist alles kacke, aber wo sollen wir sonst hin?
00:42:37: Welche Schnittmengen gibt's denn zwischen jüdischer Geschichte und Berliner Geschichte?
00:42:42: Also muss ja Schnittmenge geben große!
00:42:45: Also sozusagen hier haben, ich glaube im sechzehn Jahrhundert wurden hier gezielt fünfzig Familien die aus Wien vertrieben wurden rangeholt.
00:42:53: Die reichen, die fünftig reichsten Familien von Wien, die von Leopold dem Ersten rausgeschmissen wurden, wurden vom großen Kurfürsten her geholt und hier angesiedeltweise Geld hatten.
00:43:03: Die haben das bürgerliche jüdische Berlin begründet.
00:43:07: Und dann gab es noch die ganzen armen Städteljuden aus dem Osten, die aus Polen wieder zurückgekommen sind die Jahre vorher hingeflohen waren, da war hier ein Pogrom.
00:43:17: Da gab es wieder einen Pogroben und sind zurückgekommen.
00:43:20: Dieses Ashkenazische Yiddish, was wir heute hauptsächlich kennen, das kommt von diesen Juden aus dem Osten, die dann weitergezogen sind bis nach Amerika.
00:43:33: Aber die Schnittmenge ... Wir sind halt der letzte Dreck.
00:43:39: Das Witzige ist, also wo es sich zum Beispiel zusammenfindet.
00:43:44: Die Machtlosigkeit ist vielleicht die Schnittmenge und dieses Berlinerisch was wir sprechen du ja auch hat so eine Plattdeutsche Basis.
00:43:52: und diese Platt-Deutsche-Basis kamen von den merkischen Bauern, die hier aber in die Stadt rein durften, war zuvor nicht durften und Arbeiter wurden und zwar die ärmsten Schweine von allen.
00:44:03: Die haben den Dialekt mitgebracht im Grunde, weil die vom großen Kurfürsten hergeholt wurdenweise Geld hatten.
00:44:10: Also die französischen Adligen, die vor der französischen Revolution geflohen sind und die russischen Adligen, die von der Oktober-Revolution geflohnt sind.
00:44:17: Die haben natürlich nicht Berlin hat, sie haben vor allen Dingen Französisch gesprochen und in Charlottenburg gewohnt und in Potsdam und überall Davos... wo die Luft besser ist und die Häuser größer.
00:44:27: Und es immer noch so, genau deswegen wird da auf weniger Berliner das hier also auch da is wieder so ne man meint zu wissen woher kommt dort was mit DDR zu tun geht viel weiter zurück.
00:44:37: interessanterweise ist ja auch in Nordbrannenburg finde ich herwürtt ihr am schönsten berliner.
00:44:40: da hast du ja dieses da es verschmüscht dass sich langsam mit dem was im Mecklenburg gesprochen wird
00:44:45: und da
00:44:46: wird so richtig toll Berlin da
00:44:47: wird ganzes des eberswalder kanal.
00:44:50: sprich
00:44:52: morgens freitag Gehst du in die Synagoge?
00:44:56: Ich glaube, ich schaffe es nicht.
00:44:58: Weil ich würde gerne aber muss am Samstag schon wieder nach Rheinland falls weil ich da einen Aufenthaltsstipendium habe wo ich eigentlich die ganze Zeit sein müsste was ich nicht bin.
00:45:06: Aber deswegen...
00:45:07: Das ist doch so.
00:45:07: funktionieren Stipendien oder?
00:45:10: Dass man da ist.
00:45:10: Man müsste da sein aber man ist dann woanders.
00:45:12: Wahrscheinlich
00:45:12: genau!
00:45:13: Aber ja is schön da.
00:45:15: also das
00:45:18: Jetzt wirklich abschließende Frage.
00:45:20: Verstehst du dich schon so als jüdisch, dass du sagst ich gehe auch in eine andere Synagoge?
00:45:23: Ja tatsächlich.
00:45:24: also weil es mir einfach... Ein Geborgenheitsgefühl gibt einfach, wie dir Weihnachten feiern geborgenheit gefühlt oder Oster-Eier suchen.
00:45:34: Blick auf den Fernsehtom, Prenzlauer.
00:45:35: Das
00:45:36: ist mein Geborgeheitsgefühle.
00:45:38: und natürlich Weihnachten und Ostern ist auch Geborganheit für mich.
00:45:40: das ist ja das Schöne.
00:45:41: also Adriana Alteras die tolle Schauspieler Regisseurin Autorin schreibt.
00:45:47: in ihrem Buch hat sie geschrieben selbstverständlich feiern wir Nikolaus Wir sind Juden, wir nehmen alle Feiertage mit.
00:45:55: Also so, dann bin ich so ... Ja okay, da darf man das auch!
00:46:00: Es ist halt einfach.
00:46:01: dieses Jüdisch-Innerdiaspora bedeutet irgendwie, man nimmt natürlich die Kultur in der man lebt.
00:46:07: Und was soll liegt denn jetzt negieren?
00:46:08: Ich höre doch nicht auf irgendwas zu feiern, was ich mein Leben lange gefeiert habe und es durch irgendetwas anderes zu ersetzen sondern ich möchte ja eigentlich mich nicht mehr ausgeschlossen führen und ich möchte irgendwie wieder zu einer Sicherheit und einer Selbstverständlichkeit zurückkehren.
00:46:23: Und nicht jetzt irgendetwas anderes negieren, was selbstverständlich schon immer wahr für mich.
00:46:29: Mir fällt noch eine Frage ein kann ich die noch?
00:46:31: Unbedingt!
00:46:32: Sag mal was sagst du dein Kindern?
00:46:34: Mein Sohn sagt schon ganz selbstverständlichen Namen wir sind halt Juden.
00:46:38: Mama und ich sind Juden
00:46:40: Weil ich kann mich ändern.
00:46:41: Meine Eltern haben mich noch so mitgegeben, sagen mal nicht, dass du links bist, also früher in der Schule, sag mal nicht aus dem Osten kommst, wenn du in Westen fährst, das finden die vielleicht doof?
00:46:52: Sie wollten mich beschützen, indem ich bestimmte Dinge nicht sage!
00:46:55: Klar.
00:46:56: Ich hatte auch teilweise panische Angst.
00:46:58: Also ich hab dann auch so was erzählten nur an der Schule und wir haben aber auch einfach Glück mit der Schule.
00:47:04: Ich kenne Geschichten von Kindern, die in Wedding zur Schule gegangen sind.
00:47:10: Da hatte einer einen eigenen Pausenraum, damit er nicht aufs Maul kriegt.
00:47:14: Und ich hatte schon auch ein bisschen Schiss bei meinem Sohn.
00:47:17: aber tatsächlich ist das so eine entspannte Schule, dass finden die alle eher spannend irgendwie und da ist bisher noch nichts passiert und hoffen wir einfach, dass es dabei bleibt.
00:47:25: was sich an mir selber schon durchaus beobachte ist, wenn wir aus der Synagoge rauskommen, dass sie sagen kommt mal die Kippa her jetzt wir packen sie mal weg.
00:47:35: Das ist doch scheiße!
00:47:36: Ja, so ist es aber.
00:47:37: Also sozusagen so klar gibt's immer diese Leute die ja wir müssen irgendwie stolz und mit mehr Selbstbewusstsein und dann sage ich immer, ja kannst du gerne machen?
00:47:44: Ich bin eine behinderte Mutter und Fahrradfahrerin aus Ost-Berlin und das muss ich nicht auch noch.
00:47:52: Hast Du so einen Moment wo Du sagst, ich hab kein Bock mal drüber zu reden?
00:47:54: Gibt´s das auch?
00:47:55: oder sagst Du, ich werde da nicht müde... zu sagen, nee wir stehen jetzt da.
00:48:00: Das ist meine Identitätsstiften der Ort an denen ich gehe den will ich schützen auch mit dem ich mich öffentlich.
00:48:03: oder sagst du so ach wirst ich habe ich noch davon erzählt?
00:48:08: Ja klar wie bei allem anderen auch aber ich weiß nicht für mich es ist ja auch immer noch eine Annäherung also ich wäre ja auch noch gar nicht würde mich ja immer... Ich darf mich hier auch noch als Jüdin bezeichnen zum Beispiel sondern für mich ist es ja auch eine permanente Auseinandersetzung Weil natürlich finde ich auch nicht alles super.
00:48:29: Man kann die Frage
00:48:29: aus Rückstände, warum willst du das?
00:48:31: Ich
00:48:31: hab bescheuert!
00:48:33: Aber
00:48:33: grundsätzlich bei Religionen ist ja bei mir wirklich diese Frage so diesen Stress sich aufzubürgen weil du weißt ja nicht was über Morgenscheiße gefunden wird in der Gesellschaft.
00:48:40: Wer sind die nächste Gruppe die irgendwie angegriffen wird für ihren Glauben?
00:48:44: Ja genau wird sie denn da auch ein?
00:48:45: Nee aber dass der Punkt ist eben ich such' mir das ja nicht aus und das war für mich auch der Punkt weil ich schon gesagt habe ja ich hab doch gar kein Recht da jetzt irgendwie einzubrechen.
00:48:55: im Grunde Vater hat sich davon losgesagt und hat eine Christin geheiratet.
00:49:00: Und ist von seiner eigenen Familie dafür angegriffen worden, dass er seine Kinder hat taufen lassen um sie vor den Nazis zu schützen weil die gesagt haben entschuldigt es nicht das erste Pogrom was wir erleben.
00:49:11: deswegen musst du dich doch jetzt hier nicht abwenden.
00:49:13: und habe ich denn dann wirklich das Recht jetzt so zu sagen ich bin jüdisch und und ich möchte das jetzt sein nee aber Dann bin ich halt, dann hab' ich mich irgendwann getraut und bin zum Rabbi gegangen.
00:49:27: Und habe ihm die ganze Geschichte erzählt... ...und dann hat er nur gesagt, du bist doch schon einer von uns!
00:49:34: Also denn laufen ja natürlich die Tränen über das Gesicht aber so dieses... und das sagt mein Mann auch immer zu mir, dass für die musst du es nicht beweisen.
00:49:43: Also so und du solltest also sozusagen für dein Selbstverständnis irgendwie wenn du das brauchst, dann mach das.
00:49:50: Der Punkt ist, glaube ich.
00:49:51: Ich will ja auch niemanden beleidigen damit dass ich jetzt irgendwie mich adreiste, mich da mit reinzusetzen und dann sagen die Leute aus der Gemeinde, die freuen sich das ich da bin und sie sagen wieso?
00:50:01: Du warst doch schon immer eine von uns sind es da jetzt zu steuert.
00:50:03: für mich ist es aber neu und und es hat glaube ich so eben nicht so wahnsinnig viel mit Religiosität zu tun sondern Mit einer Selbstvergewisserung und mit einem Ruhepunkt, mit einer Gemeinschaft gegen die Einsamkeit.
00:50:25: So wir leben in einer Zeit großer Einsamheit.
00:50:27: es gibt ein Ministerium für Einsamkeiten mittlerweile Und die einzige Lösung der Advertif dagegen ist man muss sich mit Leuten treffen Man muss irgendwo hingehen und am simpelsten eben Auf eine Art Treffen, in der man nicht immer wieder neu verhandeln muss.
00:50:43: Also in der sich irgendwie verabredet und dann verab reden wir was wie hier im Podcast besprechen sondern Wir gehen da einfach hin weil ist freitag Und wir machen Detail so und manchmal habe ich gute Laune und manchmal nicht.
00:50:55: aber wir gehen dahin.
00:50:55: also es ist so ne weiße das gibt Menschen Sicherheit und selbst Vertrauen und auch so ein Sohn ist.
00:51:01: also Es geht ja auch um so ein Gefühl von Ich bin nicht alleine.
00:51:05: Also wenn du einfach in so einen Raum kommst und da ganz unterschiedliche Leute mit ganz unterschiedlichen Ansichten, unterschiedlichen Geschichten.
00:51:12: Und dann denkst aber wir sind uns alle einig dass wir nicht gehasst werden wollen und das es nicht okay ist irgendwie den Staat Israel zu verurteilen für alles was schiefläuft in der Welt.
00:51:27: Es ist manchmal auch eine Frage Ich will nicht sagen das kleinsten gemeinsamen Nenners, aber so eine Gemeinsamkeit von.
00:51:36: können wir uns darauf einigen dass Judenhass nicht die Lösung ist.
00:51:41: Ja.
00:51:42: Schmerzt dich das, dass jüdisch sein auch immer bedeutet politisch zu sein?
00:51:48: Ich hab das.
00:51:49: Stimmen gibt es nicht überall irgendwie.
00:51:53: Ist man nicht immer automatisch politisch?
00:51:55: ich weiß nicht.
00:51:57: Also du meinst jetzt politisch?
00:52:00: Wenn du sagst, ich hab das Gefühl.
00:52:01: Das ist ein Gefühl.
00:52:02: wenn Du sagst so Ich bin jüdisch oder ich will Jüden werden oder jüdische sein dann ist es da klingt immer Politik mit Da klingt Immer große Themen Mit.
00:52:11: wenn Du Sagst IrGendwie Ich Bin So Ein U-Boot Christ und Gehe Im Weihnachten in Die Kirche Dann
00:52:17: interessiert
00:52:18: Es Keine Sorge
00:52:18: weil sie Mehrheit Ist Weil die Welt ist In Der wir Leben also Muss Bedenken dass nahezu alle Feiertage, die wir haben.
00:52:25: Alle gesetzlichen Feiertagen sind christliche Feiertages und unsere ganze Welt ist christlich ausgerichtet.
00:52:32: das ist das normale.
00:52:33: dafür muss man sich nicht rechtfertigen.
00:52:34: alle sind christen.
00:52:36: aber wenn du denn sagst na es gibt aber noch was anderes dann musst du dich immer rechtfertig.
00:52:40: also so und du bist immer also.
00:52:43: durch meine Behinderung bin ich schon gewohnt zu sagen das geht für mich nicht Da komm ich nicht rein.
00:52:48: Oder irgendwie, ich brauch bitte einen anderen Stuhl oder ich brauche irgendwie dann ein Tritt auf die Bühne sonst komme ich da nicht
00:52:53: hoch.".
00:52:53: Und ich bin halt mein ganzes Leben lang mit diesem Gefühl durch die Gegend gelaufen ... Bei mir ist es komplizierter und meinen Großvater hat zu meiner antifaschistischen Großmutter gesagt als sie sich kennengelernt haben war wie so'n Geständnis Ich hab nen Webfehler!
00:53:13: Und dann hat sie... wieso was is denn?
00:53:15: Nein, mein Vater ist Jude.
00:53:18: Krass wurde Webfehler.
00:53:21: Und der Witz ist, dass ich das dann hatte als ich ein Teenager war und irgendwie Männer kennengelernt.
00:53:26: Ich hab einen Gehfehler mit demselben Schuldbewusstsein.
00:53:32: Es stimmt was nicht mit mir.
00:53:37: Das jüdische Erbe darin bestand, dass man immer sagen musste, Sorry, für mich haut es nicht hin!
00:53:45: So, wenn dann alle ... Na ist doch normal dass man irgendwie so ein paar Nazi-Lieder singt.
00:53:50: Wenn man unter sich ist oder so nix.
00:53:52: Nee?
00:53:53: Ja also es gibt... Da sind wir wieder beim Unbewussten.
00:53:56: Also sozusagen so ein Paar Juden.
00:53:59: bitte soll man nicht aber ist ja lustig.
00:54:02: Wenn du das mitbekommst und die Leute nicht wissen, dass du da eine Nähe zu der Religion hast durch deine Familiengeschichte sagst du halt die Schnauze?
00:54:07: Oder bist du still?
00:54:09: Ich sage meistens was, dass ich alle sehr schäme glaube ich.
00:54:12: Was würde
00:54:12: ich gerne mal sehen Das glaub ich, kannst du bestimmt
00:54:15: sehr gut.
00:54:16: Ich kann das auch auf eine Art... Also ich bin generell auch jemand der tachlis redet und sozusagen dieses ganze Befindlichkeitsgequatsche.
00:54:26: Und da, ich glaube einfach deswegen weil ich mich so viel schäme in meinem Alter.
00:54:32: Es gibt so viel Wichtiges, dass er jetzt wieder anstellt und ich bin nicht blöd!
00:54:39: Ich muss ja die ganze Zeit gegen meine eigene Dummheit und Unfähigkeit ankämpfen und viel lesen und versuchen keinen Quatsch zu erzählen und wie meine Arbeit ordentlich machen und ordentliche Texte zu schreiben.
00:54:52: Dass ich wirklich ein bisschen fassungslos dastehe wenn Leute irgendwie Blödsinn erzählen Und meinen.
00:54:56: das geht irgendwie durch.
00:54:58: Vielen Dank für das Gespräch.
00:55:08: Wenn euch dieser Podcast gefallen hat, dann abonniert ihn bitte.
00:55:11: Zum Beispiel indem ihr bei Spotify auf die Glocke klickt und empfiehlt uns auf jeden Fall weiter!
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00:55:29: Folgt uns dafür auf Instagram unter unserem alles muss raus Kanal.
00:55:33: wenn euch alles muss heraus gefällt unterstützt uns gerne auch auf Patreon.
00:55:37: Dort versorgen wir euch mit exklusiven Podcast-Folgen unseren Themenkonferenzen Specials zu unseren Drehs und anderen tollen Extras.
00:55:45: Alle Links findet ihr unten in den Shownotes.
00:55:48: Neue Folgen erscheinen Donnerstags auf allen gängigen Podcastplattformen!
00:55:53: Alles muss raus, ist eine Produktion von Pekopepi II GmbH Redaktion Luca Lau Katarina Mertzenich Thilo Mischke Marlon Plaz Audioproduktion und Musik Leo Ebert Glang.
00:56:05: Moderiert wird alles muss raus
00:56:07: von mir,
00:56:08: Thilo Mischke.
00:56:09: Wenn du bei uns werben möchtest findest Du mehr Infos unten in den Show-Notes.
00:56:13: Vielen Dank fürs Zuhören!
00:56:27: Bis bald!